Kurz gebloggt

Commerzbank offenbart: Och, gestundet wird eher wenig …

13. Mai 2020

Von Christian Kirchner

Dass die staatlichen Corona-Hilfsprogramme unseren Banken an diversen Ecken und Enden zupass kommen, liegt auf der Hand. Da übernimmt die KfW große Teile der Kreditrisiken, während die Hausbank dennoch die Kundenbeziehung behält … Da werden einmalige Bearbeitungsentgelte für Dienstleistungen bezahlt, die sich grosso modo auf die Weiterleitung staatlicher Gelder beschränken … Da sollen obendrein noch jährliche „Margen“ auf das ausstehende Kreditvolumen fließen …

Und, klar: Wenn die staatlichen Hilfen letztlich dafür sorgen sollten, dass sich die Volkswirtschaft nach den ersten Schockmonaten wieder stabilisiert – dann wäre das für die Kreditbücher unserer Banken ein Segen.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die sogenannten „Moratorien“ – sprich: Die Anfang April in Kraft getretenen neuen Regeln zur Stundung von Zins- und Tilgungszahlungen. So wurde Commerzbank-Finanzchefin Bettina Orlopp gestern bei der Analysten-Konferenz aus Anlass der Q1-Zahlen gefragt, wie es denn sein könne, dass bei der Coba per Ende April* gerade einmal 1,7% der Immobilienkredite und gar nur 0,1% der Firmenkredite „unter Moratorium“ gestanden haben (was einem Gesamtvolumen von 2,6 Mrd. Euro entspricht). Müsse das angesichts er schweren Krise nicht eigentlich viel mehr sein? Zumal laut Coba 80% der Stundungen allein die Tilgung betreffen. Die Zinsen werden also weiter bezahlt.

Woraufhin Orlopp wörtlich sagte: „Das hat viel mit den staatlichen Programmen zu tun, die Privat- und Firmenkunden helfen“. Und sinngemäß fügte sie hinzu, es könne (sollte sich die Wirtschaft bald erholen) durchaus bei den etwa 2,6 Mrd. Euro bleiben.

Spannende Aussagen, finden Sie nicht auch, liebe Leserinnen und Leser?

Sorgen nicht nur die KfW-Hilfen also letzten Ende dafür, dass Unternehmen und Privatleute ihre regulären Bankkredite ganz überwiegend weiterhin bedienen können? Auch wenn die Sonderkredite ja explizit nicht zur Umschuldung von Bankkrediten genutzt werden sollen (womit die Bank-Risiken ja zum haftenden Steuerzahler transferiert würden)? Schaut ganz so aus.

Wobei auch auffällt, wie schmallippig sich andere Institute bei dem Thema geben. Bei der HVB sind gerade einmal 0,2 Mrd. Euro unter Moratorium laut letztem Bericht. Die Deutsche Bank bezifferte in einem Interview mit Privatkundenchef Knof Ende April die Zahl der Anträge auf Stundungen auf 50.000, von denen aber die meisten bereits abgearbeitet seien. Die ING Deutschland wollte die Zahl gestern auch auf explizite Nachfragen von „Finanz-Szene.de“ nicht nennen. Dabei liegt ja eine weitere Vermutung auf der Hand: Kann es sein, dass die staatlichen Hilfen indirekt auch dazu beitragen, dass einige Institute bislang erstaunlich wenig Risikovorsorge gebildet haben? Zur Erinnerung: Bei der deutschen ING waren es im Q1 gerade einmal 20 Mio. Euro. Und dass – naheliegenderweise – auch die Erträge im Zinsgeschäft dank der Hilfe eben kaum gestundet werden, sondern vereinnahmt werden können von ansonsten klammen Kunden?

Jedenfalls: Sieht so aus, als führe aufgeregte Debatte, ob es denn rechtens ist, dass einige Banken für die Stundungen auch noch gesonderte Zinsen in Rechnung stellen (Ja!, glaubt etwa der Bankenverband) am Kern der Sache vorbei. Denn wenn ohnehin kaum gestundet wird – dann werden hierauf auch kaum Zinsen anfallen.


*Es geht hier i.d.T. um die Zahlen per Ende April, nicht um die Zahlen per Ende März.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing