Deutsche Bank ernennt anderthalb neue Aufsichtsratschefs

21. November 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Bei der Besetzung ihres Kontrollgremiums hat die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren nicht immer ein glückliches Händchen gehabt. Der mittlerweile verstorbene Jürgen Zeltner wurde dermaßen übereilt installiert, dass er sich auf Druck der Bafin gleich wieder zurückzog. Alexander Schütz wiederum legte sein Mandat nieder, nachdem sonderbare E-Mails an den einstigen Wirecard-Chef Markus Braun öffentlich geworden waren. Und die 3-„W“-Spekulationen (Weimer, Witter, Winkeljohann) um die Achleitner-Nachfolge zogen sich dermaßen in die Länge, dass sogar die Bafin irgendwann ungeduldig wurde …

… Gemessen an dieser Vorgeschichte, muss man sagen, hat die Deutsche Bank die Frage, wer ihr neuer Chefaufseher wird, dann doch noch einigermaßen standesgemäß geregelt. Wie der Aufsichtsrat am Wochenende beschloss, soll der Niederländer Alexander Wynaendts (am „W“ ist’s bei den anderen also nicht gescheitert …) die Nachfolge Paul Achleitners antreten. Das Plazet der Hauptversammlung darf als Formalie gelten, die Zustimmung der Bafin wurde diesmal hoffentlich informell eingeholt …

… Wynaendts entstammt der Bankenbranche, arbeitete gut ein Jahrzehnt für die ABN Amro, bevor er 1997 zum Großversicherer Aegon wechselte, wo er 2008 zum Vorstandschef aufstieg und dies insgesamt zwölf Jahr blieb (ein Analyst verwies am Wochenende darauf, dass die Aegon-Aktie während Wynaendts Amtszeit rund 80% an Wert verloren habe; das freilich lag auch daran, dass der heute 61-Jährige kurz vor dem 2008er-Crash einstieg und kurz nach dem Corona-Crash ausschied …). Zurzeit sitzt Wynaendts unter anderem im Verwaltungsrat der Citigroup – diese Position soll er zugunsten der Deutschen Bank aufgeben …

… Und die zweite blaue Spitzenpersonalie vom Wochenende: Zusätzlich zum neuen AR-Vorsitzenden Wynaendts installiert die Deutsche Bank einen der „3 Ws“, nämlich den früheren PwC-Deutschland-Chef Norbert Winkeljohann, als stellvertretenden Aufsichtsratschef (womit das Institut künftig zwei Vize-AR-Chefs hat, den anderen stellt traditionell die Arbeitnehmerseite). Deuten lässt sich der Schritt möglicherweise so, dass die Deutsche Bank dem hierzulande weitgehend unbekannten Wynaendts einen Repräsentanten der „Deutschland AG“ an die Seite stellen will …

… Und schließlich auch noch die dritte Top-Personalie: Nachdem die Bestellung Wynaendts und Winkeljohanns bereits am Freitagabend vermeldet worden war, gab die Deutsche Bank am Sonntagnachmittag bekannt, einen Nachfolger für den scheidenden Risikovorstand Stuart Lewis gefunden zu haben – und zwar einen gewissen Olivier Wigneron Vigneron. Dessen Kurz-Vita finden Sie hier: Finanz-Szene.de

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