Analyse

Das sind die Baustellen der 15 wichtigsten deutschen Banken

22. Juni 2021

Von Christian Kirchner

In Zeiten alles überwuchernder Großlagen wie Corona neigt man ja dazu, sich auf die Makrosicht zu fokussieren (Was macht die Pandemie mit der deutschen Kreditwirtschaft?) und die Mikrosicht (Wann kriegt die BayernLB endlich ihre Kosten in den Griff?) zu vernachlässigen. Heute darum einfach mal die dezidiert umgekehrte Perspektive. Kein Corona. Kein BGH-Urteil. Kein Makro.

Sondern, ganz simpel: Das sind die (abgehen vom Sonderthema „Geschäftskonto“) größten Baustellen der 15 interessantesten deutschen Banken.

Übrigens in alphabetischer Reihenfolge …

Apobank

Was ist die größte Baustelle? Die Sachaufwendungen.

Warum? Die Kosten für die große IT-Migration sind aus dem Ruder gelaufen. Jedenfalls ist das unsere Deutung. Apobank-Chef Ulrich Sommer widerspricht und argumentiert, für das Projekt seien von vornherein Kosten in „mittlerer dreistelliger Millionhöhe“ veranschlagt worden (woran wir wiederum Zweifel hegen, siehe Sommers Aussagen in der Vertreterversammlung 2018 ...). Wie auch immer. Was jedenfalls niemand negieren wird: Seit sich die Kosten für die Migration 2016 erstmals den den Bilanzen niederschlugen, liegen die Sachaufwendungen Jahr für Jahr immer deutlicher über dem Trend der Jahre davor (als es stets grob 230 bis 235 Mio. Euro waren).

Jahr Sachaufwendungen in Mio. Euro Abweichung von den bis 2016 „üblichen“ Sachaufwendungen in Mio. Euro
2016 244 11
2017 264 31
2018 325 92
2019 424 191
2020 474 241
Aggregierter Wert 566

Quelle: Apobank (Jahresfinanzberichte)

Und wie ist der Stand? Zuletzt hat die Apobank ihre Erträge brutal gepusht (etwa durch die Liquidierung von Fondsvermögen und TLTRO-basierte Zinsgeschäfte, siehe unsere Analyse hier). Auf diese Weise hat sie ihre hohen Aufwendungen weitgehend kompensiert. Das kann aber natürlich nicht ewig so weitergehen. Heißt: Der Sachaufwand muss wieder runter. Was ja kein Problem sein sollte, jetzt, wo die IT-Migration als abgeschlossen gilt… oder??? Nun ja, offenbar ist diese Annahme arg naiv. So heißt es im 2020er-Geschäftsbericht in der Prognose für 2021, der Sachaufwand werde „im laufenden Geschäftsjahr stabil bleiben“. Huch! Sind Sachkosten von jährlich grob 475 Mio. Euro jetzt das New Normal bei einer Bank, die vor wenigen Jahren noch mit gut 230 Mio. Euro auskam?


BayernLB

Was ist die größte Baustelle?  Die heiße Wette, dass man sich ständig steigende Kosten erlauben kann, weil die Erträge schon folgen werden.

Warum?  Selbst wenn man die Restrukturierungskosten ausklammert, ticken die Ausgaben bei der BayernLB Jahr für Jahr nach oben: um 7% im Jahr 2019 und um 5% (auf dann 1.520 Mio. Euro) im abgelaufenen Jahr. Auch im Q1 ging es zum Vorjahresquartal 1% rauf mit den Kosten. Zwar rühmt sich die Bank, im Kerngeschäft immer mal wieder etwas zu sparen. Aber es herrscht das „Irgendwas ist immer“-Prinzip: Seit zwei Jahren spricht auch die BayernLB von den fortlaufenden Investitionen in die „Digitalisierung“ der DKB, im vergangenen Jahr wurden die Kostensenkungen im operativen Geschäft von einer Nachdotierung in der Altersvorsorge mehr als aufgefressen. Die Logik der BayernLB-Strategie: Man müsse jetzt in die eigens definierten Wachstumsmärkte DKB und die gewerbliche Immobilienfinanzierung auch mal investieren – und hinterher gehe sich das alles aus, Erträge und Gewinne würden folgen. Ein riskanter Kurs für eine Bank, die 2020 auf eine (auch von Einmaleffekten geprägte) Eigenkapitalrendite von nur 1,9% kam und auch für 2021 nur eine etwas über 3% ankündigt.

