Provisions-Ergebnis? Plus 27%!!! Dt. Banken gelingt Ertragswende

7. Oktober 2021

Von Christian Kirchner

Deutschlands führende Banken zeigen sich so profitabel wie seit Jahren nicht mehr. Wie aus Daten der EZB-Bankenaufsicht hervorgeht, haben die 21 von der EZB als „systemrelevant“ eingestuften hiesigen Institute von Januar bis Juni ein operatives Ergebnis (definiert als Betriebsergebnis vor Bewertung) in Höhe von 9,7 Mrd. Euro erzielt. Das ist nicht nur deutlich mehr also im H1 2020 (6,1 Mrd. Euro), sondern mehr als in jedem anderen Halbjahr, seit die EZB die Daten veröffentlicht (seit 2015 nämlich). Zu den 21 „systemrelevanten“ Instituten gehören neben der Deutschen Bank, der Commerzbank, der DZ Bank sowie sämtlichen Landesbanken und großen Hypothekenbanken zum Beispiel auch Player wie die UBS Europe, die Volkswagen Bank oder die hiesigen Töchter von Goldman Sachs, J.P Morgan und State Street.

Völlig überraschend kommen die starken Zahlen nicht. Schließlich hatten wir in den letzten Wochen beispielhaft immer wieder betont, dass bei vielen hiesigen Banken das Geschäft im ersten Halbjahr erstaunlich positiv gelaufen ist (siehe -> Die fünf Gründe für das beste LBBW-Ergebnis seit zehn Jahren oder auch -> Wieso machen ausgerechnet diese deutschen Banken jetzt Gewinn? oder auch -> Wie die DZ Bank jenseits ihres Rekordgewinns performt hat). Was aber dann doch erstaunt, das ist, wie sich der operative Gewinn zusammensetzt. So haben sich die großen deutschen Banken aus der Coronakrise nicht etwa herausgespart – sondern sie versuchen offenbar herauszuwachsen.

Konkret manifestiert sich diese Entwicklung im Provisionsergebnis, das aggregiert um abenteuerliche 27% zulegte. Die starke Entwicklung im Kapitalmarktgeschäft (von der nicht nur die Deutsche Bank, sondern auch Player wie die LBBW, die DZ Bank oder die BayernLB profitierten) dürfte sich hier ebenso niederschlagen wie der Wertpapier-Boom, aus dem zum Beispiel die Deka (siehe hier) massiv Kapital schlug.

Nicht zu vergessen: Etliche der systemrelevanten hiesigen Banken veröffentlichen unterjährig ja gar keine Zahlen. Gut denkbar, dass zum Beispiel bei J.P. Morgan oder Goldman Sachs das Geschäft im ersten Halbjahr ebenfalls sehr rund gelaufen ist. Umgekehrt gehören die allermeisten Sparkassen und Genobanken ja nicht zu den systemrelevanten Instituten. Die Ertragskrise im Retailbanking schlägt sich in den EZB-Zahlen also nur bedingt nieder.

Tatsächlich ist das aggregierte Zinsergebnis der systemrelevanten Banken trotz TLTRO-Boosts um 6% gesunken (wobei im H1 2020 das Kreditgeschäft wegen des Corona-Booms sehr gut gelaufen war, der Vorjahresvergleich also ein wenig hinkt). Die Kosten stiegen gar um knapp 4% auf 24,2 Mrd. Euro. Auch das ist ein Trend, der sich bereits abgezeichnet hatte: So erklärte die Deutsche Bank Ende Juli, dass sie sich im Interesse der Profitabilität von ihrem Kostenziel verabschiede und fortan lieber die Cost-Income-Ratio zum Maßstab nehme – sprich: Wenn es irgendwo etwas zu verdienen gibt, nehmen wir es mit, solange Aufwand und Ertrag in gutem Verhältnis stehen. Offenbar denken anderen Banken hierzulande ähnlich.

in Mio. Euro H1 20 H1 21 Delta in%
Zinsergebnis 16.508 15.519 -6
Provisions-Ergebnis 10.210 12.992 27
Operative Erträge insgesamt 29.454 33.843 15
Kosten -23.350 -24.192 4
Betriebs-Gewinn 6.104 9.651 58
Abschreib. und Risikoergebnis -4.372 -2.345 46
Gewinn vor Steuern 1.932 7.503 288
Nettogewinn 952 5.021 427

Quelle: ECB Supervisory Data

Dass der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum explodiert, war derweil zu erwarten. Schließlich hatte die deutsche Kreditwirtschaft vor einem Jahr corona-bedingt massiv Risikovorsorge gebildet – was diesmal anders war. Aggregiert mussten die systemrelevanten Häuser im ersten Halbjahr nur 2,3 Mrd. Euro für Risikovorsorge und Bewertungsanpassungen aufwenden, nur halb so viel wie vor einem Jahr. Das ist ein Trend, der sich bereits bei der Vorlage der Halbjahreszahlen vieler großer Häuser abgezeichnet hatte.

Auf Basis dieser Zahlen ergibt sich für die wichtigsten Banken hierzulande eine Eigenkapitalrendite (RoTE) von 4,2% und eine Cost-Income-Ratio von 71% – beides im internationalen Vergleich keine überragenden Werte (bei der Eigenkapitalrendite liegt der Schnitt aller Euro-Länder bei 6,9%, bei der Cost-Income-Ratio sind es 65%). Gleich wohl: 2016 bis 2020 war die Rentabililtät jeweils geringer gewesen als diesmal. Die EZB errechnet die Daten auf Basis der IFRS-Bilanzen, sie unterscheiden sich somit von den Bundesbank-Daten sowohl in der Rechenweise als auch im verfügbaren Betrachtungszeitraum. Aggregierte Daten für alle Banken liegen bei der Bundesbank bislang nur bis zum Jahresende 2020 vor (siehe auch unsere Analyse hier).

Wie haben Banken und Sparkassen das Corona-Jahr überstanden?

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