Kurz gebloggt

Bafin benennt zwei Gruppen von etwaigen deutschen Krisenbanken

5. April 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Bafin-Chef Felix Hufeld hat in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ zwei Gruppen von hiesigen Banken benannt, die in der Corona-Krise „kritischen Belastungen ausgesetzt“ sein könnten:

  • Zum einen seien das Institute, „um die wir uns schon vor Corona Sorgen gemacht haben und die wir daher einer intensivierten Aufsicht unterworfen haben“, so der oberste deutsche Finanzaufseher. (Anmerkung Finanz-Szene.de: Welche das sind und wie viele, ist öffentlich nicht bekannt. Was man weiß: Die Bafin hatte schon Anfang 2019 eine eigene Einheit für potenzielle Krisenintitute gegründet. Damals sagte Hufeld: “Wir wollen Vorsorge betreiben, solange die Konjunktur noch gut ist, um gerüstet zu sein, wenn es wirklich zu einem Abschwung kommt.”).
  • Die zweite Gruppe, so Hufeld, seien Banken, die möglicherweise durch ein Zusammentreffen verschiedener Faktoren – beispielsweise durch regionale Positionierung oder durch eine sehr starke Exponiertheit gegenüber besonders betroffenen Branchen – durch die Corona-Krise in ganz erheblichem Maße in Mitleidenschaft gezogen werden könnten.“

Die Hufeld-Aussagen decken sich in etwa mit unserer Analyse vom 25. März, als wir geschrieben hatten, es könnte in den nächsten Wochen und Monaten vor allem bei zwei Arten von Banken spannend werden, …

  • … nämlich bei denen, die in den zurückliegenden Jahren über eine massive Ausweitung des Kreditbuchs versucht haben, ihre Zinsgewinne zu verteidigen
  •  … und bei denjenigen, die zu klein bzw. zu regional waren, um bei der Kreditvergabe eine ausreichende Diversifizierung über Sektoren vorzunehmen. Einige dieser Institute könnten nochmal davonkommen, weil sie in puncto Klumpenrisiko die guten Klumpen erwischt haben. Bei vielen anderen indes dürfte das glatte Gegenteil der Fall sein (dazu gehören u.a. Banken, die Dienstleister aller Art finanziert haben).

Wenn man nun schaut, auf welche Institute sowohl der Punkt „Kreditgeschäft massiv ausgeweitet“ als auch der Punkt „Drohendes Klumpenrisiko“ zutrifft, dann landet man unweigerlich bei den Sparkassen (Kredite an Firmenkunden 2019: +6%) sowie den Volks- und Raiffenbanken (Kredite an Firmenkunden 2019: +7%).

Dazu passt auch, was die Ratingagentur Fitch schon letzten Sommer (also lange vor Corona) in Bezug auf den Sparkassen-Sektor schrieb: „Die regionale Ausrichtung der Sparkassen könnte jedoch zu einem übermäßigen Exposure in Bezug auf regionale Schlüsselbranchen, größere Kreditnehmer oder zu große und schlecht geführte öffentliche Projekte führen.“ Inwieweit die sowohl im Sparkassen- als auch im Genosektor üblichen gruppeninternen Syndizierungs-Programme diese strukturellen Probleme abfedern, ist unklar.

Wie wenig die Bafin angesichts der Dimensionen der Corona-Krise jedenfalls den Kapitalausstattungen einzelner Institute vertraut, zeigt sich in Hufelds Fazit in dem „FAS“-Interview: „Ob solche Banken dann ausreichend stabil sein werden, um dies aufzufangen, ist im Moment nicht abzusehen.“

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