Und wie ist der Stand? Nebulös. Die Kapitalisierung der Bank ist hoch, die die Kosten belastenden Einmaleffekte des Umbaus werden bald wegfallen. Aber ob das neue Geschäftsmodell mit den Schwerpunkten DKB & Gewerbeimmobilien auch die erwünschten Gewinnbeiträge liefert, um 2024 wie erhofft bei 8% Eigenkapitalrendite zu sein – das ist auch von Fragen abhängig, die nicht in der Hand der Bank liegen, etwa der Kunden- und Zinsentwicklung (mit Blick auf die DKB) – und vor allem der Frage, ob es bei Gewerbeimmobilien nach der Pandemie noch zu weiteren „Einschlägen“ kommen wird.


Berliner Volksbank

Was ist die größte Baustelle? Operativ hat die Bank keine erkennbaren Baustellen. Ihr Appetit auf bankferne Geschäfte, mit allen Chancen und Risiken, kann einem allerdings schon Sorgen bereiten.

Warum? Die Berliner Volksbank hat 2020 ihr operatives Ergebnis (85 Mio. Euro) gehalten und die Cost-Income-Ratio sogar etwas gesenkt (auf 67 statt 68%). Das Provisionsgeschäft trägt bereits ein Drittel zu den Überschüssen bei und ist im vergangenen Jahr gewachsen (+4%). Allerdings geht es der Bank wie dem Rest der Welt, so benennt sie im Geschäftsbericht die „anhaltende Negativzinsphase und eine intensive Wettbewerbssituation“ als Herausforderung. Und auch ihre Reaktion fällt ähnlich aus wie im Rest der Welt: So soll unter anderem eine „risikoorientierte Erweiterung der Wertschöpfungskette, insbesondere im Bereich der Immobilien“ das „Ergebnis des klassischen Bankgeschäfts“ unterstützen.  Bei Fintechs ist die Volksbank schon eine Weile aktiv (siehe hier), nun wächst offenbar auch ihre Lust auf Immobilien. Alleine 2019 stieg sie bei drei Immobilienkonzernen mit Mehrheitsbeteiligungen ein.

Und wie ist der Stand? Rund 200 Mio. Euro umfasst das Beteiligungsvermögen derzeit. Das ist bei 16,9 Mrd. Euro Bilanzsumme noch keine Riesenbaustelle, aber – wie bei vielen anderen Geno-Banken, die ihre Lust auf direktes Immobiliengeschäft entdecken (siehe hier und hier) – stets einen aufmerksamen, skeptischen Blick wert.


Commerzbank

Was ist die größte Baustelle? Äh… die ganze Bank? Na gut, wollen wir mal nicht so sein. Vor allem zwei Dinge stechen hervor: Der problematische Zustand der Firmenkundensparte und die Risiken für die Umsetzung der „Strategie 2024“.

Warum? Die Commerzbank hat (siehe hier) gut eineinhalb Jahre verplempert (siehe auch hier), sich mit Eignern und Arbeitnehmerseite auf eine Strategie zu verständigen. Die, die Mitte Februar dann vorgestellt wurde, barg wenige Überraschungen. Allerdings schätzte der Kapitalmarkt das Umsetzungsrisiko zunächst erheblich größer ein als die Chance, dass die Commerzbank ihr Versprechen einlösen kann und bereits 2023 und 2024 zusammen 3 Mrd. Euro an Aktionäre ausschütten kann: Bis Ende April bröckelte der Kurs gegen den Branchentrend, während andere Bankaktien stiegen und stiegen. Nun geht es wenigstens wieder aufwärts (+20% seit Ende April). Dennoch: Das BGH-Urteil zur Zustimmungsfiktion (siehe hier) beschneidet die Preissetzungsmacht wie bei allen anderen Banken auch, und das einstige Herzstück, das sich „Mittelstandsbank“ nennt, steckt operativ in den roten Zahlen …

