Commerzbank rutscht laut Analysten in die tiefroten Zahlen

4. Mai 2020

Von Christian Kirchner

Die Commerzbank wird laut frisch veröffentlichen Analysten-Prognosen in diesem Jahr rote Zahlen schreiben. Das geht aus den neuesten Konsens-Schätzungen hervor, die die Bank zwischen dem 15. und 23. April erhoben und nun auf ihrer Homepage veröffentlicht hat. Demnach rechnen die Analysten fürs Gesamtjahr im Schnitt mit einem Minus von 249 Mio. Euro nach Steuern. Das Gros der Verluste (nämlich 240 Mio. Euro) soll bereits im ersten Quartal anfallen. Die Commerzbank will ihre Q1-Zahlen nächste Woche Mittwoch vorlegen.

Die Prognosen waren mit Spannung erwartet worden, da die bisherigen Schätzungen noch vom 27. Februar stammten und folglich annähernd unbeeinflusst von der Corona-Pandemie waren. Für die Gewinnenttäuschung sorgen im wesentlichen zwei Faktoren: Analysten rechnen verglichen mit den Februar-Prognosen nun mit knapp 600 Mio. Euro zusätzlicher Risikovorsorge sowie mit gut einer halben Mrd. Euro weniger an Erträgen.

Schätzungen für 2020

Hier die Übersicht über die neusten Konsensschätzungen für das Gesamtjahr 2020 und wie sie sich zu den letzten von Ende Februar verändert haben:

in Mio. Euro alte Schätzung (27.2.2020) neue Schätzung (27.04.2020) Delta
Erträge 8.852 8.313 -539
Zinsüberschuss 5.146 5.108 -38
Provisionsüberschuss 3.108 3.026 -82
Risikoergebnis 669 1.240 571
Kosten 6.391 6.363 -28
Pflichtabgaben 457 448 -9
operativer Gewinn 1.335 262 -1.073
Restrukturierungsaufw. 619 379 -240
Gewinn v. St. fortges. Aktivitäten 716 -117 -833
Gewinn Privat- u. Geschäftskunden 1.076 655 -421
Gewinn Unternehmenskunden 407 -101 -508
Nettogewinn 407 -249 -656
Nettogewinn (tiefste Schätzung) 102 -953 -1.055
Nettogewinn (höchste Schätzung) 732 320 -412
Nettogewinn 2021 (Schnitt) 663 206 -457

Quelle: Unternehmensangaben

Schätzungen für Q1

Mit roten Zahlen rechnen Analysten auch dezidiert fürs ersten Quartal 2020. (keine Vergleichswerte, weil die Zahlen im Februar nicht abgefragt wurden):

in Mio. Euro Q1/2020
Erträge 1.889
Zinsüberschuss 1.299
Provisionsüberschuss 858
Risikoergebnis -303
Kosten 1.537
Pflichtabgaben 253
operativer Gewinn -204
Restrukturierungsaufw. -3
Nettogewinn -240
Nettogewinn (tiefste Schätzung) -445
Nettogewinn (höchste Schätzung) -89

Die Commerzbank – auch gern als „größte deutsche Sparkasse“ bezeichnet – ist ein großer Kreditgeber für den hiesigen Mittelstand und könnte daher unter den Folgen der Corona-Krise besonders leiden; auch in der privaten Baufinanzierung ist das Institut stark engagiert.

In Zahlen:

  • 2018 und 2019 stiegen die risikogewichteten Aktiva um zusammen rund 20 Mrd. Euro auf 188 Mrd. Euro
  • Seit 2015 wuchs das Volumen privater Immobilienkredite von 63 Mrd. Euro auf 87 Mrd. Euro
  • 2019 weitete die Commerzbank das Kreditvolumen bei Firmenkunden um 7%, bei Privatkunden (inkl. der angesprochenen privaten Baufi) gar um 8% aus.

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