Exklusiv

Deutsche Santander verliert in fünf Jahren jeden dritten Kunden

27. März 2020

Von Christian Kirchner

Die hiesige Tochter der spanischen Großbank Santander, nämlich die in Mönchengladbach ansässige Santander Consumer Bank, verliert weiterhin in einem atemraubenden Tempo Kunden. Waren es Ende 2018 noch 4,7 Mio. Kunden, so beginnt der seit wenigen Tagen einsehbare 2019er-Geschäftsbericht mit folgendem Satz:  „Die Santander Consumer Bank AG (…) gehört mit rund 4,3 Mio. Kunden im Privatkundengeschäft zu den nach Kundenanzahl fünf größten privaten Banken in Deutschland.“

Puh! 400.000 Kunden weg, binnen eines Jahres.

Richtig bitter wird’s aber, wenn man die aktuellen Zahlen mit den vor fünf Jahren vergleicht. In diesem Zeitraum hat die deutsche Santander nämlich sogar jeden dritten Kunden verloren.

2014 2019 Veränderung
Zahl der Konten * 7.491.000 5.384.000 – 28%
Kunden in Mio. 6,3 4,3 – 32 %
Erträge in Mio. 2.547 1.838 – 28%
Filialen 329 210 – 36%

* Konten = Kredit-, Einlagen- und Girokonten.  

Wobei man dem Institut, das stark im Konsumentenkreditgeschäft ist, eines lassen muss: Das „Downsizing“ mag merkwürdig aussehen und in starkem Kontrast zum „Neukunden-Fetisch“ anderer deutscher Institute stehen. Bilanziell erfüllt es aber offenbar seinen Zweck, denn der Bank gelingt es Jahr für Jahr, ihre für eine Filialbank exzellente Cost-Income-Ratio irgendwo in der Hausnummer zwischen 59% und 63% (2019: 63%) zu verteidigen.

Dasselbe gilt für das, was unter dem Strich herauskommt, also den Gewinn. Denn: Das Ergebnis vor Steuern lag im Berichtsjahr bei 454 Mio. Euro – annähernd auf Höhe mit dem Vorjahr (463 Mio. Euro), und das, obwohl der Provisions-Überschuss wie schon im Vorjahr „sehr deutlich unter den Erwartungen“ lag. Herausgerissen haben das Ergebnis vor allem die niedriger als erwartet ausgefallenen Zinsaufwendungen. Wobei interessant ist: Genau wie viele andere Banken hierzulande, dreht auch die  Santander in der Baufinanzierung ein immer größeres Rad: Vergangenes Jahr legte das Neugeschäft um 25% zu.

Und was sagt der Ausblick auf 2020?

  • Niedrigerer Zinsüberschuss
  • Höhere Risikokosten
  • Höherer Provisions-Überschuss
  • Sinkender Verwaltungsaufwand

Oder anders gesagt: „Zusammenfassend prognostiziert die Bank daher für das Geschäftsjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr keine wesentlichen Veränderungen des Jahresergebnisses.“

Damit das alles aber so klappt, macht die Bank was?

Genau: Schrumpfen.

3.194 Mitarbeiter beschäftigte die deutsche Santander zuletzt. Noch. „Um den langfristigen Erfolg der Bank zu sichern, hat der Vorstand bereits Ende 2019 entschieden, die Unternehmenszentrale organisatorisch zu verschlanken und als agilere Einheit aufzusetzen. So soll der Personalbestand in der Santander Consumer Bank bis Ende 2020 auf rund 2.500 Mitarbeiter reduziert werden. Erreicht werden soll dies durch normale Fluktuation und freiwillige Maßnahmen“, heißt es im Bericht.

Das muss man auch erstmal schaffen: Nicht nur in fünf Jahren ein Drittel der Kunden loszuwerden – sondern in einem Jahr mehr als 20% der Beschäftigten.

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