Deutschen Bank: Hier sind die Zahlen und eine Blitzanalyse

30. Januar 2020

Von Christian Kirchner

Die Deutsche Bank hat im Gesamtjahr 2019 einen Verlust nach Steuern von 5,3 Mrd. Euro erwirtschaftet.  Damit ist das Minus nochmals rund 0,4 Mrd. Euro höher ausgefallen, als von Analysten erwartet worden war. Berücksichtigt man zusätzlich die Belastungen aus den Zahlungen für Nachranganleihen, beträgt das Jahresminus gar 5,7 Mrd. Euro.

Zwar sind die tiefroten Zahlen vor allem auf die Restrukturierungs-Aufwendungen zurückzuführen. Das zeigt sich daran, dass die sogenannte „Kernbank“ aus Privatkundengeschäft, Unternehmensbank, Investmentbank und Asset Management ohne diese Aufwendungen einen Jahresgewinn von gut einer halben Mrd. Euro erwirtschaftet hat. 70 Prozent der Restrukturierungskosten für ihren Umbau hat die Bank nun nach eigenen Angaben bereits verbucht. Zugleich bleibt das Zahlenwerk aber harte Belege schuldig, dass die Bank (wie geplant) die Kosten in den kommenden Jahren drastisch senken kann, ohne zugleich auch bei den Erträgen zu verlieren.

Auffällig: Beim ausgewiesenen Gewinn vor Steuern blieb die Bank im vierten Quartal – also dem neuen Teil des Zahlenwerks – in gleich drei Segmenten hinter den Erwartungen der Analysten zurück, nämlich in der Privatkundenbank, in der Unternehmensbank und im Investmentbanking. Alle drei Einheiten erwirtschafteten in Q4 einen Verlust vor Steuern. Analysten hatten nur im Investmentbanking mit einem Minus gerechnet. Über den Erwartungen lag lediglich das Asset Management mit der Tochter DWS. Hier betrug der Gewinn vor Steuern in Q4 genau 177 Mio. Euro. Erwartet worden waren 149 Mio. Euro.

Wie sich schon im Zuge des „Investor Days“ im Dezember abgezeichnet hatte, gibt es Schwierigkeiten in der Privatkundensparte, und zwar sowohl bei den Kosten als auch den Erträgen. Dort wies die Bank (die zuletzt eingestehen musste, in diesem Segment mit keinerlei Ertragswachstum in den kommenden Jahren zu rechnen) im vierten Quartal Erträge von 1,986 Mrd. Euro aus – gut 3% weniger als erwartet, gut 5% weniger als im Vorjahresquartal. Da auch die Kosten hier über den Erwartungen lagen, fiel in der Sparte statt einem von Analysten erwarteten Mini-Gewinn vor Steuern inklusive Umbaukosten ein Verlust von knapp 300 Mio. Euro an. Besonders heftig sind die Ertragsverluste in Deutschland: hier erwirtschaftete die Privatkundensparte 7% weniger als noch im Schlussquartal 2018, auch im Gesamtjahr sanken die Erträge 6% gegenüber 2018.

Positive Nachrichten gab es bei der Kapitalisierung: Die Kernkapitalquote liegt mit 13,6% über den Erwartungen von 13,2%, die Verschuldungsquote (Leverage Ratio) fiel ebenfalls etwas besser aus als erwartet.

Hier ein detaillierter Blick auf die Q4-Zahlen – also den eigentlichen neuen Informationen des Tages – im Vergleich zu den Erwartungen der Analysten:

in Mio. Euro Q4 2019 Analysten-Erwartung Q4 Differenz
Bank
Erträge 5.349 5.291 58
Kosten 5.709 5.533 176
Gewinn vor Steuern -1.300 -457 -843
Nettogewinn -1.602 -1.037 -565
Cost-Income-Ratio in % 119,6 103,7 15,9
CET1 Ratio (%) 13,6 13,2 0,4
Leverage Ratio 4,2 3,9 0,3
Privatkunden
Erträge 1.986 2.054 -68
Kosten 1958 1.905 53
Gewinn vor Steuern -283 57 -340
Investmentbanking
Erträge 1.520 1.474 46
Kosten 1.553 1.432 121
Gewinn vor Steuern -71 -3 -68
Asset Management
Erträge 671 603 68
Kosten 438 418 20
Gewinn vor Steuern 177 149 28
Corporate Bank
Erträge 1.291 1.323 -32
Kosten 1.294 1.004 290
Gewinn vor Steuern -107 248 -355

Die Deutsche-Bank-Aktie gehört seit Jahresbeginn zu den stärksten Aktien im Dax. Gegenüber dem Jahresschluss 2019 ging es bis gestern gut 15% nach oben, stärker legte lediglich die Aktie von Wirecard zu. Nach anfänglichen Verlusten notierte die Aktie gegen 10 Uhr weitgehend unverändert zum Vortag bei 7,97 Euro.

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