Spezialbanken-Ticker

Von der OLB-Sause bis zum „New Normal“ der KfW: Alle Spezialbanken-News aus dem April

In unserem Spezialbanken-Ticker beleuchten wir all jene Banken, die ansonsten eher wenig beleuchtet werden – von den Sutors bis hin zu den Advanzias, von den Förderbanken bis hin zu den Kirchenbanken, von den Whitelabel-Spezialisten bis hin zu den kleinen Auslandsbanken.

Hier unser Ticker für April:

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Exklusiv: BdB gewinnt 75-Mio.-€-Prozess gegen HRE. Das Urteil ist jedoch zweischneidig.

Zwei Jahre nach dem Zusammenbruch der Greensill Bank werden die privaten Banken für ihre harte Linie gegenüber der Hypo Real Estate belohnt. Hintergrund: Die HRE Holding (ein staatliches Überbleibsel aus der HRE-Pleite) hatte bei der deutschen Greensill satte 75 Mio. Euro deponiert und wollte dieses Geld nach dem Greensill-Kollaps ersetzt haben. Laut einem von Finanz-Szene entdeckten Urteil des Landgerichts Berlin muss die Einlagensicherung der privaten Banken aber gerade einmal 100.000 Euro (plus Zinsen) zahlen – also nur den gesetzlich festgelegten Höchstbetrag. Eine darüber hinaus gehende Entschädigung aus der freiwilligen Einlagensicherung wird nicht fällig. Letzten Endes bleibt die öffentliche Hand somit auf dem Verlust von annähernd 75 Mio. Euro sitzen – während die privaten Banken in dem ohnehin schon 2,7 Mrd. Euro schweren Greensill-Entschädigungsfall weitere Kosten abwenden können. Pikant an dem Urteil: Die Berliner Richter folgen in ihrer Urteilsbegründung teilweise der Sicht der HRE Holding. Diese hatte argumentiert, sie sei kein Finanzinstitut, sondern eine Gesellschaft zur Vermögensverwaltung – deshalb habe sie Anspruch auf Entschädigung (was Finanzinstitute nicht haben). Das Landgericht sah das zwar ähnlich, verweigerte der HRE Holding die 75 Mio. Euro aber trotzdem. Begründung: Die Statuten des Einlagensicherungs-Fonds sähen prinzipiell keinen Rechtsanspruch auf Entschädigung vor. So sehr dem BdB das Urteil als solches gefallen dürfte – die Urteilsbegründung ist im Hinblick auf das Werben neuer Mitglieder mindestens mal zweischneidig. Einen ausführlicheren Artikel zum Thema lesen Sie hier: FS Premium

