Exklusiv

Auch die BB Bank führt Gebühren für das Girokonto ein

23. April 2020

Von Christian Kirchner

Das nächste deutsche Geldinstitut verabschiedet sich vom kostenlosen Girokonto: Laut Recherchen von Finanz-Szene.de verlangt die viertgrößte deutsche Genossenschaftsbank BB Bank ab 1. Juli von Neukunden und ab 1. September auch von allen Bestandskunden ab 27 Jahren eine monatliche Kontoführungsgebühr von 2,95 Euro. Zudem werden für die bislang im kostenlosen „Gehalts- und Bezüge-Konto“ enthaltene Girocard mit VPay-Funktion dann 11,95 Euro pro Jahr erhoben – macht für typischen Kunden also einen Paketpreis von knapp 50 Euro pro Jahr.

Dies geht aus den neuen Entgeltinformationen hervor, die Neukunden im Zuge des Kontoeröffnungsprozesses zur Kenntnis nehmen müssen (siehe hier). Bislang bot die BB Bank das Paket aus Girokonto, Girocard und auf Wunsch auch einem Depot für null Euro an, sofern auf dem Konto Gehalt oder Bezüge eingingen – und bewirbt das Angebot so auch immer noch recht offensiv auf der Homepage (siehe hier). Auch das Preis- und Leistungsverzeichnis ist noch nicht angepasst.

Damit verabschiedet sich eine weitere größere Bank vom Konzept des kostenlosen Kontos – eines Konzepts, das betriebswirtschaftlich an Grenzen gestoßen ist (siehe unsere Analyse zum fatalen Kult um das Gratis-Konto). Die BB Bank hat rund 485.000 Mitglieder und betreut ein Kundengeschäftsvolumen von ca. 23 Mrd. Euro. Die Bank ist bundesweit tätig und fährt ein „Hybridmodell“ aus Online-Kontoführung sowie aktuell 80 Filialen. Diese haben einem regionalen Schwerpunkt in Baden-Württemberg, die Genossenschaftsbank mit Sitz in Karlsruhe ist aber in ganz Deutschland mit Filialen präsent. Die BB Bank hat sich als eine Art „Hausbank“ insbesondere für den Öffentlichen Dienst positioniert, steht aber grundsätzlich allen Kunden offen – und gehört auch zu den Instituten, die seit Dienstag Apple Pay anbieten.

Laut den aktuellsten Zahlen (2018) erwirtschaftete die Bank mit knapp 1500 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von 11,7 Mrd. Euro zuletzt einen Jahresüberschuss von 15 Mio. Euro. Eine Gewinnausschüttung wie bei anderen Genossenschaftsbanken an die Mitglieder gibt es bei der BB Bank nicht. Wie bei anderen Instituten auch steigen bei der BB Bank seit Jahren die Einlagen stärker als die Kredite – über die vergangenen fünf Jahre in der Größenordnung von 0,8 Mrd. Euro. Das setzt das Zinsergebnis unter Druck. Die neue Gebühr dürfte der Bank nun einen signifikanten zweistelligen Millionenerlös an Provisionserträgen einbringen.

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