Wussten Sie schon?

Banken (und ein Fintech) verlassen die Düsseldorfer Kö

17. November 2020

Von Christian Kirchner

Wussten Sie schon … dass sich der schleichende Niedergang der deutschen Bankenbranche am Beispiel einer einzigen Straße erzählen lässt? Jahrzehntelang diente die westliche Düsseldorfer Königsallee als Schauplatz einer architektonischen Massenschlacht, welches Geldinstitut das schönste, modernste und repräsentativste Gebäude unterhält. War es die Dresdner Bank ( 37)? Trinkaus & Burkhardt ( 21)? Oder doch die Deutsche Deutsche Bank ( 45)? (Falls die Älteren unter Ihnen jetzt fragen, wo in unserer Aufzählung denn die Commerzbank bleibt: Ja, bis 1990 war Düsseldorf tatsächlich deren juristischer Sitz. Man residierte allerdings nicht auf der Kö, sondern in einer Querstraße …).

Jedenfalls: Auch wenn die alte Herrlichkeit natürlich schon vergilbt war, so wurde die Kö ihrem Ruf als Banken- (und sogar Fintech-)Straße bis vor wenigen Wochen trotzdem noch gerecht. Doch dann setzte ein regelrechter Exodus ein.

  • Schon vor längerer Zeit hatte HSBC Trinkaus eine Vorhut ihrer Belegschaft auf die andere Rheinseite in einen Neubau verlegt. Wie die „Rheinische Post“ kürzlich berichtete, werden nun auch bis Ende 2021 die verbliebenen 900 Mitarbeiter dorthin verlegt, der Standort wird komplett aufgegeben.
  • Bekannt war seit vergangenem Jahr, dass auch die Commerzbank 900 Mitarbeiter von der Kö wegverlegt, und zwar in ein Gewerbegebiet im Stadtteil Oberkassel. Wie wir wiederum der „Rheinischen Post“ zu entnehmen, war das aber noch nicht alles. Denn die Commerzbank legt ihre Kö-Präsenz (bei der es sich um die einstige Dresdner-Bank-Präsenz handelt) jetzt ganz still. Was auch für die dortige Filiale gilt. Und das alles, nachdem die Commerzbank die „ 37″ erst 2011 aufwendigst renoviert hatte. Mit 2000 Quadratmeter großer Kassenhalle, einem Tresor mittendrin und mit einer Glasdecke. „Flaggschiff-Standort“, nannte man das damals, zur Eröffnung kam ein gewisser Martin Zielke, damaliger Privatkundenvorstand.  Vergessen und vorbei. Kunden dürfen künftig in die etwas weniger mondäne „Breite Straße“ latschen, die aktuell umgebaut wird zu einem – na klar: „Flagship-Store“.
  • Falls jetzt aber die Fintech-Leser denken: Auch, die Banken mal wieder mit ihrem Repräsentations-Fimmel. Auch der jüngst erst mit 150 Mio. Euro finanzierte Kreditmarktplatz Auxmoney saß jahrelang in der Königsallee, zog diesen Sommer, aber zwei Straßen weg in die Kasernenstraße.

Und wer ist jetzt überhaupt noch auf der repräsentativen Westseite der Kö von den Großbanken? Die Deutsche Bank.

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