Und wie ist der Stand? … und wird dies laut Analysten auch 2021 bleiben, ehe es 2022 vielleicht wieder 225 Mio. Euro Gewinn schreiben kann. Wie krass die Prognosen und die Sicht des Kapitalmarkts auseinander klaffen (was die Skepsis der Investoren deutlich macht), zeigt ein Blick auf die Dividendenversprechen. Die Commerzbank hat angekündigt, für 2023 und 2024 stünden zusammen 3 Mrd. Euro für Rückkäufe und Dividenden zur Verfügung. Mal unterstellt, davon flössen tatsächlich 1 Mrd. Euro im Jahr 2023 und weitere 2 Mrd. im Jahr 2024 als Dividenden – dann läge die Dividendenrendite (bei 6,3 Mrd. Euro Börsenwert) im Jahr 2023 bei 13% und 2024 bei 26%. Der Analystenkonsens weicht davon ab, und zwar massiv. Ihre Prognosen: 3% bzw. 5%.


Deutsche Bank

Was ist die größte Baustelle? Dass die Segmente Privat- und Unternehmenskunden weit hinter den Erwartungen zurück bleiben.

Warum? Christian Sewings Ansage im Juli 2019 war eindeutig: je zwei Mrd. Euro Gewinn vor Steuern sollen aus den Bereichen Investmentbanking, Privatkunden, Unternehmenskunden kommen – im Jahr 2022. Das ist, flankiert von Kostendisziplin, sein Schlüssel für das Ziel, als Bank insgesamt wieder 8% Eigenkapitalrendite zu verdienen und dividendenfähig zu sein. Während die Investmentbank das Ziel übererfüllt (2020: 3,2 Mrd. Euro Gewinn vor Steuern, Erwartung 2021: 2,7 Mrd. Euro vor Steuern), lagen die Einheiten Privatkunden und Unternehmenskunden sowohl 2019 als auch 2020 noch deutlich zurück. Ihr Gewinn betrug jeweils (wenn überhaupt) weit unter 1 Mrd. Euro p.a., und laut Analysten bleiben sie auch 2021 deutlich unter der Milliarde. Nach deren Rechnung werden sie selbst 2022 lediglich bei 1,1 Mrd. Euro (Unternehmenskunden) bzw. 1,3 Mrd. Euro (Privatkunden) landen. Auch bei der Deutschen Bank gilt: Das BGH-Urteil hat den Gewinnzielen der Privatbank alles andere als geholfen.

Und wie ist der Stand? Klar: Wenn es Geld regnet, warum sollte das Investmentbanking nicht die Schüsseln aufstellen. Doch ohne die entsprechenden Gewinnbeiträge von Privat- und Unternehmenskunden ist das Ziel von 8% Eigenkapitalrendite illusorisch. In dem Fall dürfte die Deutsche Bank selbst bei einem fortgesetzten Boom im Investmentbanking und weiter hoher Kostendisziplin allenfalls auf gut die Hälfte kommen. Als Grund für die Entwicklung der Sparten führt das Haus die anders als erwartet verlaufene Zinsentwicklung an. Das mag stimmen, hieße allerdings auch, dass Deutschlands größtes Institut gewissermaßen machtlos wäre.


DKB

Was ist die größte Baustelle? Das Ziel von 8 Millionen Kunden – inzwischen ein Alleinstellungsmerkmal in der Branche, strategisch gesehen – zu erreichen und die ominösen Investitionen in die Digitalisierung zu rechtfertigen.

Warum? Bei der DKB steigen seit zwei Jahren die Kosten, was die BayernLB-Tochter fortlaufend mit Wachstums- und Digitalisierungsinvestitionen begründet (siehe hier). Davon ist allerdings weder an der Kundenfront noch in den Kosten (etwa in Form von Effizienzgewinnen) etwas zu sehen. Letzteres soll sich natürlich ändern, zum Beispiel wenn die Bank es tatsächlich schafft, wie angekündigt bis Mitte 2024 bei 8 Millionen Kunden zu landen, mithin 3,5 Millionen mehr als heute.

Und wie ist der Stand? Die DKB muss bei den Kunden (siehe auch Analyse hier) bis 2024 drei Mal so schnell wachsen, will sie ihr Kundenziel erreichen – ein nachgerade wahnsinniges Projekt, sofern das Institut dieses Ziel organisch erreichen will. Oder anders formuliert: Die DKB braucht mal eben ein halbes N26 (aktuelle Kundenzahl: 7 Millionen), um ins Ziel zu kommen. Und das in einem Umfeld, in dem sich eine Bank nach der anderen vom Jahrzehnte alten Dogma „Neukunden müssen her“ verabschiedet. Positiv gewendet heißt das: Die DKB will erfolgreich eine Nische besetzen und Neukunden für kostenlose Konten einsammeln, auch auf die Gefahr hin, dass es sich dabei nur um Zweit- oder Drittkonten der jeweiligen Halter handelt. Wer es negativ dreht, könnte sagen: Die DKB verfolgt eine Strategie, die mehrere Großbanken wie die Commerzbank, die ING Deutschland, N26 und Co. in den vergangenen Jahren über Bord geworfen haben – vermutlich aus gutem Grund.


DZ Bank

Was ist die größte Baustelle? Die Abhängigkeit vom Kapitalmarkt.

Warum? Die DZ Bank ist, wie die Ratingagentur S&P kürzlich anmerkte, in der skurrilen Situation, dass ihre risikoadjustierte Eigenkapitalquote (also inklusive der tatsächlichen ökonomischen Risiken der Bilanz) mit 9,1% niedriger ist als die ihrer Eigner, der Genossenschaftsbanken (die auf 14,2% kommen). Dennoch ist die DZ Bank operativ riskanter unterwegs als die Masse ihrer Eigner, denn sie weist strukturell eine hohe Abhängigkeit vom Kapitalmarktgeschäft auf: Ob es an den Märkten „läuft“, ist entscheidend für das Geschäft der Tochtergesellschaft Union Investment, die 2020 stolze 649 Mio. Euro Gewinn vor Steuern ablieferte, für das Ergebnis der DZ Hyp (2020: 582 Mio. Euro), die für ihr Immobiliengeschäft gute Refinanzierungskonditionen braucht, und vor allem für das Handelsergebnis der Geschäfts- und Verbundbank (2020: 448 Mio. Euro).

Und wie ist der Stand? Die Ratingagentur Moody’s fand heraus: Seit 2016 die alte DZ Bank mit der WGZ fusionierte, kamen immer mindestens 1 Mrd. Euro Gewinn heraus (so auch 2020). Um deutlich mehr zu werden, musste aber stets der Kapitalmarkt mitspielen. Einen veritablen Absturz hat dieser in den vergangenen Jahren nicht erlebt – oder er wurde rasch wieder aufgeholt, so wie im Frühjahr 2020. Somit steht ein echter Test, wie groß die Kapitalmarktabhängigkeit der DZ Bank tatsächlich ist, noch aus. Klar ist hingegen, dass die nicht-zyklischen Sparten (VR Payment, R+V-Versicherung, DZ Privatbank, siehe auch hier) nicht groß genug sind, die Bank ergebnistechnisch zu retten, wenn es hart auf hart kommt.


Frankfurter Sparkasse

Was ist die größte Baustelle? Dass die Bank operativ nur noch ganz, ganz knapp über der Nullinie manövriert.

Warum? Die Frankfurter Sparkasse hat 2020 bei 21 Mrd. Euro Bilanzsumme mal gerade nur noch 65 Mio. Euro Betriebsergebnis vor Bewertung erzielt (-15%). Die Dotierungen nach §340g für den Fonds für allgemeine Bankrisiken fielen komplett aus. Und nach Steuern und Bewertungen beträgt der Überschuss schlappe 15 Mio. Euro, ein Minus von zwei Dritteln zum Vorjahr. Diese Zahlen sprechen für sich, zumal es nicht „den“ Grund für diese negative Entwicklung gibt. Sieht man einmal von den Einmaleffekten ab, die in den Jahren zuvor das Ergebnis noch aufwüschen halfen (2019: ein Steuereffekt, 2018: die ominöse Immobilientransaktion mit der Helaba, siehe hier), aktuell aber wegfallen – so dass die operative Schwäche offen zutage tritt.

Und wie ist der Stand? Wie die Bank gegen halten will, ist unklar. Unübersehbar ist, dass sie die gewerbliche Immobilienfinanzierung ausbaut (2020: +20% auf 1,2 Mrd. Euro) – eine nicht risikofreie Strategie. Und zur Bilanz-PK kündigte Vorstandsvorsitzender Ingo Wiedermeier an, man werde „bestehende Strukturen und Prozesse noch intensiver hinterfragen und auf den Prüfstand stellen“. Das heißt noch nichts, illustriert aber immerhin, dass die Bank sich der Dramatik ihrer operativen Lage bewusst zu sein scheint.


