Bafin verhängt Moratorium über die Greensill Bank AG

3. März 2021

Von Christian Kirchner

Dramatische Zuspitzung im Fall der Greensill Bank AG: Die Bafin hat am heutigen Mittwoch ein sogenanntes Moratorium über das in Bremen ansässige Geldinstitut verhängt. Dabei handelt es sich das ultimative Mittel, zu dem Finanzaufsicht bei einer drohenden Schieflage greifen kann. Konkret befürchtet die Bafin laut einer soeben veröffentlichten Mitteilung eine Überschuldung des Instituts. Vor allem dieser Satz hier hat es in sich: „Die BaFin hat in einer forensischen Sonderprüfung festgestellt, dass die Greensill Bank AG nicht in der Lage ist, den Nachweis über die Existenz von bilanzierten Forderungen zu erbringen, die sie von der GFG Alliance Group angekauft hat. Die BaFin hat daher bereits umfangreiche Maßnahmen zur Sicherung der Liquidität und zur Risikobegrenzung der Greensill Bank AG erlassen und einen Sonderbeauftragten bei der Bank eingesetzt.“ Das erinnert stark an den Fall Wirecard – auch wenn es dort am Ende nicht um die Existenz von Forderungen, sondern um die Existenz von Liquidität ging.

Unter dem Moratorium ist es der Greensill Bank nun verboten, weitere Zahlungen zu leisten (also beispielsweise Einlagen oder zugesagte Kredite auszureichen) oder Vermögensgegenstände zu veräußern. Zudem darf das Geldinstitut keine Zahlungen mehr entgegennehmen, außer diese dienen der vereinbarten Tilgung von Verbindlichkeiten. In den vergangenen zehn Jahren hat die Bafin lediglich drei Moratorien ausgesprochen, zuletzt 2018 im Falle der Dero Bank (Bilanzsumme: 27 Mio. Euro) und 2016 bei der in Cum-Ex-Geschäfte verwickelten Maple Bank (Bilanzsumme: 5 Mrd. Euro).

Die Bremer Greensill Bank AG wies per Ende 2019 – so viel war bekannt – eine Bilanzsumme von 3,8 Mrd. Euro aus und verfügte über rund 3,3 Mrd. Euro an Einlagen institutioneller und privater Kunden. Damit hatte das Institut, dass zum schwer angeschlagenen britisch-australischen Finanzkonglomerat Greensill gehört (siehe unsere Artikel hier, hier und hier) ihr Geschäftsvolumen binnen zwei Jahren versechsfacht. Von den Einlagen entfällt knapp 1 Mrd. Euro auf klassische Retail-Einlagen, die vor allem über die Fintech-Plattformen „Zinspilot“ und „Weltsparen“ in die Bank geflossen waren. Laut der Bafin-Mitteilung stieg die Bilanzsumme bis zum 31. Dezember 2020 sogar auf rund 4,5 Mrd. Euro.

Die Greensill Bank hatte bis 2014 als Nordfinanz Bank AG firmiert. Nach der Übernahme durch das Greensill-Konglomerat konzentrierte sich das Geldhaus auf die Finanzierung und Absicherung von „Supply Chain Finance“-Geschäften. Da die wichtigste Gesellschaft auf dem Greensill-Imperium – nämlich die britische Greensill Capital – selbst in erheblichen Turbulenzen steckt, schlagen deren Probleme aus Sicht der Bafin offenbar auch auf die Greensill Bank AG durch.

Was jetzt mit der Greensill Bank passieren wird

Da unter dem Moratorium keine Gelder mehr abfließen können, ist die unmittelbare Gefahr eines Bank-Runs gebannt. Stattdessen kann die Bafin nun prüfen, wie sich die Lage bei dem Bremer Geldinstitut wirklich darstellt – und ob die Greensill Bank womöglich sogar ihren Betrieb wieder wird aufnehmen können. Andernfalls kann die Bafin einen Insolvenzantrag stellen und spätestens nach sechs Wochen den „Entschädigungsfall“ ausrufen.

Dann würden die jeweils zuständigen Einlagensicherungen übernehmen. Im Falle der Greensill Bank sind das der Einlagensicherungsfonds des privaten Bankenverbands BdB sowie die gesetzliche „Entschädigungseinrichtung deutscher Banken“ (die organisatorisch ebenfalls beim BdB  aufgehängt ist). Da das Institut also beiden Systemen angehört, wären auch Einlagen oberhalb der gesetzlichen Grenze von 100.000 Euro  eschützt – formal und laut letzter Auskunft des Sicherungsfonds mit bis zu 75 Mio. Euro je Kunde (15% der Eigenmittel der Greensill Bank AG).

Nach Verhängung des Moratoriums wird hinter den Kulissen die Suche nach Verantwortlichen für die Bankschieflage beginnen. Fest steht: Die Bafin interessierte sich spätestens seit August 2020 intensiv für die Aktivitäten der Greensill Bank. Seinerzeit hatte „Bloomberg“ berichtet, Kredite und Wertpapiere des Instituts wiesen eine unschöne Konzentration auf – und zwar bezogen auf Unternehmen, die dem Dunstkreis des umtriebigen britisch-indischen Unternehmers Sanjeev Gupta zuzurechnen sind. Laut neueren Meldungen wuchsen in der Finanzaufsicht auch Zweifel an der Werthaltigkeit von Forderungen und Kreditversicherungen. Trotzdem durfte die Bank – bis zum gestrigen Tag – weiterhin Einlagen einsammeln.

Greensill, die Bremer Bank, die Bafin und die Rolle der Fintechs

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