Leserblog zu Zins-Artikeln

„Der EZB-Jubel von Finanz-Szene.de liegt auf BILD-Niveau“

16. September 2019

Von Christian Kirchner

Stimmt es, dass infolge die jüngsten Zinsrutsches die Zinsmargen der deutschen Banken steigen (wie wir gemutmaßt hatten)? Stimmt es, dass die  hiesigen Geldhäuser durch den neuen Staffelzins der EZB  um 900 Mio. Euro „brutto“ bzw 500 Mio. Euro „netto“ entlastet werden (wie wir behauptet hatten)?

Nein, stimmt nicht, sagen einigen unserer Leser. Oder sie sagen: Stimmt zum Teil, aber nicht ganz. Drum hier: Eine kleine Auswahl unserer Leser-Mails aus den letzten 14 Tagen – in einem Fall mit einer kleinen Replik unsererseits:

Zu „Draghis 900-Mio-Euro-Geschenk an die Deutschen Banken“ (Finanz-Szene.de vom 13. September)

  • „Danke für die Übersicht zur Wirkung des Tiering der EZB. Allerdings stimmt die Aussage vorn und hinten nicht … Das Delta von 900 Mio. Euro bezieht sich auf eine hypothetische Situation mit 50 Basispunkten Strafzins und ohne Tiering – die gibt es nicht und hat es nie gegeben. Ergo gibt es auch keine „Entlastung“  in der Höhe. Bei 40 Basispunkten Strafzins liegen die Kosten ziemlich genau bei 2,4 Mrd. Euro (statt der heutigen 3,0 Mrd. Euro); damit liegt der Tiering-Effekt für deutsche Banken auch nicht 500 Mio. Euro (und schon gar nicht 900 Mio. Euro), sondern bei 300 Mio. Euro. Das Ganze entfällt auf ca. 2.500 deutsche Banken (gemäß CRR), was im Schnitt  120.000 Euro Entlastung je Institut. Wie man hier solch eine Jubelmeldung mit 900 Mio. Euro verbreiten kann … leider nicht besser als ‚BILD-Niveau‘.“
Antwort Finanz-Szene.de: Selbst der in diesem Punkt unverdächtige Bundesverband deutscher Banken kommt nach eigenen Berechnungen auf eine Entlastung von 520 Mio. Euro (gemessen am Ist-Zustand) bzw. 1,1 Mrd. Euro gemessen am künftigen Strafzins von minus 0,5%. Die Analysten von JP Morgan präzisierten zudem am Freitag in einer Studie, dass allein 300 Mio. Euro Staffelzins-Ersparnis auf die  Deutsche Bank und die Commerzbank entfallen. Richtig ist aber auch: da maßgeblich ist, wie der Stand der Dinge ab Anfang November ist in Sachen Überschussliquidität bei den Banken, handelt es sich um simple Hochrechnungen.

Zum Thema „Acht Irrtümer über die Folgen des Zinstiefs für Deutsche Banken“ (Finanz-Szene.de vom 5. September).

  • „Einer Ihrer Aussagen lautet: Die Zinsmargen von Sparkassen und Volksbanken sinken. Aber sie tun das auf relativ hohem Niveau, gemessen an den Zinsmargen der deutschen Bankenbranche insgesamt.‘ Diese Darstellung ist, vorsichtig ausgedrückt, unvollständig. Denn der Vergleich der Zinsspannen von Sparkassen und Genobanken einerseits mit denen der Großbanken andererseits wird nur verständlich, wenn gleichzeitig auf die relative Bedeutung der Zinsspanne für die Gewinn- und Verlustrechnungen der drei Gruppen hingewiesen wird: Bei Spakas und Genos liegt der Anteil der Zinsüberschüsse bei 70% und mehr aller Erträge – bei den Privatbanken bei zum Teil unter 50%. Dann wird nämlich erst deutlich, dass der erhebliche Rückgang über die Zeit bei diesen beiden Gruppen wehtut – während die privaten Institute über die Zeit eine relativ stabile Zinsspanne ausweisen können.“
  • „Schauen Sie mal auf die Kosten der Bafin; die steigen und steigen und steigen seit Jahrzehnten – und wer bezahlt das: die Banken. (…)  Als der einheitliche Bankenaufsichts-Mechanismus SSM kam, war die Ansicht der Beamten, dass die Kosten bei der Bafin fallen würden, da man ja weniger Aufgaben hat – total falsch, wie sich inzwischen herausgestellt hat. Es ist bei beiden Institutionen nur mehr geworden. (…)

Zum Thema „Wie Deutschlands Banken trotz Zinsrutsch ihre Margen ausbauen“ (Finanz-Szene.de, 21. August)

„Meine These wäre, wenngleich nicht überprüft:  Was wir dieses Jahr im Anstieg des Zinsüberschusses sehen, ist weniger der Margenausweitung, sondern schlicht der Tatsache geschuldet, dass die Bankbücher nicht mehr weniger abwerfen als im Vorjahr, sondern bei -0,4% geparkt sind. Zudem ist meine Vermutung: Retail/Immobilien weiten Margen aus, Firmenkunden engen sie ein.“

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