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Trotz Zinswende: Analysten glauben nicht an 8% RoTE bei der Deutschen Bank

Auch wenn die Analysten ihre Gewinnschätzungen für die Deutsche Bank zuletzt sukzessive erhöht haben – das große Ziel von 8% Eigenkapitalrendite in diesem Jahr trauen sie ihr weiterhin nicht zu. Stattdessen liegt die sogenannten Konsens-Schätzung nach den jüngst vorgelegten Halbjahreszahlen bei nunmehr 6,6%. Selbst der größte Optimist unter den Analysten – der indes nicht namentlich genannt wird – glaubt nur an 7,2% “Return on Tangible Equity”. Und das, obwohl die Zinswende und die immer noch überschaubare Risikovorsorge das Ergebnis eigentlich treiben müssten.

Zur Gemengelage: Die Deutsche Bank hatte zuletzt nach dem absoluten Kostenziel auch das relative Kostenziel von 70% Cost-Income-Ratio für obsolet erklärt – und Investoren wie Analysten stattdessen darauf vorbereitet, dass die Aufwand-Ertrag-Relation in diesem Jahr wohl im niedrigen bis mittleren 70%-Bereich liegen werde. Zugleich betonte der Vorstand jedoch abermals das Ziel von 8% Eigenkapitalrendite. Diese Bekräftigung hatte durchaus auch symbolische Bedeutung. Schließlich gehört der RoTE-Wert zu den letzten für 2022 gültigen Zielkennziffern, die noch nicht gestrichen oder verwässert wurden.

Die Kosten steigen und steigen. Die Gewinn-Schätzung aber auch

Wie stark die Deutsche Bank inzwischen von ihrem ursprünglichen Plan abgewichen ist, über Kostendisziplin in die Rentabilitätsziele zu wachsen, zeigt ein Blick auf die Analysen-Schätzungen für den Aufwand: Bei den Kosten hatte CEO Christian Sewing im Sommer 2019 ein Ziel von 17 Mrd. Euro für Jahr 2022 ausgegeben; anderthalb Jahre später wurde die Zahl sogar noch mal auf 16,7 Mrd. Euro herabgesetzt. Nur ein halbes Jahr kassierte die Deutsche Bank dieses absolute Kostenziel indes mit dem Verweis auf die lockenden Ertragschancen – aus Gründen, wie sich mittlerweile zeigt. Denn die Analysten gehen mittlerweile von 19,8 Mrd. Euro Kosten aus. Verglichen mit dem ursprünglichen Ziel entspräche dies einer Abweichung von gut 16%.

Zur Wahrheit gehört aber auch: inzwischen rechnen Analysten auch mit 2,3 Mrd. Euro höheren Erträgen als noch im Januar. Und es bleibt festzuhalten, dass die Gewinn- und Rentabilitäts-Schätzungen trotz der drohenden Rezession weiterhin nach oben gehen – besonders für die Private Bank und die Corporate Bank: Gingen Analysten noch im Januar davon aus, dass die Deutsche Bank im Privatkundengeschäft in diesem Jahr nur 1,4 Mrd. Euro verdienen würde (ausgegeben als Ziel wurden hier 2019 einst 2 Mrd. Euro), so liegen die Schätzungen nun bei 1,8 Mrd. Euro. Bezogen auf die Corporate Bank, deren Gewinnziel ebenfalls bei 2 Mrd. Euro liegt, betrug der Konsens im Januar noch 1,2 Mrd. Euro. Nun sind es – gestützt vor allem von der Zinswende – 1,6 Mrd. Euro.

Entsprechend steigt auch die Erwartung an den gesamten Nettogewinn des Konzerns von 3,3 auf 4,0 Mrd. Euro.

Hier die Übersicht über die Entwicklung des Analystenkonsenses:

in Mio. Euro Januar April August
Erträge 24.357 25.191 26.686
Kosten 18.232 18.616 19.805
Operativer Gewinn 5.178 5.389 6.881
Nettogewinn 3.278 3.509 3.978
Cost-Income-Ratio 74,9% 73,9% 74,2%
Eigenkap.-Rend. 5,5% 5,9% 6,6%
Gewinn Private Bank 1.426 1.510 1.767
Gewinn Corporate Bank 1.177 1.222 1.646
Gewinn Investment Banking 3.187 3.428 3.528
Gewinn Asset Management 805 826 755

 

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