Exklusiv

Bilanzpolizei stellt DZ-Tochter DVB Bank bloß

15. August 2019

Von Heinz-Roger Dohms und Thomas Borgwerth

Mit den Bilanzierungs-Praktiken der DZ Bank haben uns vor geraumer Zeit ja schon mal intensiv auseinandergesetzt (siehe unser Stück „Die triste Wirklichkeit hinter der bilanziellen Fassade der DZ Bank“). Lustigerweise: Wir waren nicht die einzigen.

Denn wie aus einem diese Woche veröffentlichten Prüfbericht hervorgeht, hat sich auch die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (vulgo: die „deutsche Bilanzpolizei“) die Geno-Bilanzen vorgeknöpft. Das Interesse der DPR galt allerdings nicht der DZ Bank selber. Sondern deren Krisentochter DVB. Resultat der Untersuchungen: Die DVB Bank soll ihren 2016er-Verlust viel, viel zu niedrig ausgewiesen haben

Hier die Details, was die Bilanzpolizei der DZ-Bank-Tochter konkret vorwirft:

1. Vorwurf: Die DVB Bank hat eine Finanzspritze der Mutter genutzt, um das Ergebnis aufzuhübschen

Die DVB Bank hat ihr Ergebnis vor Steuern nach Einschätzung der Prüfstelle um krasse 150 Mio. € zu hoch ausgewiesen. Begründung: Die Verkehrsbank habe eine als „Ertragszuschuss“ deklarierte Zahlung der DZ Bank als „sonstigen betrieblichen Ertrag“ in die Gewinn- und Verlustrechnung eingerechnet. Tatsächlich hätte die Finanzspritze „ergebnisneutral“ ausgewiesen werden müssen, so die DPR.

2. Vorwurf: Der Geschäftswert, den sich die DVB sich selber zubilligt, ist „nicht werthaltig“

Wörtlich schreibt die DPR: „Die Werthaltigkeit des (…)  ausgewiesenen Geschäfts- oder Firmenwerts in Höhe von 59,2 Mio € ist nicht gegeben.“ Begründung: Beim zugrundeliegenden „Wertminderungstest“ der hauseigenen Shipping-Einheit sei der sogenannte Nutzungswert „auf Basis nicht sachgerechter Annahmen und methodischer Fehler bei der Ermittlung der zukünftigen Cash Flows zu hoch ermittelt“ worden. Konsequenz für die Gewinn- und Verlustrechnung: Da auch dieser Betrag ins Ergebnis hätte fließen müssen, war der tatsächliche Verlust der DVB Bank laut DPR also weitere 59,2 Mio. Euro höher.

3. Vorwurf: Die DVB Bank hat Zinsen ausgewiesen, die überhaupt keine Zinsen waren

Die Zinserträge seien um 72,6 Mio. € und die Zinsaufwendungen um 99,9 Mio. € zu hoch ausgewiesen worden, bemängeln die DPR-Experten. Denn: Weder die Erträge (bei denen es um sogenanntes „Operating Leasing“) ging noch die Aufwendungen (die u.a. Abschreibungen und Wertberichtigungen enthielten) hätten Zinscharakter gehabt. Am Ergebnis freilich ändern die falschen Klassifizierungen nichts.

Resümee

Folgt man der Mängelliste der Prüfstelle für Rechnungslegung, dann hat die DVB Bank 2016 keinen Vorsteuerverlust von 135,4 Mio. Euro erlitten (wie offiziell ausgewiesen) – sondern einen Verlust von 344,6 Mio. Euro. Das Minus wäre demnach also zweieinhalb mal so hoch gewesen wie berichtet.

Weder die DZ Bank noch DVB Bank wollten sich auf Anfrage von Finanz-Szene.de äußern. Allerdings darf man vermutlich davon ausgehen, dass die Finanzabteilung der DVB Bank die Ansichten der DPR nicht unbedingt teilt – ebenso wenig wie der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young, der dem Abschluss sein Plazet erteilt hatte. Widerspruch gegen das „Urteil“ der Prüfstelle wurden nach Finanz-Szene.de-Informationen trotzdem nicht eingelegt.

Da die DPR über keine Sanktionsmechanismen verfügt, hat das Verdikt keine unmittelbaren materiellen Folgen für die DVB Bank.  Allerdings: Unangenehm ist es sowohl für die Genossen als auch für Ernst & Young allemal, von der unabhängigen Prüfstelle öffentlich derart vorgeführt zu werden.

Interessanter Nebenaspekt: Die Bilanzpolizei bezieht sich in ihrer Stellungnahme ausschließlich auf den Konzernabschluss der DVB Bank. Ob der HGB-Einzelabschluss ebenfalls überprüft wurde und ob die entsprechenden Bilanzierungen hier womöglich zulässig waren, entzieht sich leider unserer Kenntnis.

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