Exklusiv

Deutsche Bank verteuert Geschäftskonten um bis zu 30%

31. Januar 2022

Von Christian Kirchner

In ihrem Bemühen, auch in der “Corporate Bank” die Ertragsziele zu erreichen, hebt die Deutsche Bank die Preise für Geschäftskonto-Kunden deutlich an. So verteuert sich laut Finanz-Szene-Informationen das bislang günstigste Kontomodell “Business BasicKonto” ab 1. April von 9,90 auf 12,90 Euro – ein Anstieg um 30%. Das mittlere Kontomodell “Business Classic” kostet künftig 19,90 Euro statt 15,90 Euro pro Monat, das “Business Premium”-Konto 34,90 Euro statt bisher 29,90 Euro. Angehoben werden zudem die Preise für eingehende und ausgehende beleglose SEPA-Buchungen in zwei der drei Kontomodelle (um 14% bzw. gar 50%) sowie für weitere Dienstleistungen rund um Lastschriften.

Die Deutsche Bank bestätigte die Maßnahmen, über die aktuell die Kundinnen und Kunden informiert werden und begründete sie mit einem “veränderten Marktumfeld. Mit ihren Kontopreisen liegt die Deutsche Bank auch nach der Preiserhöhung auf dem Preisniveau anderer größerer Filialbanken“, so ein Sprecher. Die Preisveränderung gelten laut einem Finanz-Szene vorliegenden Kundenanschreiben, falls Kundinnen und Kunden nicht bis 31. März widersprechen. Diese Nutzung der Zustimmungsfiktion ist für Banken bei Geschäftskunden möglich, weil sich das BGH-Urteil, laut dem Schweigen keine Zustimmung ist, lediglich auf Privatkunden bezieht.

Hintergrund der Maßnahmen dürfte sein, dass die “Corporate Bank”-Sparte erheblich an Ertragskraft zulegen muss, will sie das 2019 für dieses Jahr ausgegebene Ziel von 2 Mrd. Euro Vorsteuergewinn erzielen – und damit den vorgesehenen Beitrag zur angepeilten 8% Eigenkapitalrendite leisten. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatten die Erträge in der Sparte stagniert. Der Vorsteuergewinn summierte sich lediglich auf rund 1 Mrd. Euro an, obwohl es praktisch keinerlei Risikovorsorge gab (sondern sogar 3 Mio. Euro Auflösung) und nur überschaubare Restrukturierung- und Transformationskosten im zweistelligen Millionenbereich anfielen.

Inzwischen sind 81% der Geschäftskonto-Guthaben bepreist

Ein erklärter der Weg der Bank laut diversen Präsentationen ist auch, weitere Verwahrentgelte bei Privat- wie bei Geschäftskunden durchzusetzen. Das führt nun zu mitunter erstaunlichen Maßnahmen gerade im Geschäftskundenbereich: “Für das Sichteinlagenkonto der [xxxxxxx] GmbH wird es aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes künftig leider keinen Freibetrag mehr geben”, heißt es in einem weiteren Kundenschreiben aus der vergangenen Woche, das Finanz-Szene ebenfalls vorliegt. Man bitte daher darum, eine entsprechende “Vereinbarung” zum Startdatum 1. März zu unterzeichnen. Im Klartext: Ab dem ersten Euro Guthaben verlangt die Bank also nunmehr vom Geschäftskonto des Kunden 0,5% Verwahrentgelt. 

Die Deutsche Bank erklärte auf Nachfrage, dass man bereits seit längerem auf Geschäftskunden zugehe, um individuelle Vereinbarungen zu treffen. Für nicht juristische Personen gelte weiter ein Freibetrag von 25.000 Euro. Mit Geschäftskunden mit Einlagen sei man hingegen “seit Mitte 2021 im Dialog, um passende Anlagealternativen zu empfehlen und individuelle Vereinbarungen zu treffen.”

Laut den am vergangenen Donnerstag vorgestellten Zahlen sind bereits Geschäftskundeneinlagen in Höhe von 101 Mrd. Euro mit Verwahrentgelten belegt, ein Plus von 29% zum Vorjahresquartal. Bei Guthaben von zuletzt 125 Mrd. Euro ergibt sich bereits jetzt eine rechnerische Ausschöpfung von 81%. Mit den Minuszinsen hatte die “Corporate Bank” im vierten Quartal 109 Mio. Euro an Erträgen generiert.

Angst, mit den höheren Belastungen lukrative Kundenverbindungen zu verlieren, hat die Deutsche Bank offenbar wenig. Braucht sie vielleicht auch nicht: Im Herbst 2020 hatte die DKB ihr zuvor kostenloses Geschäftskunden-Konto von hier auf jetzt mit 15 Euro pro Monat bepreist (siehe hier). Die allermeisten Kunden hielten der Direktbank dennoch die Treue -> siehe: Pricing-Coup der DKB: 15€ statt 0€ – aber Kunden bleiben treu.

 

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