Gehalts-Report, Teil I

Banken vergüten ihre Mitarbeiter mit durchschnittlich 97.000 Euro

1. Juni 2020

Von Christian Kirchner

Bei den 33 größten und bekanntesten Banken hierzulande kam ein durchschnittlicher Mitarbeiter zuletzt auf eine jährliche Vergütung von 97.000 Euro. Das geht aus dem ersten Teil des großen Gehaltsreports von Finanz-Szene.de auf Basis der 2018er-Vergütungsberichte hervor. Am besten verdienten demnach die Beschäftigten der VW Bank mit einer Durchschnitts-Vergütung von rund 137.000 Euro. Es folgten Berenberg mit 133.000 Euro und die Deutsche Pfandbriefbank (PBB) mit 131.000 Euro.

Allerdings sind die Zahlen der drei Geldhäuser nicht 1:1 vergleichbar. So gibt Berenberg als eines der wenigen Institute die Zahl der Mitarbeiter nicht als „Vollzeit-Äquivalent“ („VZÄ“) an, sondern nach Köpfen – dadurch ist die von errechnete Durchschnitts-Vergütung niedriger als die tatsächliche Durchschnittsvergütung (anders gesagt: Gut möglich, dass Berenberg de facto vor der VW Bank stehen müsste). Bei den meisten Instituten fällt dieser Effekt jedoch nicht allzu extrem aus. Zudem können einige wenige Extremwerte den Schnitt verzerren, da es sich um ein simples arithmetisches Mittel (keinen Median) handelt.

Um eine möglichst hohe Vergleichbarkeit zwischen den 33 untersuchten Banken zu gewährleisten, bediente sich Finanz-Szene.de im Regelfall des 2018er-Vergütungsberichts und dort der Angaben zur Gesamtvergütung gemäß Paragraf 450 der CRR-Richtline. Diese umfasst auch alle variablen Gehälter und Zuwendungen etwa für die Altersvorsorge. Diese „Gesamtvergütung“ ist nicht identisch mit dem „Personalaufwand“ aus dem Geschäftsbericht, auch die Kopfzahl kann divergieren. Das liegt daran, dass im Vergütungsbericht lediglich die tatsächlichen Bank-Stellen gezählt werden, nicht aber bankferne wie etwa ein Facility-Angestellter oder eine Reinigungskraft.

Um Sie nun aber nicht mit Fußnoten zuzumüllen: Bei allen Einschränkungen, die es zu machen gilt, liefert die Analyse auch eine Reihe von – aus unserer Sicht – eindeutigen und erhellenden Ergebnissen.

  • Viele von den Banken, die am besten verdienen, zahlen ihren Mitarbeitern am wenigsten: Um das zu erkennen, muss man nur mal ans Ende unserer Tabelle (weiter unten) scrollen, wo die als renditestark bekannten ING Diba, Santander Consumer Bank und DKB drei der vier hinteren Ränge belegen (mit durchschnittlichen Vergütungen von jeweils um die 60.000 Euro). Die niedrigen Gehälter nicht sicherlich nicht der wichtigste Faktor für den Erfolg von ING Diba und Co. – aber das sie ein wichtiger Faktor sind, lässt sich kaum bestreiten. Umgekehrt sorgt die Beschäftigung von Investmentbankern naheliegenderweise für hohe Durchschnittsgehälter.
  • Je einfacher (und digitaler) das Geschäftsmodell, desto niedriger die Vergütung: ING Diba, DKB und Santander stehen natürlich auch deshalb weit unten in der Tabelle, weil sie stark aufs Retailbanking setzen – also jene Teildisziplin des Bankgeschäfts, in der traditionell schlechter bezahlt wird als beispielsweise im Investmentbanking. Entsprechend finden sich auch die untersuchten Sparkassen, Volksbanken und Sparda-Banken tendenziell in der unteren Hälfte unseres Tableaus. Auch „ziehen“ in diesem Segment höhere Teilzeitquoten den Schnitt nach unten. Umgekehrt: Auf Platz 1 bis 14 des Rankings stehen (wenn man die „Sonderfälle“ Deutsche Bank, HVB  und Landesbank Berlin ausklammert) ausschließlich Banken, die kein oder zumindest nicht schwerpunktmäßig Retailbanking betreiben.
  • Hohe Gehälter und hohe Renditen sind freilich kein grundsätzlicher Widerspruch: … wie die deutsche Goldman-Sachs-Dependance zeigt. Die kam 2018 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) auf eine Eigenkapitalrendite von 11,4%, obwohl (oder weil?) sich pro Mitarbeiter ein Personalaufwand von 351.000 Euro ergab. Dass Goldman Sachs in unserer Tabelle nicht auftaucht, liegt daran, dass die deutsche Tochter nicht veröffentlichungspflichtig nach CRR 450 ist, wir also keine vergleichbare „Gesamtvergütung“ haben.
  • Vorsicht bei der VW Bank: Schreiben wir nicht immer, wie exorbiant gut die Finanzsparte von Volkswagen verdient, allein 2018 mehr als 2,5 Mrd. Euro vor Steuern? Ja, tun wir. Allerdings meinen wir damit das „VW Financial Services“ (VWFS) genannten globale Konglomerat. Die VW Bank ist nur ein Teil von VWFS und macht mitarbeitermäßig nicht mal 10% aus. Dass diese nicht mal 10% offenbar sehr, sehr gut verdienen, dürfte damit zusammenhängen, dass der Spezialisierungsgrad (ähnlich wie bei der PBB auch) recht hoch ist. Und auch daran, dass für die Bank der IG Metall-Tarif greift.
  • Bei manchen Banken kann man sich angesichts des hohen Gehaltsniveaus eigentlich nur wundern. Dazu zählen (wenn man wiederum den „Sonderfall“ Deutsche Bank außen vor lässt) zum Beispiel die PBB oder die BayernLB (ohne DKB).