Haspa

Was ist die größte Baustelle? Vorstand und Aufsichtsrat. Die Strukturen. Beziehungsweise: Dass es der Hamburger Sparkasse möglich ist, in einem kritikfreien Raum zu wirtschaften.

Warum? Lange Zeit gelang es der größten deutschen Sparkasse, ihre Ergebnisse mit teils exorbitanten Erträgen aus Zinsersatzgeschäft zu pimpen (beispielhaft dafür: Im Jahr 2015 erreichten die Erträge aus „Aktien und anderen nicht-festverzinslichen Wertpapieren“ frivole 158 Mio. Euro). Die Haspa sonnte sich in diesen Jahren im Glanz ihrer selbst. Operativ sinnvolle Maßnahmen zur Ertüchtigung des Kerngeschäfts unterblieben. Wobei auch unklar blieb, ob sie überhaupt von irgendwem eingefordert wurden (Aufsichtsrat?). Die Quittung für das Nichtstun: Nachdem das Zinsersatzgeschäft weggebrochen ist, werden die operativen Versäumnisse sichtbar. Die Haspa ist inzwischen bei einem Überschuss im einstelligen Millionenbereich angekommen.

Und wie ist der Stand? Zu hoffen wäre, dass die GuV-Implosion wie ein heilsamer Schock wirkt. Allerdings ist davon bislang wenig zu spüren: Im 2020er-Geschäftsbericht attestiert die Haspa sich selber weiter einen „grundsätzlich zufriedenstellenden Geschäftsverlauf“. Ob es intern irgendjemanden gibt, der dem Management in dieser Selbsteinschätzung widerspricht? Zweifelhaft. Vom öffentlichen Übel namens „Bilanzpressekonferenz“ hat die PR-Abteilung den Vorstandschef, den ewigen Harald Vogelsang, schon vor Jahren befreit; der Aufsichtsrat bleibt unsichtbar; und einen moppernden Eigentümer braucht niemand zu fürchten – die Haspa gehört praktischerweise sich selber.


Helaba

Was ist die größte Baustelle? Die hohe Abhängigkeit vom Immobiliengeschäft.

Warum? Die Helaba hat im vergangenen Jahr 223 Mio. Euro vor Steuern verdient. Im Segment Immobilien waren es 252 Mio. Euro und damit mehr als in allen anderen Bereichen. Von den rund 36 Mrd. Euro Volumen im Immobilienportfolio steckt knapp die Hälfte in Büroimmobilien und ein gutes Fünftel in Handelsimmobilien. Macht insgesamt rund 70 Prozent in Segmenten, die von der Corona-Pandemie besonders stark betroffen sind. Trotzdem gab es dafür 2020 keine Risikovorsorge, laut Helaba wegen der herausragenden Qualität; stattdessen gab es sogar ein leichtes Plus aus Auflösungen.

Und wie ist der Stand? Ob und wie sich die Konzentrationsrisiken materialisieren, ist die große Unbekannte. Für die Helaba im Speziellen spricht ihr guter Track Record bei der Finanzierung von Gewerbeimmobilien mit geringen Ausfällen in der Vergangenheit. Und für die Helaba im Allgemeinen, dass sie bei dem Anfang 2020 verkündeten Stellenabbau und den Kostensenkungen (2020: -3%) voran kommt und sich mit einer Kernkapitalquote von 14,7% (Tendenz steigend) auch einen ordentlichen Schutzpanzer zugelegt hat, der ihrem Geschäft angemessen scheint.


ING Deutschland

Was ist die größte Baustelle? Baustelle ist ein zu großes Wort für eine Bank mit beständig weniger als 50% Cost-Income-Ratio und mehr als 8% Eigenkapitalrendite – am ehesten sorgen noch die unverändert hohe Zinsabhängigkeit, insbesondere im Baufi-Geschäft, für Sorgenfalten.

