Kurz gebloggt

Analysten: Coba wird auch 2021 noch rote Zahlen schreiben

27. Mai 2020

Von Christian Kirchner

Bei der Commerzbank sinkt das Vertrauen in die im September 2019 verabschiedete Strategie „Commerzbank 5.0“ an immer mehr Fronten. Noch handelt es sich lediglich um Erwartungen – doch behalten die üblicherweise nicht für allzu großen Pessimismus bekannten Analysten Recht, rutscht die Commerzbank nicht nur 2020, sondern auch 2021 in die roten Zahlen beim Nettogewinn. Das geht aus den neuesten Konsens-Schätzungen hervor, die die Bank gestern auf ihrer Internetseite veröffentlicht hat.

Für 2020 rechnen die Analysten nun mit im Schnitt 422 Mio. Euro Verlust. Statt einem schmalen Gewinn von 206 Mio. Euro steht nun beim Nettogewinn 2021 ein minus von 6 Mio. Euro in den Schätzungen. Kritisch ist die Entwicklung vor allem im Bereich Unternehmenskunden, eigentlich das Herzstück der Bank: Hier fällt die Verlusterwartung nun für das laufende Jahr mit minus 281 Mio. Euro annähernd dreimal so hoch aus wie noch vor vier Wochen, also dem Zeitpunkt der letzten Schätzung.

Seitdem hatte die Commerzbank am 13. Mai Quartalszahlen vorgelegt, die die Erwartungen bereits leicht unterschritten hatten (siehe hier) und seine virtuelle Hauptversammlung abgehalten. Seit der letzten Schätzung hatten sich die Aktienmärkte aber auch auf breiter Front erholt und diverse Konjunkturindikatoren ein Ende der Talfahrt signalisiert. Auch bei der Risikovorsorge sind die Analysten skeptischer als das Unternehmen selbst: 1 bis 1,4 Mrd. Euro sollten es 2020 werden, wie Finanzvorständin Bettina Orlopp Mitte Mai mitteilte (siehe hier S. 18) und gestern auf einer Investorenkonferenz noch einmal betonte – mit nunmehr über 1,5 Mrd. Euro rechnen Analysten. Das sind nunmehr 276 Mio. Euro mehr als noch Ende April.

Die eher skeptische Haltung der Analysten spiegelt auch die Kursentwicklung an der Börse: Dort kletterte die Aktie der Commerzbank seit dem zyklischen Tief Mitte März lediglich um 24% auf gestern 3,73 Euro. Zum Vergleich: Der Deutsche Aktienindex Dax legte im gleichen Zeitraum 34%, die Aktie der Deutschen Bank 59% zu.

Die Kursentwicklung und immer düsteren Prognosen dürften die Diskussionen befeuern, ob die Commerzbank ihre im September 2019 vorgestellte Strategie „Commerzbank 5.0“ nachschärfen oder gar komplett überprüfen muss. Der Strategie liegt unter anderem zugrunde, bis 2023 auf eine Rendite von 4% auf das Eigenkapital zu kommen – ein Unterfangen, dem es in den Augen von Kritikern an Ambitionen mangelt. Analysten rechnen hier damit, dass die Bank dieses Ziel erreicht und gehen von 4,3% Eigenkapitalrendite 2023 aus. Das wären dennoch nicht einmal annähernd die Kapitalkosten.

Hier die Übersicht der wichtigsten Kennziffern der Erwartungen:

Schätzung in Mio. Euro Veränderung
in Mio. Euro alt (27.4.) neu (26.5) absolut in %
Erträge 8.313 8.251 -62 – 1%
Zinsüberschuss 5.108 5.124 16 0%
Provisionsüberschuss 3.026 3.069 43 + 1 %
Risikoergebnis 1.240 1.516 276 – 22%
Kosten 6.363 6.282 -81 – 1 %
Pflichtabgaben 448 494 46 + 10 %
operativer Gewinn 262 -41 -303 – 116 %
Restrukturierungsaufw. 379 311 -68 – 18 %
Gewinn v. St. fortges. Aktivitäten -117 -349 -232 – 198 %
Gewinn Priv.- u. Geschäftskunden 655 492 -163 – 25 %
Gewinn Unternehmenskunden -101 -281 -180 – 178 %
Nettogewinn 2020 -249 -422 -173 – 69%
 (tiefste Schätzung) -953 -1.168 -215 – 23 %
(höchste Schätzung) 320 218 -102 – 32%
Nettogewinn 2021 (Schnitt) 206 -6 -212 – 103%

Quelle: Commerzbank Unternehmensseite

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