Kurz gebloggt

Der geniale Margen-Trick der Konsumenten-Finanzierer

28. November 2019

Von Christian Kirchner

Wären wir Zyniker, würden wir sagen: Wer knapp bei Kasse ist, für den könnten die Zeiten besser kaum sein. Bei der Skatbank beispielsweise gibt es einen 5.000-Euro-Ratenkredit mit drei Jahren Laufzeit neuerdings ab 0,97% effektiven Jahreszins. Großartig, oder? Und es geht sogar noch besser. Bei der Consorsbank sind es nämlich gar nur 0,90%. Und bei Smava gar nur 0,68%. Was für Zeiten!

Nun sind wir aber keine Zyniker, sondern betreiben einen halbwegs seriösen B2B-Newsletter. Mit anderen Worten: Unser Augenmerk gilt nicht den knapsenden Schuldnern da draußen. Sondern unsere Schäfchen sind die knapsenden Banken. Und da müssen wir angesichts der oben skizzierten Konditionen dann doch mal voller Sorge fragen: Habt Ihr Euch das auch gut überlegt, liebe Banken? Wo soll denn bei solchen Zinssätzen noch die Marge herkommen?

Zumal – und diese Frage gilt jetzt speziell den Damen und Herren in den Ratenkredit-Abteilungen: Wollen Sie sich ernsthaft nachsagen lassen, Ihre Kollegen aus der Baufinanzierung weiten gerade phänomenal ihre Margen aus, doch Sie (ausgerechnet Sie!) schaffen das nicht?

Das werden Sie doch wohl nicht auf sich sitzen lassen …

Brauchen Sie auch nicht. Denn wie das Portal „Kreditvergleich.net“ herausgefunden, gelingt den deutschen Konsumentenkredit-Finanzierern seit einer Weile schon so etwas wie die margentechnische Quadratur des Kreises.  Einerseits unterbreiten sie ihrer Klientel (siehe oben) immer spektakulärere Angebote. Doch zugleich drehen sie hintenrum kräftigst an den Spannen. Und das alles wohlgemerkt in einem bemerkenswert großen Markt. Denn die ausstehenden Konsumentenkrediten türmten sich hierzulande per Halbjahresende auf 236 Mrd. Euro.

Was also tun die Banken genau? Beginnen wir mit diesem Chart …

… der die Entwicklung der sogenannten „Mindest-Sollzinsen“ über alle Institute und sämtliche Laufzeiten hinweg von Anfang 2016 bis November 2019 dokumentiert. Man sieht: Der allgemeinen Kapitalmarkt-Entwicklung folgen sinken die Zinsen und sinken und sinken. Die knapsende Banken, so sieht es auf den ersten Blick jedenfalls aus, geben ihre seit Jahren fallenden Refinanzierungskosten brav an die knapsenden Schuldner weiter.

Nun ist es mit dem „Mindestzins“ aber so eine Sache. Das ist nämlich der Zins, den die Banken ins Schaufenster stellen. Das Lockvogel-Angebot, wenn man so will. „Kreditvergleich.net“ hat sich aber auch noch einen anderen Zins angeschaut. Nämlich den sogenannten „Zweidrittelzins“ (den die Institute seit 2010 verpflichtend ausweisen müssen).  Es handelt sich dabei um den Zinssatz, den zwei Drittel aller Kunden für den beworbenen Kredit im repräsentativen Beispiel (also etwa: „5.000 Euro für drei Jahre Laufzeit“) maximal zahlen müssen.

Wenn man so will, ist das also der „reale Kredite“ für die Mehrzahl der „realen Kunden“. Nun nicht der Schaufensterkredit, den eh nur der Kunde kriegt, der ihn tendenziell überhaupt nicht braucht – nämlich der mit bester Bonität.

Um es am Beispiel des oben angeführten Consorsbank-Kredits zu veranschaulichen: Die 0,90% waren (natürlich) der „Mindestzins“. Der „Zweidrittelzins“ hingegen: beträgt 3,58%. Und übrigens: Je nach Bonität kann der Zinssatz sogar auf bis zu 8,99% steigen.

Hier nun also die Grafik, wie sich der Zweidrittelzins für Privatkredit entwickelt hat, übereinandergelegt mit dem „Mindest-Sollzins“:

Es zeigt sich, dass die Zinsen eine Weile parallel liefen, dann zeitweise der Wettbewerb so groß war, dass die tatsächlichen Zweidrittelzinsen sogar unter dem Schnitt der Mindest-Sollzinsen fielen (was rechnerisch möglich ist, da es sich ja in beiden Fällen um Durchschnitte handelt).

Dann aber sanken plötzlich nur noch die ausgewiesenen Mindestzinsen im Schaufenster – während die realistischeren Zweidrittelzinsen seit Mitte 2017 nahezu konstant bleiben. i

Nun spielen in der Zinsgestaltung natürlich auch Risikoüberlegungen eine Rolle. Aber fraglos scheinen die Banken den allgemeinen Zinsrückgang auch zu nutzen, um die Margen auszuweiten. Denn auch die MFI-Zinsstatistik der Bundesbank stützt die obigen Beobachtungen: Während die Kapitalmarktzinsen heute merklich tiefer sind als vor einem Jahr, ist der Effektivzins im Neugeschäft mit Konsumentenkrediten in den typischen Laufzeiten von maximal fünf Jahren im gleichen Zeitraum gestiegen. Und zwar teils sogar deutlich. Bei variablen oder kurzlaufenden Krediten sind es 1,5 Prozentpunkte. Das kann, mit Verlaub, nicht nur alles Risiko ein.

Für die Verbraucher bedeute die Entwicklung „zunehmende Augenwischerei“, kommentiert „Kreditvergleich.net“. Da können wir, völlig unzynisch, nur zustimmen.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing