Kurz gebloggt

„Bereinigt“: Wie sich die Deutsche Bank ihre Zahlen schönrechnet

30. Januar 2020

Von Christian Kirchner

Waren Jahreszahlen nicht mal dazu da, dass sich Aktionäre, Gläubiger und Öffentlichkeit einen Überblick über die Ertragskraft und sonstige „KPIs“ verschaffen können? Muss lange her sein.

Denn heutzutage wird „bereinigt“. Und noch mal „bereinigt“. Und nochmal „bereinigt“. Und wenn es sich um die Deutsche Bank handelt – dann wird sogar nochmal „bereinigt“. Bis man am Ende gar nicht mehr sieht, dass ebendiese Deutsche Bank seit 2015 rund 15 Mrd. Euro Verlust angehäuft hat. Unbereinigt, versteht sich.

Klar: Manche Dinge sind bilanzielle Pflicht. Manche aber auch krude Verbalakrobatik. Dürfen wir Ihnen mal zeigen, wie das mit dem „Bereinigen“ geht? Und zwar am Beispiel des Privatkundengeschäfts (das unbereinigt in ziemlichen Schwierigkeiten steckt, siehe hier). Auf geht’s:

  • In der gestern vorgestellten vorläufigen Bilanz zum vierten Quartal finden sich zwei simple, umfassende Kennziffern zur Privatkundenbank (siehe Seite 8 des entsprechenden PDFs): Erträge: 1.986 Mio. Euro. Kosten: 2.150 Mio. Euro.
  • Das macht als Delta aus den beiden Zahlen 164 Mio. Euro Verlust. Weitere 119 Mio. Euro kommen noch für die Risikovorsorge hinzu. Der operative Verlust vor Steuern beträgt also 283 Mio. Euro (fairerweise: Diese Zahl findet sich, wenn auch nicht allzu prominent, in der Deutsche-Bank-Mitteilung).

Nun weist die Bank „bereinigt“ aber mitnichten einen Verlust von 283 Mio. Euro aus. Sondern einen Gewinn von 45 Mio. Euro! Was so kommt:

  • „Bereinigt“ schrumpfen die Kosten auf 1.958 Mio Euro. Weil: Die „Restrukturierungs-Aufwendungen“ werden natürlich abgezogen. (erste Bereinigung, siehe hier Seite 32)
  • Wobei, nein: Die Kosten schrumpfen sogar auf 1.748 Mio. Euro. Denn die „Transformationskosten“ (das sind Aufwendungen, die zwar mit dem 2019 vollzogenen Strategieschwenk zu tun haben, aber nicht zu den „Restrukturierungs-Aufwendungen“ gerechnet werden) gilt es selbstverständlich auch abzuziehen.
  • Fairerweise: Die Erträge werden auch „bereinigt“. Aber gerade mal um 21 Mio. Euro auf 1.965 Mio Euro (dritte Bereinigung).
  • Weil nun aber die 2018er-Erträge auch schon „bereinigt“ waren, allerdings stärker, ergibt sich der schöne Effekt, dass die wahren Ertragsverluste relativiert werden. Unbereinigt wären das nämlich 4% gewesen, bereinigt 2%.

Mithin: Unbereinigt hat die Privatkundensparte, die doch eigentlich für solides, stetiges Geschäft stehen sollte, ordentlich zum horrenden Jahresverlust von 5,7 Mrd. Euro der Bank beigetragen. Und ebenso unbereinigt sind die Erträge im deutschen Retailgeschäft im Q4 um 7% (!!!) gesunken (hier nochmal der Verweis auf das Parallelstück).

Wobei: Bislang waren wir wenigstens noch fest auf dem Boden der heutzutage üblichen Bilanzierungspraktik. Nun aber kommt noch die vierte, quasi kommunikative Bereinigung hinzu. Und zwar um die „Zinseffekte“.

Ja, Sie haben richtig gelesen: eine Bereinigung um „Zinseffekte“ im Privatkundengeschäft. Denn wörtlich erklärte Christian Sewing gestern früh auf der Bilanz-PK in Zusammenhag mit Negativzinsen: „Ohne die Zinseffekte wären unsere bereinigten (!) Erträge im Vergleich zum Vorjahr gewachsen.“

Man könnte also auch sagen: Die um Zinseffekte bereinigten bereinigten Erträge der Deutschen Bank sind gestiegen. Herzlichen Glückwunsch!

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