Warum? 2020 entfielen bei der ING Deutschland 78% der Überschüsse auf das Zinsergebnis. Das ist ein Wert weit über dem Schnitt anderer deutscher Banken. Der Wertpapier-Boom des abgelaufenen Jahres (+48%) macht das zumindest kurzfristig vergessen und lässt die Abhängigkeit vom Zinsergebnis minimal sinken, runter von einem Anteil von mehr als 80% in den Vorjahren. Allerdings bröckelt das Zinsergebnis seit Ende 2019 auch. Selbst die quasi vollständig gestrichenen Zinsen haben den konstanten Zulauf an Einlagen nicht stoppen können. Auf der anderen Seite schrumpfte das Kreditvolumen der Wholesale-Banking-Sparte eine Weile wieder, ehe es im Q1 erstmal wieder etwas nach oben zuckte. (2. Quartal 2019: 36 Mrd. Euro, aktuell: 33,6 Mrd. Euro). Was nichts anderes heißt als: Die Bank findet für die vielen Einlagen nicht ausreichend risikoadäquate Kreditnehmer.

Und wie ist der Stand? Die ING hat mit ihrer Zinsabhängigkeit allenfalls ein Luxusproblem. Allerdings ist bei ihr (wie auch anderen Banken) zu erwarten, dass sich die Niedrigzinsen nun doch Quartal um Quartal in die GuV fräsen. Gut verzinste Altkredite (insbesondere aus dem Beginn des deutschen Immobilienbooms Anfang der Nuller Jahre) laufen allmählich aus, neue gut verzinste Darlehen gibt es nicht. Fraglich ist zudem, ob sich das Wachstum in der so wichtigen Immobilienfinanzierung – die bei der ING Deutschland mehr als zwei Drittel des Kreditbuchs ausmacht – noch lange fortschreiben lässt. Die Zahl hinreichend solventer, potenzieller Käufer von Immobilien schrumpft, allein schon demografisch bedingt.


LBBW

Was ist die größte Baustelle? Das sind die Konzentrationsrisiken im Kreditbuch, genauer: im Handels- und Automobilsektor.

Warum? Die größten Volumina im so genannten „Netto Exposure“ der Kredit- und Handelsbücher weisen bei der LBBW der Handelssektor (13,6 Mrd. Euro) und der Automobilsektor (10,9 Mrd. Euro) auf. Ersterer dürfte wegen Corona vor schwierigen Jahren stehen, letzterer steckt in der wohl größten technologischen Umwälzung seit Erfindung des Autos – mit unbekanntem Ausgang, wer Gewinner und wer Verlierer sein wird. Unklar ist auch, wie weit Probleme in diesen Branchen auch auf Privatkredite im Südwesten überspringen könnten (zum Beispiel weil Menschen ihre Arbeit verlieren oder ihre Rückzahlungen reduzieren müssen).

Und wie ist der Stand? Obwohl Risikovorsorge und tatsächliche Ausfälle historisch immer noch auf einem niedrigen Niveau sind und mit Sicherheit noch nicht alle Corona-Effekte reflektieren, landete das Firmenkundengeschäft schon 2020 nur noch knapp in den schwarzen Zahlen (7 Mio. Euro Gewinn vor Steuern). Die LBBW adressiert das Problem allerdings (aus einer Position der Stärke mit 22,8% Gesamtkapitalquote) und kündigte im Geschäftsbericht an, die Kreditvergabe an „zukunftsträchtige Wachstumsbranchen wie IT, Versorger, Energie, Pharma“ zu erhöhen und das Portfolio weiter zu diversifizieren. Fraglich ist allerdings, ob ihr dies schnell genug gelingt.


NordLB

Was ist die größte Baustelle? Das Segment „Spezialfinanzierung“, das die Nord/LB 2020 operativ in die roten Zahlen gedrückt hat.

Warum? Kaum, dass beim Abbau der Risikopositionen in der Schiffsfinanzierung Land in Sicht ist, poppt bei der NordLB das nächste Problemfeld auf: Neuerdings ziehen sie die Flugzeugfinanzierungen herunter. Diese machen ein Fünftel des Bereichs Spezialfinanzierungen aus, der 2020  vor allem aufgrund einer drastisch gestiegenen Risikovorsorge ein Minus von 150 Mio. Euro verbuchte. Deshalb landete die NordLB 2020 unter dem Strich bei einem Minus von 13 Mio. im operativen Ergebnis. Und: Selbst ohne Restrukturierung, Transformation und Steuern wären 2020 nur 74 Mio. Euro heraus gekommen.