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Kurz getickert

  • Die Baader Bank hat im ersten Quartal fast ein Fünftel ihrer Erträge verloren (–17% auf 47 Mio. Euro) – und muss nach Steuern einen Verlust von 0,3 Mio. Euro schlucken (Mitteilung)
  • Die deutsche Barclays (die Rede ist von der in Hamburg ansässigen Retail-Sparte) steigt mit Verve in den Zinswettbewerb beim Tagesgeld ein. Die Konditionen: 3,11 %; sechs Monate lang; bis zu 250.000 Euro; nur für Neukunden.
  • Zu Jahresbeginn hatte Finanz-Szene eine schwere Panne bei der DWP Bank aufgedeckt (siehe –> Fataler Fauxpas: DWP Bank verliert bei Wertpapier-Split rund 60 Mio. Euro) – nun zeigen sich die Verluste auch in den gestern offengelegten Jahreszahlen: Das Vorsteuerergebnis des Wertpapierabwicklers (hinter dem Sparkassen und Genobanken stehen) fiel trotz ordentlicher operativer Entwicklung von 57 Mio. auf 2 Mio. Euro. Die Zahl der abgewickelten Transaktionen stieg um 2% auf 52 Mio. Stück.
  • Beim Frankfurter Online-Broker Flatex sind im ersten Quartal verglichen mit der Vorjahresperiode sowohl die Transaktionen (–25%) als auch der Umsatz (–17%) deutlich zurückgegangen – das Ebit brach regelrecht ein (–63% auf 19 Mio. Euro). Zugleich verbesserten sich die genannten Kennzahlen jedoch allesamt leicht gemessen am direkten Vorquartal – ein Hinweis auf eine gewisse Bodenbildung im deutschen Trading-Markt. Die Zahl der Kunden stieg um netto rund 100.000 auf 2,5 Millionen.
  • Die Landwirtschaftliche Rentenbank hat ihr Fördergeschäft mit Programmkrediten im vergangenen Jahr um 23% auf 6,9 Mrd. Euro ausgedehnt – wobei mehr Geld in die ländliche Entwicklung (+71% auf 2,05 Mrd. Euro) als in die klassische Landwirtschaft (–18% auf 2,02 Mrd. Euro) floss. Der Verwaltungsaufwand stieg infolge höherer Pensionsverpflichtungen um 25% (!) auf 113 Mio. Euro. Dank rückläufiger Risikovorsorge legte der Jahresüberschuss dennoch leicht auf 36 Mio. Euro zu.
  • V-Bank kann Ergebnis erneut kräftig steigern: Die Depotbank für Vermögensverwalter profitiert offenbar massiv von der Zinswende. So hat das jahrelang eher mäßig profitable Münchner Spezialinstitut sein Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit im vergangenen Jahr um zwei Drittel auf 18 Mio. Euro gesteigert – und strebt für dieses Jahr sogar einen Wert von mehr als 30 Mio. Euro an. BÖZ (Paywall)
  • Die L-Bank hat 2022 dank der Zinswende erstmals seit Jahren ihren Zinsüberschuss gesteigert – und zwar um gleich 26% auf 320 Mio. Euro. Das Betriebsergebnis der baden-württembergischen Förderbank stieg in der Folge auf 173 Mio. Euro (plus 10%), das ausgereichte Fördervolumen erhöhte sich um 6% auf 16,1 Mrd. Euro. (Mitteilung)
  • Und ebenfalls interessant, was gerade im US-amerikanischen Einlagengeschäft los ist. Dort haben Apple und Goldman Sachs ein gemeinsames Sparprodukt gelauncht, das 4,15% Zinsen für ein Jahr bietet – gut das Zehnfache des Marktdurchschnitts. (FT/Paywall)
  • Vorstand der Apobank könnte schon bald wieder komplett sein: Laut einem „FAZ“-Bericht sollen die beiden Eigengewächse Heiko Drews (derzeit für den Filialvertrieb zuständig) und Christian Wiermann (derzeit für die Gesamtbanksteuerung zuständig) als Vertriebs- bzw. Finanzvorstand in das dann fünfköpfige Führungsgremium einziehen.
  • Apobank hat ein gehöriges Problem mit ihren Eigenanlagen: Ebenfalls die „FAZ“ macht auf eine Passage im Geschäftsbericht aufmerksam, wonach die stillen Lasten im Anlagevermögen der genossenschaftlichen Klientelbank im vergangenen Jahr von nahe Null auf rund 450 Mio. Euro hochgeschossen sind. Hintergrund: Wertverluste im Anleihebestand, bei der jüngsten Bilanz-PK elegant verschwiegen. Der Vorstand setzt auf Wertaufholung.
  • Bei der Hamburger Varengold Bank (siehe in unserem Archiv -> Die Bank, die in den Zaubertrank fiel) setzt sich die wundersame Ertragsvermehrung fort. Nach eigenen Angaben stiegen im Q1 die Nettoerträge um 22% auf 19 Mio. Euro, das Ebit habe sich sogar um 51% auf 12 Mio. Euro verbessert (Mitteilung)

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Wussten Sie schon?

… dass die SWK Bank nach mehr als 40 Jahren ihren Hauptsitz aus Bingen am Rhein wegverlegt? Sein neues Hauptquartier hat sich der Kreditspezialist allerdings nicht im nur 70 Kilometer entfernten Frankfurt gesucht – und auch Berlin (wo die SWK Bank seit geraumer Zeit ihre Manager rekrutiert) war offenbar keine Option. Stattdessen: Rutscht das Institut rund 30 Kilometer rüber nach Mainz. Was vermutlich gar nicht so doof ist, wenn man bedenkt, dass es in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt zwar viel weniger Banken gibt als in Frankfurt (zumal nach dem Untergang der North Channel Bank), zugleich aber viel mehr Banker als in Bingen. Um ebendiese Klientel übrigens wirbt die SWK Bank seit Wochen ziemlich offensiv – unter anderem mit einer Plakatkampagne am Mainzer Bahnhof. Titel: „Keine Lust zu pendeln?“

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Das 30-Mio.-Euro-Konstrukt: Wie die OLB-Manager vom IPO profitieren

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Mit 18 lernte sie Deutsch. Mit 45 führt sie eine der spannendsten deutschen Banken

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Kurz getickert

  • Die Evangelische Bank, mit einer Bilanzsumme von 8,6 Mrd. Euro das größte kirchliche Kreditinstitut hierzulande, hat 2022 sowohl beim Zinsüberschuss (plus 8% auf 99 Mio. Euro) als auch beim Provisionsergebnis (um grob die Hälfte auf 23 Mio. Euro gestiegen) deutlich zugelegt. Da zugleich der Verwaltungsaufwand nur moderat stieg (plus 5% auf 79 Mio. Euro) und kaum Abschreibungen zu verzeichnen waren, blieb selbst nach Bewertung noch ein Ergebnis von 44 Mio. Euro hängen – 0,51% der DBS. (BÖZ/Paywall)

