Commerzbank legt sensationelle Ertragszahlen fürs Q1 vor

26. April 2022

Von Christian Kirchner

Die Commerzbank hat am Abend fast sensationelle Zahlen fürs erste Quartal vorgelegt. Demnach liegen die Erträge voraussichtlich um ein Fünftel über dem Analystenkonsens – das Ergebnis ist sogar doppelt so hoch ausgefallen, wie von den Research-Häusern im Schnitt vorhergesagt. Konkret soll der operative Gewinn bei vermutlich 544 Mio. Euro liegen; Analysten waren im Schnitt lediglich von 282 Mio. Euro vor Steuern ausgegangen.

Ursprünglich hatte die Commerzbank ihre Q1-Zahlen erst am 12. Mai veröffentlichen wollen. Hat ein börsennotiertes Geldinstitut allerdings  Hinweise, dass das voraussichtliche Ergebnis erheblich von den kursierenden Schätzungen abweicht, so müssen Zahlen laut Aktiengesetz unverzüglich publik gemacht werden – was gestern Abend nach Börsenschluss geschah.

Das starke Ergebnis überrascht um so mehr, als die Commerzbank im ersten Quartal Vorsorgeeffekte von rund einer halben Mrd. Euro im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine treffen musste. Das Risikoergebnis fiel entsprechend mit minus 464 Mio. Euro annähernd doppelt so hoch aus wie erwartet. Zum Vergleich: Für das Gesamtjahr rechnete die Commerzbank beim Risikoergebnis mit Belastungen von weniger als 700 Mio. Euro – eine Prognose, die sie zwar gestern Abend bestätigte, von der nach einem Quartal nun aber bereits zwei Drittel “aufgebraucht” sind.

Die Erträge übertreffen die Prognose um eine halbe Mrd. Euro

Allerdings kann sich die Commerzbank diese Vorsorge leisten, weil vor allem die Erträge über die Maßen anzogen und die Erwartungen um knapp eine halbe Mrd. Euro (!) übertrafen. Die Einnahmen hätten “dank eines starken Kundengeschäfts in allen operativen Bereichen” um 12 % auf 2.795 Mio. Euro zum Vorjahr angezogen, hieß es in der Mitteilung. Um den gleichen Prozentwert (12%) verbesserte sich auch der Zinsüberschuss zum Vorjahresquartal. Grund seien hier vor allem höhere Erträge der Warschauer Tochter mBank infolge der Leitzinsanhebungen in Polen. Der Provisionsüberschuss legte um 2% zum Vorjahresquartal zu.

Die Zahlen illustrieren zwei Dinge:

  • Zum einen – wie sich bereits mit den Jahreszahlen 2021 andeutete (siehe unsere Analyse hier) – ist der Commerzbank die operative Wende unter der Führung Manfred Knofs auf der ganzen Linie gelungen. Das Quartal verlief schon inklusive der unerwarteten Belastung aus dem Ukraine-Krieg fulminant; ohne diesen Effekt wäre das Ergebnis nachgerade sensationell gewesen (was die Erträge auch so schon sind)
  • Zum anderen sind die Vorab-Zahlen der Commerzbank ein starker Beleg, dass die hiesigen Banken im laufenden Jahr sehr deutlich von der bereits vollzogenen Zinswende an den Kapitalmärkten profitieren dürften

Für das Gesamtjahr rechnet die Commerzbank weiterhin mit einem Konzernergebnis von “mehr als 1 Mrd. Euro” und hält an allen weiteren finanziellen Zielen fest. Die Aktie legte – nachdem sie im regulären Handel im Zuge der allgemeinen Marktschwäche um rund 5% eingebrochen war – nach Veröffentlichung der Zahlen merklich zu. Vom Nachmittagstief von 5,86 Euro ging es im nachbörslichen Handel auf rund 6,20 Euro nach oben.

Hier die Übersicht des jüngsten Analysten-Konsenses und der vorläufigen Ergebnisse des ersten Quartals:

in Mio. Euro Analysten-Konsens 26.4. vorläufig Delta in Mio. Euro Delta in %
Erträge 2.308 2.795 487 21
Zinsüberschuss 1.278 1.401 123 10
Risikoergebnis -262 -464 -202 77
operatives Ergebnis 282 544 262 93
Konzernergebnis 166 284 118 71

Quelle: Commerzbank

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