Und wie ist der Stand? Allgemein eher nebulös. Für eine Prognose zum Jahresergebnis 2021 sei es „vor dem Hintergrund der weiterhin erheblichen Unsicherheiten über die Folgen der Pandemie (…) noch zu früh“, hieß es bei Bekanntgabe der 2020er Zahlen lapidar. Aber immerhin, versteckt auf Seite 93 des Konzerngeschäftsberichts findet sich ein Hoffnungsschimmer: „Das Teilsegment Flugzeugfinanzierung erwartet für 2021 eine deutliche Reduktion des negativen Beitrages zum Ergebnis vor Steuern. Maßgeblicher Einflussfaktor ist ein erheblicher Rückgang bei der Risikovorsorge, die in 2020 aufgrund der Auswirkungen der Covid-19 Pandemie vergleichsweise hoch ausfiel.“ Na, dann hoffen wir mal…


Sparkasse KölnBonn

Was ist die größte Baustelle? Das Prinzip „Viel hilft viel“ funktioniert im Zinsgeschäft nicht mehr.

Warum? Die Sparkasse KölnBonn – immerhin die drittgrößte Sparkasse hierzulande – hat im Corona-Jahr 2020 die Kredithähne weit aufgedreht: Ihr Kreditneugeschäft wuchs weit stärker als im Durchschnitt der Branche, nämlich um 10%, das Neugeschäft mit Firmenkunden legte um 25% (!) zu, der Bestand im Immobiliengeschäft stieg um 6%. All dies hilft aber nicht dabei, den jahrelang (siehe hier) laufenden Verfall des Zinsüberschusses zu stoppen. Er sank trotz des fulminanten Neugeschäfts um 2% auf 361 Mio. Euro. Dies konnte auch nicht anderweitig vollständig aufgefangen werden, weder durch den Provisionsüberschuss (der stagnierte) noch durch die Kosten (die nur um 1% fielen).

Und wie ist der Stand? 24 Mio. Euro Bilanzgewinn sind ein schmaler Grat. Die Frage, die sich da aufdrängt: Wenn schon ein massives Neugeschäft das Zinsergebnis nicht mehr klettern, sondern fallen lässt, was geschieht dann in einem „normalen“ Jahr – oder gar in einem Jahr, in dem die Kreditnachfrage einmal schrumpft, zum Beispiel aus konjunkturellen Gründen? Obendrein kann die Bank nach dem BGH-Urteil nicht so leicht die Kontomodelle umstellen wie geplant (siehe hier).


Unicredit/HVB

Was ist die größte Baustelle? Im Prinzip gibt es zwei: Die Gewinne des Investmentbankings kollabieren und das Zinsgeschäft schmiert ab.

Warum? Die italienische Unicredit hat wesentliche Teile ihres Investmentbankings unter dem Dach der HVB Group in München aufgehängt – ein Umstand, der leicht in Vergessenheit gerät, wenn man (nur) die Privat- und Firmenkundenaktivitäten im Auge hat. Dabei zeigten die Gewinne der HVB-Investmentbanker 2020 deutlich nach unten: Hatten sie 2019 noch 327 Mio. Euro Überschuss erzielt, kamen sie im vergangenen Jahr nur noch auf 101 Mio. Euro (nachdem sie im 1. Halbjahr sogar in die roten Zahlen gerutscht waren). Dies war eine bemerkenswerte Leistung, vor allem angesichts der Tatsache, dass die Kapitalmärkte mit ihrer Volatilität und einer insgesamt starken Entwicklung im Jahr 2020 dazu beitrugen, dass andere Investmentbanker rund um den Globus herausragende Ergebnisse erwirtschafteten und die Gewinne ihrer Häuser in die Höhe trieben.

Was das Zinsgeschäft angeht, musste die HVB im Q1 ein Minus von 16% vermelden (bezogen auf das Privat- und Firmenkundengeschäft). Das erklärt vermutlich auch, warum die Bank erneut an ihrem Filialangebot schraubt (siehe hier).

Und wie ist der Stand? Die HVB nennt als Ursache für den Einbruch im Geschäftsbericht ein „rückläufiges Handelsergebnis“, welches auf „Marktturbulenzen im Umfeld der Covid-19 Pandemie und damit auftretende Bewertungsabschläge zurückzuführen“ sei. Ähnlich nebulös fällt auch der Ausblick auf 2021 aus: Im laufenden Jahr soll sich das Ergebnis demnach wieder verbessern – die Risikovorsorge sinke wieder, das Handelsergebnis erhole sich. Immerhin: Im Q1 gab es mit 132 Mio. Euro wieder einen Lichtblick.


 

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