Analysten trauen Deutscher Bank merklich mehr Gewinn zu

4. März 2021

Von Christian Kirchner

Aktienanalysten trauen der Deutschen Bank nach Vorlage der 2020er Zahlen einen höheren Nettogewinn zu als noch vor wenigen Wochen – dies zeigt ein Vergleich der neuen Konsens-Schätzungen vom 2. März mit den letzten Werten von Ende Januar. Insgesamt rechnen die Analysten im Durchschnitt nun mit einem Nettogewinn von 849 Mio. Euro für 2021 (statt zuvor 685 Mio. Euro) und von 2.570 Mio. Euro für 2022 (statt zuvor 2.479 Mio. Euro). Die Kehrseite: Die Experten erwarten, dass der Erfolg des Instituts bis 2023 vom Investmentbanking abhängen wird.

Binnen eines Monats hat die Aktie der Deutschen Bank 28% zugelegt, während die der Commerzbank im gleichen Zeitraum praktisch stagnierte. Diese Kursentwicklung ist ein Spiegel der veränderten Gewinnschätzungen, die bei der Deutschen Bank gestiegen, bei der Commerzbank hingegen nach Vorlage der 2020er Bilanz Anfang Februar gesunken sind (siehe hier).

Nettogewinn Deutsche Bank (Analystenkonsens) vor Nachrang-Zinsen

in Mio. Euro Schätzung 26.1. Schätzung 2.3. Veränderung
2021 685 849 + 164
2022 2.479 2.570 +  91
2023 k.A. 3.048 k.A.

Den optimistischeren Ausblick verdankt die Deutsche Bank zum allergrößten Teil den verbesserten Gewinnschätzungen für die Investmentbank, die die Analysten nun binnen eines Monats für 2021 und 2022 insgesamt um eine halbe Milliarde Euro nach oben geschraubt haben. Liegen sie richtig, wird die Investmentbank im laufenden Jahr einen höheren Vorsteuergewinn erwirtschaften als die Segmente Private Bank, Corporate Bank und das Asset Management zusammen – nämlich 2,2 Mrd. Euro vs. 2,0 Mrd. Euro für die drei anderen Geschäftsfelder. Getrübt wird das Gesamtbild von der internen Bad Bank: Diese wird laut der neuen Schätzung auch 2021 rund 2 Mrd. Euro Verlust schreiben.

Vorsteuergewinn 2021 nach Sparten (Analystenkonsens)

in Mio. Euro Schätzung 26.1. Schätzung neu 2.3. Veränderung
Private Bank 545 638 + 93
Corporate Bank 773 727 – 46
Investmentbank 1836 2.212 + 376
Asset Management 589 652 + 63
Corp. & Other – 284 – 558 – 274
CRU (Bad Bank) – 1891 – 1977 – 86

Mit den neuen Schätzungen im Nachgang zur Bilanzpräsentation liegen nun auch belastbarere Analystenzahlen für 2022 vor – also dem Jahr, das quasi das „Zieljahr“ der aktuellen Strategie darstellt. Dabei zeichnet sich ab, dass das Investmentbanking das 2019 ausgegebene Ziel eines Vorsteuergewinns von zwei Milliarden Euro deutlich übertreffen dürfte. Hingegen dürften die Corporate Bank (Konsens für 2022: 1,1 Mrd. Euro) sowie die Private Bank (Konsens: 1,3 Mrd. Euro) ihre 2019 von CEO Sewing ausgegebenen Zielwerte von ebenfalls jeweils 2 Mrd. Euro Vorsteuergewinn verpassen. Die wesentliche Ursache: Weder der Corporate Bank noch der Private Bank trauen die Analysten eine Steigerung der Erträge zu.

Vorsteuergewinn 2022 nach Sparten (Analystenkonsens)

in Mio. Euro Schätzung 26.1. Schätzung neu 2.3. Veränderung
Private Bank 1.251 1.286 + 35
Corporate Bank 1.134 1.098 – 36
Investmentbank 2.327 2.483 + 156
Asset Management 616 688 + 72
Corp. & Other – 219 – 376 – 157
CRU (Bad Bank) – 1.071 – 1.061 + 10

Dividendenfähig wäre die Bank mit diesem Ergebnis, obwohl sie laut diesen Schätzungen ihr Ziel von 8% Eigenkapitalrendite mit 4,4% sehr deutlich verfehlen würde. Im Schnitt glauben die Analysten an 22 Cent Dividende je Aktie für 2022. Laut ihren neuen Schätzungen betrüge der Gewinnbeitrag des Investmentbankings zum Vorsteuergewinn 2022 knapp 60%. Selbst 2023 läge er immer noch bei 53%. Demnach bliebe die Abhängigkeit der Deutschen Bank von ihrem Investmentbanking hoch.

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