Exklusiv

Commerzbank drängt Millionen von Kunden in kostenpflichtiges Konto

26. April 2021

Von Christian Kirchner

Die Commerzbank schafft das bedingungslos kostenlose Girokonto ab dem 1. Juli auch für ihre Bestandskunden ab. Altkunden, die weiterhin nichts bezahlen wollen, müssen bis dahin in das Ende 2020 geschaffene, rein digital nutzbare Kontomodell „Basic“ wechseln und einen monatlichen Geldeingang von mindestens 700 Euro nachweisen. Wer nicht selbst tätig wird, zahlt ab Jahresmitte automatisch 4,90 Euro pro Monat – und wer wechselt, muss unter Umständen auf bislang kostenlose Leistungen wie der Kreditkarte oder der Option auf Papier-Auszüge und kostenlose Zweitkarten verzichten.

All das geht aus diversen Änderungen des Leistungsangebots auf der Internetseite des Instituts hervor. Ein erheblicher Teil der der rund 11 Millionen Commerzbank-Privatkunden dürfte von Maßnahmen betroffen sein – nämlich jene, die in den vergangenen knapp zehn Jahren neu in die Kostenlos-Modelle gelockt wurden. Alleine zwischen 2012 und 2019 gewann die Commerzbank netto 2,5 Millionen Kunden.

Die Maßnahme unterstreicht, dass sich die Coba endgültig von der alten, auf Neukunden-Gewinnung ausgerichtete Pricing-Politik der Ära Zielke verabschiedet – und Leistungen stattdessen zukünftig mit aller Macht bepreisen will (also das, was Neu-CEO Manfred Knof im Februar bei der Vorstellung der „Strategie 2024“ bereits angedeutet hatte). Dabei schreckt die zweitgrößte deutsche Privatbank auch nicht von einer „Opt Out“-Strategie zurück. Damit ist gemeint, dass die Bestandskunden selbst aktiv werden müssen, wenn sie eine Zwangsbepreisung ihrer Konten doch noch verhindern wollen.

Dazu muss man man wissen: Von 2012 und bis Anfang 2020 hatte die Commerzbank eine massive Neukunden-Initiative gefahren und Interessenten teils mit hohen Anreizen von bis zu 200 Euro Cashprämie gelockt. Der damalige Vorstandschef Martin Zielke und der damalige Privatkundenchef Michael Mandel vertraten die These, die Strategie werde sich rasch rechnen, weil die Neukunden bald Erträge einbrächten und die Bank nach durchschnittlich 18 Monaten profitabel mit ihnen arbeiten könne. Harte, belegbare Zahlen, dass der Plan wirklich aufgeht, lieferte das Manager-Duo allerdings nie (siehe auch unsere Analyse hier).

Erst kurz vor dem Ende der Ära Zielke drosselte die Commerzbank unvermittelt ihre langjährige Neukunden-Wachstumsstrategie (siehe auch hier) und kappte die Incentivierungen. Im vergangenen Herbst – da waren Zielke wie Mandel schon weg – führte die Coba für Neukunden schließlich einen mittlerweile branchenüblichen Mindestgeldeingang von 700 Euro pro Monat ein, um das Girokonto weiterhin kostenlos führen zu dürfen. Allerdings: Das galt eben zunächst nur für Neukunden.

Der neue Dreiklang der Kontomodelle sieht so aus:

  • Ein bei 700 Euro Geldeingang kostenloses „Basic“-Konto (im Oktober 2020 eingeführt)
  • Ein kostenpflichtiges (6,90 Euro/Monat) „Klassik“-Konto
  • Und ein Premium-Konto für aktuell 12,90 Euro/Monat.

Wer in den einst heftig beworbenen, kostenlosen Modellen „PlusKonto“, „0-Euro-Konto“, „PlusKonto Vorteil“ und „Vorteilskonto“ steckt und nichts tut, wird ab 1. Juli automatisch und unabhängig vom Geldeingang mit 4,90 Euro pro Monat belastet – oder er muss eben wechseln. Letzteres allerdings wird für viele mit einem Leistungsverzicht einergehen. So kostet die bislang in manchen Gratismodellen inkludierte Kreditkarte im „Basic-Konto“ 39,90 Euro pro Jahr. Papierne Kontoauszüge gibt es im „Basic“-Modell am Auszugsdrucker ebenfalls nicht mehr, und auch die kostenlosen Zweitkarten bei Debit- und Kreditkarte für die Inhaber sogenannter „Vorteilskonten“ werden im Basic-Modell mit 10 Euro (Girocard) bzw. 29,90 Euro (Kreditkarte) bepreist.

Die Commerzbank hatte unter ihrem neuen CEO Manfred Knof im Zuge der Präsentation der „Strategie 2024“ im Februar gleich mehrfach darauf verwiesen, die Preismodelle grundlegend umzubauen, allerdings noch keine Details geliefert. Die Rede war etwa von „Neubepreisung des Portfolios“ und „Gezielten Preismaßnahmen“, um die Provisionserlöse zu steigern. Wie berichtet, nimmt die Commerzbank Kundenabwanderung in Kauf. Sie rechnet mit einem Ertragsverlust von rund 300 Mio. Euro jährlich. „Wir kämpfen um jeden Kunden. Aber natürlich werden wir auch Kunden verlieren. Dies haben wir einkalkuliert“, erklärt Privatkunden-Bereichsvorstand Arno Walter in einem Finanz-Szene.de vorliegenden Kurzinterview im Commerzbank-Intranet. Man habe den klaren Anspruch, „die Hausbank für unsere Kunden zu sein“ – und wer wegen der Änderungen die Bank verlasse, sei zuvor wohl kein Hauskunde gewesen.

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