Exklusiv

Deutsche Bank und Postbank führen Negativzinsen ein

29. April 2020

Von Christian Kirchner

Die Deutsche Bank führt nach Finanz-Szene.de-Informationen in ihrem Privatkundengeschäft ab Mitte Mai Negativzinsen auf neue Giro- und Tagesgeldkonten ein. Dabei gilt ein Freibetrag von 100.000 Euro, Beträge darüber hinaus werden mit dem Einlagenzins der EZB belastet – also aktuell -0,5% pro Jahr. Die neuen Regeln gelten nicht nur für die Deutsche Bank selber, sondern auch für die Marke Postbank, wie aus einem Mitarbeiterbrief hervorgeht, den Privatkundenchef Manfred Knof heute an die Belegschaft geschickt hat und der Finanz-Szene.de vorliegt. Bereits bestehende Kontoverträge sind von den Minuszinsen nicht betroffen.

„Der anhaltende Druck durch Negativzinsen macht es notwendig, dass die Deutsche Bank bei Neuverträgen für hohe Einlagen jenseits eines Freibetrags von 100.000 Euro je Konto ab 18. Mai 2020 Verwahrentgelte berechnen wird“, schreibt Knof. Weiter heißt es: „Wir sehen unsere Aufgabe als Bank nicht in erster Linie darin, Negativzinsen an unsere Kunden weiter zu reichen. Unsere Aufgabe ist es, den Kunden Wege zu zeigen, auf denen sie trotz Negativzinsen ihr Geld noch rentierlich anlegen können.“

Der Schritt überrascht insofern, als dass die Bank sich – anders als andere Institute – nicht mit einer Einlagenflut seiner Kunden auseinandersetzen muss und sogar noch im vergangenen Frühjahr eigens mit einer „Zugreif-Zins“-Kampagne (siehe hier) auf der Suche nach Einlagen war. Damals waren neuen Einlagen temporär mit 0,75% verzinst worden. Laut dem heute Morgen vorgelegten Q1-Bericht sanken die Kundeneinlagen im Privatkundengeschäft zum Vorjahresquartal um 1% auf 286 Mrd. Euro. Konzernweit gingen sie um 1%, in der „Kernbank“ aus Privatkundengeschäft, Investmentbanking und Firmenkundengeschäft gar um 2% auf 566 Mrd. Euro zurück.

Hinter der Maßnahme dürften drei Motive stecken:

  • Erstens privilegiert die Einführung zunächst die rund 19 Mio. Privatkunden samt bestehender Konten, die die Bank nach eigenen Angaben hat – allerdings ist nicht garantiert, dass die Regelung auf Dauer nur für Neukunden und neue Produkte gilt.
  • Zweitens leisten die Entgelte einen Beitrag zum unter Druck stehenden Zinsgeschäft. Denn mit Groß- und Firmenkunden sowie sehr vermögenden Privatkunden führt die Bank bereits seit dem vierten Quartal Gespräche über individuelle „Kompensationmodelle“ und „Anlagealternativen“, wie Knof es in seinem Brief nennt.  Obwohl die Bank ihr ausstehendes Kreditvolumen (nach Risikovorsorge) im ersten Quartal um 11% gegenüber dem Vorjahresquartal ausgeweitet hat, sank das Zinsergebnis im Q1 um 3%, inklusive der Risikovorsorge gar um 15%. Im Privatkundengeschäft ist das Bild ähnlich: Einem Plus beim Kreditvolumen (nach Risikovorsorge) von 3% steht ein Rückgang des Zinsergebnisses von 4% zum Vorjahresquartal gegenüber.
  • Drittens sind die Negativzinsen auch ein guter Anlass, mit Kunden über provisionsträchtige Anlagealternativen ins Gespräch zu kommen. Das scheint indes im Q1 herausragend gut funktioniert zu haben, denn im Privatkundengeschäft legte das Provisionsergebnis um 14% (!) zum Vorjahresquartal und um 15% zum Vorquartal zu.

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