Deutsche Bank erhöht die Konto-Gebühren um rund 20%

25. Juni 2020

Von Christian Kirchner

Dann laufen uns die Leute weg! Das war in den vergangenen Jahren oft das letzte Argument, dass den Kundenbankern in den Diskussionen mit den Kostenbankern und den Gebührenbankern noch blieb. Im Zuge der Corona-Krise indes scheint dieser Sicht auf die Dinge endgültig obsolet.

Dass die Zeiten des Null-Euro-Kontos fast überall vorbei sind, hatten wir Ihnen zuletzt ja wiederholt aufs Brot geschmiert (siehe VW Bank, siehe 1822direkt, siehe BB Bank, siehe Sparda Baden-Württemberg …). Und dass viele wegen der Pandemie geschlossene Filialen jetzt dauerhaft dichtgemacht  – auch das scheint offensichtlich (siehe unsere Stücke vom 5. Juni sowie vom 17. Juni). Und nun? Beginnt auch noch der Marktführer höchstselbst an der Preisschraube zu drehen:

So geht aus dem neuesten Preis-Leistungs-Verzeichnis auf der Homepage hervor geht (siehe hier), dass die Deutsche Bank die Preise für das private Girokonten vom ab 1. Oktober an um rund ein Fünftel anheben wird – was zunächst die „Stuttgarter Zeitung“ entdeckt hatte. Es ist die zweite Erhöhung binnen zwei Jahren. Das sogenannte „DB Aktiv Konto“ kostet dann 6,90 Euro (statt 5,90 Euro), das „DB Plus Konto“ 11,90 Euro (statt 9,90 Euro) und das „DB Best Konto“ 13,90 Euro (statt von 11,90 Euro). Alles pro Monat, versteht sich. Ferner strafft die Deutsche Bank ihre Modellpalette: Besagte „DB Plus Konto“ – also die mittlere der drei Varianen – wird für Neuabschlüsse nicht mehr angeboten. Das gilt ebenso für das Kontomodell auf Guthabenbasis sowie für ein spezielles Kontomodell, bei dem jede Leistung einzeln bepreist wird.

Die Deutsche Bank hat nach eigenen Angaben rund 19 Mio. Privatkunden, von denen allerdings laut früheren Angaben rund 14 Mio. auf die Postbank entfallen. Heißt: Von den Erhöhungen sind ausschließlich die rund 5 Mio. Kunden der eigentlichen Deutschen Bank betroffen (wobei auch von denen einige ein kostenloses Konto haben, das auch kostenlos bleiben wird – aber das ist eher eine Nische).

Auffällig: Die Deutsche Bank (und zwar die blaue wie die gelbe) ist bei  Gebührenthema jetzt schon seit Monaten relativ aggressiv unterwegs.

  • Vor einem Jahr wurde zum 1. Oktober vollzogene Preiserhöhung beim Postbank-Girokonto angekündigt (siehe unsere Analyse von damals)
  • Ebenfalls per Oktober stiegen die Preise für die „Business Kontomodelle“ (siehe hier)
  • Zum 1. November wurden die Devisengebühren erhöht (siehe hier)
  • Und gerade einmal sechs Wochen alt ist die Meldung, dass Deutsche Bank wie auch die Postbank bei neuen Kontoeröffnungen erstmals Negativzinsen erheben, jedenfalls bei Guthaben ab 100.000 Euro (siehe hier).

Dass für die Privatkundensparte unter ihrem (jetzt auch nicht mehr ganz) neuen Chef Manfred Knof den jahrelangen Ertragsschwund über höhere Gebühren stoppen will – diese Erkenntnis liegt also auf der Hand. Die Frage ist: Klappt’s auch?

  • Anfang Dezember musste die Deutsche bei ihrem „Deep Dive“ mit großen Investoren zugeben, im Privatkunden-Geschäft nur noch mit einer Stagnation der Erträge bis 2022 zu rechnen; zuvor war ein Wachstum von statt 2% p.a. das Ziel gewesen
  • Auch die im Februar verkündeten 2019er-Zahlen stimmten wenig optimistisch (okay, auch teils infolge von Einmaleffekten): Die Privatkundenbank machte Verlust, die Erträge sanken mit 5%, rascher als die Kosten mit -4% (Analyse hier).

Alles nutzlos also?

Nicht unbedingt. Zuletzt schien es nämlich in der Privatkundensparte endlich wieder voranzugehen: Im Q1 lag der Vorsteuergewinn trotz Corona-März bei 132 Mio. Euro. Dabei stimmte vor allem die Ertragsentwicklung: Zum Vorquartal zogen die Erträge in der deutschen Privatkundenbank um 10% an, der Provisionsüberschuss der gesamten Privatkundensparte (er wird quartalsweise nicht einzeln für Deutschland ausgewiesen) sogar um 15%. Genau in diesem Bilanzposten dürften nun – alle anderen Variablen gleich – auch die erneuten Preiserhöhungen sichtbar werden, wenngleich auch logischerweise erst ab dem vierten Quartal, wenn die Erhöhungen zum 1. Oktober greifen.

Und noch eine Auffälligkeit gibt es: Die Privatbanken pirschen sich offenbar an das Niveau der „Premium“-Kunden der Neobanken heran. Mit einem Preis von 13,90 Euro pro Monat ist die Deutsche Bank für ihr umfassendstes Kontomodell (dem „Best Konto“) nicht mehr allzu weit von „N26 Metal“ (16,90 Euro), „Tomorrow Zero“ (15 Euro), „Bunq Super Green“ (16,99 Euro) entfernt. Die HVB bepreist ihr „ExklusivKonto“ schon eine Weile mit 14,90 Euro, hat nun aber noch eine weitere Linie darüber eingezogen. Die Commerzbank verlangt für ihr „Premium Konto“ momentan mit 12,90 Euro, hat aber schon angekündigt, über höhere Gebühren für Kontomodelle die Erträge steigern zu wollen. Heißt: Die großen Banken glauben den Kunden inzwischen mehr zumuten zu können, als das noch vor zwei, drei Jahren der Fall war (siehe hierzu auch die Gedanken von Frau Popova in unserer „Fintech-Frauen“-Serie).

Hier noch die Übersicht der künftigen Palette an kostenpflichtigen Girokontomodellen in der neuen Preisstruktur der Marken Deutsche Bank und Postbank ab 1. Oktober. Die Tabelle zeigt auch das Bemühen der Deutschen Bank, ihre vergleichbaren Modelle preislich oberhalb der Postbank zu positionieren.

Preis/Monat
Postbank Giro Direkt 1,90 €
Postbank Giro Plus 4,90 €
Postbank Giro Basis 5,90 €
DB Aktiv Konto 6,90 €
Postbank Giro extra + 10,90 €
DB Plus Konto 11,90 €
DB Best Konto 13,90 €

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