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“Absolute Ohrfeige”: Volksbanken in BaWü erleben Fusions-GAU

Die angestrebte Konsolidierung des baden-württembergischen Genosektors verkommt zur Farce. Nachdem im April bereits die avisierten Zusammenschlüsse von Villingen-Schwenningen und Rhein-Wehra (12,4 Mrd. Euro kumulierte Bilanzsumme), Böblingen und Leonberg-Strohgäu (6,8 Mrd. Euro) sowie Neckartal und Heidelberg (4,5 Mrd. Euro) gescheitert waren, ist nun auch die geplante Fusion der VR Bank Heilbronn Schwäbisch Hall mit der Raiffeisenbank Hohenloher Land (6,3 Mrd. Euro) geplatzt – und das geradezu spektakulär.

Hintergrund: Dass Fusionen im Genosektor abgesagt werden, ist eigentlich die Ausnahme (siehe unsere Analysen hier und hier). Und wenn sie doch mal scheitern, dann meistens während der Sondierung – also in einer Phase, die allen Beteiligten einen gesichtswahrenden Rückzug erlaubt. Ganz anders trugen sich die Dinge jedoch im aktuellen Fall zu, wie sich in der “Heilbronner Stimme” (Paywall) nachlesen lässt: Die beiden Vorstände waren sich längst einig, hatten tief in ihre jeweilige Organisation hineingehorcht und nicht weniger als fünf “Vertreter-Foren” abgehalten, um die Basis ins Boot zu holen. Doch dann, am Mittwochabend, bei einer der Vertreterversammlungen, kam es zum Desaster: Nötig war wie üblich eine 75%-Mehrheit. Stattdessen sprachen sich 62% (!) der anwesenden Mitglieder der Raiba Hohenloher Land gegen die Fusion aus. Eine 2/3-Ablehnung statt der angestrebten 3/4-Zustimmung – das dürfte es noch nicht allzu oft gegeben haben (einer der beteiligten Mandatsträger sprach von einer “absoluten Ohrfeige”).

Nun mögen zwei Sonderfaktoren eine Rolle gespielt haben:

  1. In der neuen VR Bank Heilbronn Schwäbisch Hall verbirgt sich die alte Volksbank Heilbronn, bekanntlich ein ziemliches Skandalinstitut; und …
  2. Warum die Raiba Hohenloher Land nicht einfach mit der Voba Hohenlohe (die gibt es auch noch …) fusioniert, war der Basis offenbar schwer zu vermitteln.

Und doch: Wenn in einem Bundesland binnen drei Monaten vier große Fusionen mit einer aggregierten Bilanz von 30 Mrd. Euro (!) platzen, dann liegt das nicht nur an Sonderfaktoren: Sondern: Irgendetwas stimmt da nicht.


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