Deutsche Banken erleben Kredit-Boom im Firmenkunden-Geschäft

28. April 2020

Von Christian Kirchner

Deutschlands Banken haben im ersten Quartal den stärksten Nachfrageanstieg nach Unternehmenskrediten seit mindestens 2011 erlebt. Zugleich rechnen sie aber auch mit einem Rückgang der Nachfrage nach privaten Baufinanzierungen. Das geht aus dem gestern veröffentlichten „Bank Lending Survey“ von Europäischer Zentralbank und Bundesbank hervor.

Im Zuge der vierteljährlichen Befragung kletterte der sogenannte Nettosaldo jener Banken, die von einer stärkeren Nachfrage nach Unternehmenskrediten berichten, auf einen Wert von 40. Das ist das stärkste Ergebnis, seit die Daten überhaupt erhoben werden (nämlich seit neuen Jahren). Den Nachfrageanstieg beobachten Banken dabei über alle Unternehmensgrößen und Kreditlaufzeiten hinweg. Noch drastischer fallen die Erwartungen für das zweite Quartal aus. Hierbei erreicht der Nettosaldo der Banken, die mit einem Anstieg rechnen, einen Wert von 60. Auch das hat es noch nie gegeben. In den letzten Jahren war der Wert nie höher als auf 19 gekommen.

Die Zahlen sind ein starker Beleg dafür, dass die Corona-Pandemie den Banken im ersten Quartal einen massiven Schub im Kreditgeschäft beschert haben dürfte – und sich dieser sogar noch verstärken wird. In der Befragung wurde dabei nicht zwischen klassischen Krediten und Hilfskrediten unterschieden, die ebenfalls über die Hausbanken der Unternehmen beantragt und ausgereicht werden. Allerdings erscheint unwahrscheinlich, dass der Nachfrageboom allein aus den Hilfskredite kommt. Stattdessen mehren sich die Anzeigen für ein generell starkes Neugeschäft mit Firmenkunden. Erst am Montag hatte die Deutsche Bank von einem überraschenden Quartalsgewinn berichtet. Auch hier dürfte das Kreditgeschäft den Ausschlag gegeben haben (sowohl volumen- als auch margenmäßig).

Die Bundesbank-Befragung illustriert gleichwohl auch den Interessenskonflikt, in dem die Banken aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Lage gefangen sind: Einerseits ist die Kreditnachfrage extrem hoch. Andererseits verschärfen die befragten Banken laut „Bank Lending Survey“ bei Unternehmenskunden ihre Kreditrichtlinien – und zwar besonders bei der Kreditvergabe an große Unternehmen. Für die kommenden drei Monate planen die Banken eine weitere Straffung.

Auffällig an der vierteljährlichen Kreditbefragung ist: Die „Sonderkonjunktur“ in der Kreditnachfrage beschränkt sich auf den Unternehmensbereich. Bei privaten Haushalten berichten zwar auch mehr Banken über höhere Kreditnachfrage als im Vorquartal – der Anstieg ist aber im langfristigen Vergleich eher unauffällig (Nettosaldo: 24) und fiel in zahlreichen Quartalen der Vorjahre schon höher aus – etwa im Q2/2019 oder gleich in drei Quartalen im Jahr 2015.

Einen regelrechten Kollaps der Nachfrage erwarten Banken derweil mit Blick auf die kommenden drei Monate in der privaten Baufinanzierung. Hier beträgt der Nettosaldo-Wert minus 59 – es ist überhaupt erst der dritte negative Wert seit Anfang 2011. In 35 der 37 Quartale seit Anfang 2011 (Ausreißer: Q2/2014 mit minus 7 und Q1/2016 mit minus 3) hatten Banken mehrheitlich einen Anstieg der Kreditnachfrage für private Baufinanzierungen erwartet.

Zieht man beide Effekte zusammen, dürften vor allem Banken mit einem starken Standbein im Unternehmenskreditgeschäft von der Sonderkonjunktur 2020 profitieren (soweit sich dies im Rahmen der Pandemie überhaupt sagen lässt). Die Deutsche-Bank-Vorabzahlen stützen auch diese Sicht. Schwierigkeiten könnten, zumindest was das Neugeschäft angeht, hingegen jene Institute bekommen, die sich stark auf die private Baufinanzierung konzentriert haben.

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