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Wie sich das New Normal auf das Zahlenwerk der KfW auswirkt

Ein bisschen putzig ist es ja schon, dass die KfW bei ihrer Bilanz-PK am Freitag von einem „Ausnahmejahr“ gesprochen hat. Denn: Wenn 2022 die „Ausnahme“ war – was ist denn dann der Regelfall? 2020 etwa, als die Staatsbank die Folgen der Corona-Pandemie zu bekämpfen hatte? Oder 2021, als sich der Konzerngewinn infolge diverser bilanzieller Post-Corona-Aufholeffekte auf 2,2 Mrd. Euro vervierfachte? Und was ist eigentlich mit dem laufenden Geschäftsjahr? Irgendeine Form von Normalisierung in Sicht? Im Januar und Februar hat die KfW schon wieder Neugeschäft im Umfang von satten 30 Mrd. Euro gemacht – verglichen mit dem „Ausnahmejahr“ 2022 ein Plus von 35%, wobei dieser Vergleich natürlich insofern hinkt, als der Ukraine-Krieg ja erst Ende Februar begann, aus geschäftlicher Sicht also bis dahin noch Normalität herrschte im „Ausnahmejahr“.

Jedenfalls: Gemessen an den mannigfaltigen Eruptionen da draußen, kommen die 2022er-Zahlen der KfW einigermaßen erwartbar daher. Das Fördervolumen ist, wie man ja schon wusste (die Stichworte lauten: Energiekrise, Uniper, Zuweisungsgeschäft) regelrecht explodiert, und zwar um 56% auf 167 Mrd. Euro. Was nun die GuV angeht: Während der Zinsüberschuss mit 2,416 Mrd. Euro auffällig unter dem in den letzten Jahren üblichen Niveau von grob 2,5 Mrd. Euro blieb, ging das Provisionsergebnis zwar gemessen am Vorjahr um -1% auf 629 Mio. Euro zurück – was aber nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass die KfW inzwischen grob ein Fünftel ihrer Erträge über Provisionen erwirtschaftet (vor fünf Jahren war es grob ein Zehntel). Die Verwaltungsaufwendungen stiegen derweil erstmals überhaupt über die Marke von 1,5 Mrd. Euro – was doppelt so viel ist wie zu Beginn des letzten Jahrzehnts. Während die Risikovorsorge (122 Mio. Euro) im Rahmen blieb, sorgten vor allem das deutlich geringere Fair-Value-Ergebnis (-67% auf 214 Mio. Euro) sowie ein höherer Förderaufwand (+62% auf 305 Mio. Euro) dafür, dass der Konzerngewinn mit knapp 1,4 Mrd. Euro doch merklich zurückging. Hier das Zahlenwerk im Überblick: FS Premium

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Kann es sein, dass die Probleme der Apobank chronisch werden?

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Kurz getickert

  • Der Frankfurter Online-Broker Flatex vermeldet für März 5,8 Mio. Transaktionen – ein Minus von 28% verglichen mit dem Vorjahr. Die Aktie fiel um 4,6%
  • Die österreichische Oberbank sieht sich bei ihrer Expansion nach Deutschland vom Fachkräftemangel ausgebremst – so sei man für die geplanten Standorte in Kassel und Magdeburg noch immer aus der Suche nach Personal. Trotzdem will das hierzulande auf Mittelstand und Private Banking fokussierte Institut die Zahl seiner Filialen von derzeit 46 auf bis zu 60 aufstocken. (BÖZ/Paywall)
  • Die Oldenburgische Landesbank lagert über einen „synthetischen Risikotransfer“ einen Teil ihrer Kreditrisiken im Firmenkundengeschäft an Investoren aus. Nach Angaben des Instituts sinken die risikogewichteten Aktiva hierdurch um bis zu 450 Mio. Euro, während sich die harte Kernkapitalquote um etwa 40 Basispunkte verbessere (Mitteilung)
  • Die Apobank verkauft, wie wir im November ja schon angekündigt hatten, ihr Verwahrstellen-Geschäft. Abnehmer für den gerade mal 21 Mrd. Euro kleinen Bestand ist die DZ Bank, die ihrerseits in dem Bereich auf ein Volumen von mehr als 300 Mrd. Euro kommt. Ob Geld fließt (und wenn ja, in welche Richtung), wurde nicht kommuniziert.

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Von IKB bis VW Bank: Alle Spezialbanken-News aus dem März

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