So, genug gelabert, hier nun endlich die Tabelle (halten Sie Ihr Smartphone am besten quer, dann sehen Sie alle Spalten auf einen Blick):

Gesamt-Verg. in Mio. € Mitarb. VZÄ * Verg. je Mitarb.
Volkswagen Bank 137,6 1007 VZÄ 136.711 €
Berenberg 217,3 1640 132.515 €
PBB 111,4 853 VZÄ 130.563 €
BayernLB (ohne DKB) 383,6 3047 VZÄ 125.894 €
UBS Europe SE 235,0 1897 VZÄ 123.880 €
Deutsche Bank (inkl. Postbank) 11.121 97535 VZÄ 114.021 €
Hypo-Vereinsbank 1.369,9 12265 VZÄ 111.692 €
IKB 74,7 671 VZÄ 111.347 €
NRW Bank 161,3 1520 106.118 €
Helaba 569,2 5642 VZÄ 100.883 €
HSBC Trinkaus 306,5 3093 99.095 €
Deka 459,4 4679 98.183 €
Landesbank Berlin 319,3 3378 VZÄ 94.523 €
DZ Bank (nur Bank) 1.274,0 13602 VZÄ 93.663 €
Frankfurter Sparkasse 152,0 1632 VZÄ 93.137 €
Apobank 221,3 2378 93.061 €
Landwirtschaftl. Rentenbank 25,8 304 84.868 €
LBBW (Konzern) 936,6 11287 82.980 €
NordLB 433,5 5366 VZÄ 80.786 €
Aareal 160,9 1992 VZÄ 80.773 €
Hamburger Sparkasse 360,0 4468 VZÄ 80.568 €
Hamburg Commercial Bank 156,8 2021 VZÄ 77.585 €
Commerzbank 3.557,4 47122 75.493 €
Frankfurter Volksbank 118,4 1573 75.289 €
Sparkasse Köln-Bonn 244,9 3254 VZÄ 75.274 €
Berliner Volksbank 139,3 3466 72.428 €
Kreissparkasse Köln 250,8 1923 72.360 €
L-Bank 83,4 1158 VZÄ 72.021 €
Sparda Baden-Württemberg 41,4 666 62.162 €
Santander Consumer Bank 189,6 3076 61.638 €
ING Diba 283,4 4636 VZÄ 61.128 €
DKB 184,0 3083 VZÄ 59.682 €
Sparda West 57,7 1055 54.685 €

 

  • * VZÄ = Vollzeitäquivalente, d.h. in dem Fall ist auch, da vorhanden, die Zahl der Vollzeitstellen (nicht MitarbeiterInnen) angegeben, Quelle: 2018er-Vergütungsberichte

Disclaimer mit weiteren Anmerkungen:

  • Bei den 97.000 Euro handelt sich um einen simplen Durchschnitt (nicht Median) aus „Gesamtvergütung aller 33 Institute“ durch „Mitarbeiterzahl aller 33 Institute“
  • Die Zahlen stammen von 2018, da sich viele Institute sehr lange Zeit lassen mit ihren Abschlüssen
  • Die 33 ausgewählten Banken sind grob gesagt die 25 größten nach Bilanzsumme plus ein paar Sparkassen, Volksbanken, Sparda-Banken und bekannte Namen
  • Einige Institute nennen im Vergütungsbericht nur die Vergütungen in den Sparten und die Anzahl sogenannter „Risk Taker“, nicht aber die durchschnittliche Beschäftigtenzahl insgesamt. In diesem Fall haben wir zur Beschäftigtenzahl im Geschäftsbericht 2018 gegriffen.
  • Pi mal Daumen würden wir davon ausgehen, dass die Zahl der rechnerischen Vollzeitstellen etwa 10% unter der „Kopfzahl“ liegt. Hier kann es aber von Bank zu Bank zu Abweichungen kommen
  • Neben Goldman Sachs fehlen auch einige andere bekannte Namen fehlen, da sie aufgrund ihrer Besitzverhältnisse oder Größe keine ausführlichen, verwertbaren Vergütungsberichte veröffentlichen müssen – Metzler etwa
  • Vergleiche mit dem Vorjahr sind nicht möglich, da erst ab dem Geschäftsjahr 2018  der Vergütungsbegriff alle finanziellen Leistungen und Sachbezüge jeder Art umfasst, die ein Mitarbeiter im Hinblick auf seine berufliche Tätigkeit für das Institut erhält
  • Da es sich den Gesamtaufwand handelt, können Einmaleffekte – etwa für die betriebliche Altersvorsorge – die Zahlen besonders nach oben verzerrt haben
  • Angegeben ist stets die Konzernebene (Ausnahme: BayernLB ex DKB, da diese separat in der Tabelle ist)

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