Analyse

Corona? Come on … Die wahren Gründe für den Haspa-Crash

19. Februar 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Eines muss man der Hamburger Sparkasse lassen: Die nach Bilanzsumme größte deutsche Sparkasse schafft es mit größter Virtuosität, für ihre immer schlechteren Geschäftsergebnisse immer wieder neue, das Management tendenziell entlastende Begründungen zu liefern. Mal ist’s das (böse, böse) Zinstief. Mal sind’s die (wegen des bösen Zinstiefs ausufernden) Pensionslasten. Mal werden die (in weiser Voraussicht in Kauf genommenen) Restrukturierungs-Kosten angeführt.

Und diesmal also: Corona.

„Wie alle Banken“, so habe auch die Haspa „die Auswirkungen der Pandemie im Geschäftsergebnis zu spüren bekommen“, wurde die gestern versandte Pressemitteilungen zu den 2020er-Zahlen eingeleitet. Parallel erschien ein vorab geführtes Exklusiv-Interview von Vorstandschef Harald Vogelsang, in dem von einer „drastischen erhöhten Risikovorsorge“ zu lesen war und davon, dass andere Sparkassen ihre Risikovorsorge „bei weitem nicht so stark“ aufgestockt hätten wie die Haspa.

Mithin: Corona -> viel Risikovorsorge -> schlechtes Ergebnis.

Tatsächlich, so zeigt eine Ad-hoc-Analyse der Zahlen, hat der gestern vermeldete Haspa-Crash (der Gewinn schrumpfte auf nur noch 9 Mio. Euro zusammen) mit der Pandemie, wenn überhaupt, nur sehr wenig zu tun. 49 Mio. Euro Risikovorsorge haben die Hanseaten im abgelaufenen Geschäftsjahr neu gebildet. Gemessen an den Kundenforderungen von 35,8 Mrd. Euro waren das gerade mal 14 Basispunkte. Was mitnichten mehr ist als bei anderen Sparkassen (und sogar eklatant weniger als beispielsweise bei der Bremer Sparkasse):

In 2020 neu gebildete Risikovorsorge in Relation zum Kreditbuch (in Basispunkten)
Bremer Sparkasse 57
Ostdeutsche Sparkassen 16
Sparkassen Ba-Wü 15
Haspa 14
Sparkassen Westfalen-Lippe 11

Was dann das Problem ist? Nun, das haben wir hier bei Finanz-Szene.de schon so oft aufgedröselt (siehe z.B. hier, hier und hier), dass wir uns inzwischen blöd vorkommen, es überhaupt noch zu sagen: Die Hamburger Sparkasse (sprich: die größte deutsche Sparkasse) hat in ihrem operativen Kerngeschäft – also im Geschäft mit Zinsen und Provisionen – offenkundig Probleme, die über die Probleme anderer Banken und Sparkassen weit hinausgehen. Die Kosten? Beginnen zwar zu sinken. Aber lange nicht in dem Maße, wie es nötig wäre. Beim Provisionsüberschuss im Wertpapier-Boomjahr 2020 einen Rückgang zu vermelden („… hat das Kundengeschäft jedoch vorübergehend unter den Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie gelitten“) hat Seltenheitswert in diesen Tagen, auch bei den Sparkassen. Und so ergibt sich, wenn man einfach nur den Zins- und Provisionsüberschuss dem Verwaltungsaufwand gegenüberstellt, folgendes Bild:

in Mio. Euro 2020 2019 2015
Zinsüberschuss 567 624 745
Provisionsüberschuss 316 335 278
Verwaltungs-Aufwendungen -699 -716 -687
Delta 184 243 336

Aus einem auskömmlichen Delta in Höhe von 336 Mio. Euro ist binnen fünf Jahren ein eben nicht mehr auskömmliches Delta von 184 Mio. Euro geworden.

Denn: Davon gehen dann halt noch die sonstigen betrieblichen Aufwendungen und die Risikovorsorge und das übrige Bewertungsergebnis und (jedenfalls in der Theorie) „340g“ und die Steuern ab … – und irgendwann reicht’s halt dann nicht mehr. Sogar wenn (wie 2020 geschehen) …

  • man die Kosten ein bisschen gedrückt bekommt
  • sich die sonstigen Aufwendungen höchst erfreulich entwickeln
  • und man im Wertpapierbestand heil davonkommt
in Mio. Euro 2020 2019
Zinsüberschuss 567 624
Provisionsüberschuss 316 335
Sonstige betr. Erträge 28 31
Verwaltungs-Aufwendungen 699 716
Sonstige betriebl. Aufwendungen 118 230
Ergebnis vor Bewertung 94 73
Bewertungsergebnis aus Wertpapieren 0 -25
Kreditrisikovorsorge -49 -4
340g 0 0
Steuern -36 -1
Ergebnis nach Steuern 9 42

9 Mio. Euro? Das ist kaum mehr als eine schwarze Null. Und sollte Haspa in diesem Jahr tatsächlich ernsthaft Risikovorsorge bilden (Vogelsang sprach gestern von 90 Mio. Euro) – dann darf man gespannt sein, was 2021 unterm Strich herauskommen wird.

Zum Bestand an Risikovorsorge übrigens machte die Haspa gestern auf Nachfrage keine Angaben.

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