Commerzbank rutscht im dritten Quartal in die roten Zahlen

5. November 2020

Von Christian Kirchner

Die Commerzbank hat im abgelaufenen Quartal einen Nettoverlust von 69 Mio. Euro erlitten – ungefähr das, was Analysten auch erwarten hatten. Zum Vergleich: Im Vorjahr hatte die zweitgrößte deutsche Privatbank im selben Zeitraum einen Gewinn von 294 Mio. Euro erwirtschaftet.

Es sind vor allem zwei Dinge, die die Commerzbank bei einer operativ kaum veränderten Lage in die roten Zahlen haben rutschen lassen – nämlich die deutlich gestiegene Risikovorsorge für faule Kredite sowie die Restrukturierungs-Aufwendungen. Letztere schlugen im Q3 mit 201 Mio. Euro zu Buche. Das Risikoergebnis verschlechterte sich auf ein Minus von 272 Mio. Euro. Immerhin: Das war etwas weniger, als die Experten im Vorfeld befürchtet hatten.

Streng operativ betrachtet zeigt die Tendenz wie in den Vorjahren leicht abwärts. Die Commerzbank verlor zum Vorjahresquartal rund 150 Mio. Euro an Erträgen, konnte ihre Kosten aber nur um 40 Mio. Euro senken. Zumindest einen Achtungserfolg erzielte die Firmenkundensparte. Diese überraschte mit einem operativen Gewinnbeitrag von 74 Mio. Euro. Analysten hatten hier nur mit 34 Mio. Euro gerechnet. Dennoch dürfte die Sparte in diesem Jahr rote Zahlen schreiben.

Auffällig: Im Geschäft mit Firmenkunden lässt die Bank offenbar deutlich größere Vorsicht bei der Kreditvergabe walten als bisher. Das Kreditvolumen verminderte sich gegenüber dem Vorquartal um rund 6 Mrd. Euro auf 89 Mrd. Euro. Explizit nennt die Bank dafür auch „selektives Neugeschäft mit Fokus auf Bestandskunden“ als Grund. Betonung auf „selektiv“.

Die vermutlich wichtigste Nachricht für Investoren dürfte aber der unveränderte Ausblick sein. Der nämlich hat sich trotz der zuletzt wieder ansteigenden Corona-Infektionszahlen nicht weiter eingetrübt. Die Bank geht weiterhin von einem Risikoergebnis zwischen minus 1,3 Mrd. Euro und minus 1,5 Mrd. Euro für 2020 aus, knüpft diese Erwartung allerdings an den weiteren Verlauf der Pandemie.

Auf einen Jahresverlust hatte die Commerzbank ihre Investoren bereits eingestimmt – also keine negative Überraschung. Was den ein oder anderen Aktionär derweil sogar versöhnlich stimmen könnte: Bei der harten Kernkapitalquote geht die Coba zum Jahresende jetzt von mindestens 13% aus. Hier hatte das Institut vor drei Monaten lediglich von einem Ziel von „mindestens 12,5%“ gesprochen.

Die Zahlen in der Übersicht:

in Mio. € Q3 / 2020 Q3 / 2019 Erwartung vs. Q3/19 vs. Erwartung
Erträge 2.033 2.183 2.058 -7 -1
Zinsüberschuss 1.226 1.259 1.243 -3 -1
Provisionsüberschuss 812 771 787 5 3
Kosten 1.521 1.560 1.538 -3 -1
Risikoergebnis -272 -114 -303 139 -10
operativer Gewinn 168 448 152 -63 11
Gewinn Privatkunden 83 315 112 -74 -26
Gewinn Firmenkunden 74 146 34 -49 118
Nettogewinn -69 294 -62 n.a. 11
Eigenkapitalrendite -1,6 4,4 0

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing