Exklusiv

Bundesbank tauscht Leitung des Zahlungsverkehrs-Bereichs aus 

21. April 2021

Von Christian Kirchner

Die Bundesbank tauscht kurzfristig den Leiter des Zentralbereichs Zahlungsverkehr aus. Nach exklusiven Informationen von Finanz-Szene.de wechselt der bisherige Amtsinhaber Jochen Metzger zum 1. Mai in die Hauptverwaltung der Bundesbank in Nordrhein-Westfalen. Er wird ersetzt durch Julian Reischle, bislang Leiter des Zentralbereichs Ökonomische Bildung, wie aus einer internen Mitteilung hervorgeht. In den Zuständigkeitsbereich des Zentralbereichs Zahlungsverkehr fällt auch jene Abteilung, die für den Bundesbank-Part des Megaprojekts „Target2/T2S-Konsolidierung“ verantwortlich ist.

Ein Bundesbank-Sprecher bestätigte den Wechsel auf Anfrage, wollte ihn aber nicht kommentieren. Im Umfeld der Notenbank hieß es, Wechsel zwischen Hauptverwaltung und Zentralbereichen seien nichts Ungewöhnliches.

Die Leitung des – so der vollständige Name – „Zentralbereichs Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme“ ist unmittelbar unter dem für Zahlungsverkehr zuständigen Vorstand Burkhard Balz angesiedelt und gilt innerhalb der Bundesbank als Schlüsselposition – ein Umstand, der auch in der internen Mitteilung zumindest angerissen wird: Der Zentralbereich nehme „wichtige Aufgaben für das Eurosystems wahr“ und verantworte „anspruchsvolle Projekte“.

Was neben der Kurzfristigkeit der Personalie auffällt: Der Wechsel steht in (was allerdings nicht zwingend etwas heißen muss) zeitlichem Zusammenhang zu den Problemen bei der für 2022 anvisierten Konsolidierung der europäischen Zahlungs- und Wertpapierabwicklung, kurz: „Target2/T2S-Konsolidierung“. Anfang März hatte Finanz-Szene über das interne Knirschen bei dem Großprojekt berichtet. Die Bundesbank hatte damals fürs erste die Vergabe externer Aufträge gestoppt, um die bisherige Umsetzung der Konsolidierung evaluieren zu lassen.

In der besagten Mitteilung wird Metzgers sofortiger Wechsel in die Hauptverwaltung NRW damit begründet, dass er sich „auf die Wahrnehmung der Aufgaben der Präsidenten bzw. des Präsidenten“ vorbereiten solle. Wie aus dem Schreiben zudem hervorgeht, soll der Zentralbereich Zahlungsverkehr nicht nur unter neue Führung gestellt, sondern sogar generell „neu aufgestellt werden“. Details wurden nicht genannt.

Bei der „Target2/T2S-Konsolidierung“ handelt es sich um das aktuell wohl wichtigste technische Großprojekt überhaupt im europäischen Finanzsektor – aus Warte der Zentralbanken, aber auch aus Sicht der knapp 6.000 Geschäftsbanken in der Eurozone. So hängen allein in Deutschland rund 1.700 Banken und Sparkassen direkt oder indirekt an dem System.

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