Commerzbank verliert mit ihren Firmenkunden fast 500 Mio. Euro

11. Februar 2021

Von Christian Kirchner

Der Gewinn im Privatkundengeschäft etwas besser als erwartet – der Verlust im Firmenkundengeschäft dafür höher als gedacht: Das sind die beiden wesentlichen Erkenntnisse der heute Früh vorgelegten 2020er-Zahlen der Commerzbank. Konkret fiel im Privatkundengeschäft ein Gewinn von 368 Mio. Euro vor Steuern an. Hier hatten Analysten im Schnitt nur mit 294 Mio. Euro gerechnet. Im Firmenkundengeschäft summierte sich der operative Verlust auf 458 Mio. Euro, das sind über 100 Mio. Euro mehr, als Analysten erwartet hatten.

Das strategische Dilemma, das die Commerzbank zu einer neuen Strategie zwingt (die heute ab 10:30 Uhr detailliert vorgestellt werden soll), zeigt sich an den Erträgen. Diese sanken um 5%, während die Kosten nur um 1% zurückgingen. Auch bereinigt um Sondereffekte stiegen die Einnahmen nicht. Die Wucht der drastisch auf über 1,7 Mrd. Euro gestiegenen Risikovorsorge genügte dann letztlich, die Bank selbst ohne Restrukturierungs-Aufwendungen in die roten Zahlen zu drücken. Inklusive aller Posten stand ein Nettoverlust von knapp 2,9 Mrd. Euro, wie das Management bereits vergangene Woche mitgeteilt hatte.

Parallel zu den 2020er-Zahlen veröffentlichte die Commerzbank auch weitere Details zu ihrer neuen Strategie So will das Institute bereits in diesem Jahr wieder operativ Gewinne schreiben, für das Geschäftsjahr 2023 wieder die Dividendenzahlungen aufnehmen und 2024 dann 2,7 Mrd. Euro verdienen. Auch die konkreten Ziele für die Sparten stehen nun fest: Im Firmenkundengeschäft strebt die Commerzbank künftig eine Vorsteuerrendite auf das Eigenkapital von rund 9% sowie eine Cost-Income-Ratio von 62% an. Im Segment Privat- und Unternehmerkunden soll die Rendite 25% und die Cost-Income-Ratio 59% betragen.

Für das laufende Geschäftsjahr kündigt die Bank zudem eine Senkung der Kosten auf rund 6,5 Mrd. Euro an (das wären 0,2 Mrd. Euro weniger als 2020) sowie ein Risikoergebnis zwischen minus 0,8 Mrd. und minus 1,2 Mrd. Euro – was allerdings auch bedeutet: Vollständig abgeschüttelt hat die Bank die Risiken aus der Corona-Pandemie mit der bereits 2020 gebildeten Risikovorsorge offenbar noch nicht.

Hier die Zahlen zum Gesamtjahr 2020, die Veränderung zum Vorjahr und der Abgleich mit den Analystenerwartungen im Überblick:

in Mio. € 2020 2020 vs. 2019 Erwartung vs. Erwartung
Erträge 8.186 – 5% 8.232 – 1%
Zinsüberschuss 4.975 – 2% 5.028 – 1%
Provisionsüberschuss 3317 + 9% 3291 + 1%
Kosten 6.672 – 1% 6.696 0
Risikovorsorge 1748 – 182% 1741 0
operativer Gewinn -233 -173 – 35%
Gewinn Privatkunden 368 – 56% 294  + 25%
Gewinn Firmenkunden -458 -343 – 34%
Nettogewinn -2.870 -2.805 – 2%
CET1-Ratio 13,2 – 0,2 13,1 + 0,1

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