Exklusiv

Die DWS hat ihre Wirecard-Positionen per 30. April halbiert

14. Mai 2020

Von Christian Kirchner

Ein Mosaiksteinchen fehlt noch in der Causa DWS/Union und Wirecard: Wie genau sind die beiden Asset Manager mit dem Erscheinen des KPMG-Prüfberichts am 28. April umgegangen? Bislang wusste man nur, dass beide taggleich an jenem 28. April unter die Meldeschwellen von 5% (DWS) und 3% (Union) gerutscht waren.

Die gestern veröffentlichen monatlichen (und verpflichtenden) Fonds-Reportings zum Monatsende erlauben nun einen detaillierten Einblick zumindest in die Dispositionen der DWS: Demnach haben die Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter ihre Wirecard-Positionen per 30. April in den wichtigsten Deutschland-Fonds mehr als halbiert. Im 3,6 Mrd. Euro schweren DWS Deutschland-Fonds von Tim Albrecht sank die Gewichtung besonders stark von noch 10,9% Ende März auf noch 4,8% am 30. April. Auch beim DWS ESG Investa blieb nur noch die Hälfte der Position übrig. Auffällig: Der April-Performance des DWS Deutschlands ist die Wirecard-Gewichtung nicht anzusehen. Einem Plus von 13,3% des Fonds stand ein Plus von 10,1% im Vergleichsindex gegenüber, jeweils schlechter sieht es indes über 1, 3 und 5 Jahre aus.

Hier die Übersicht über die Gewichtung von Wirecard und die Entwicklung (bitte zum Lesen das Smartphone querhalten und ein bisschen nach rechts wischen):

Manager akt. Volumen Mär 19 31.10.19 31.03.20 30.04.20
DWS Deutschland Albrecht 3,6 Mrd. € 1,1% 9,2% 10,9% 4,8%
DWS Aktienstrat. Deutschland Pack 3,1 Mrd. € 1,1% 3,8% 6,4% 3,5%
DWS ESG Investa Ohme 2,7 Mrd. € 1,4% 7,2% 9,1% 4,5%
DWS Invest German Equities Albrecht 0,2 Mrd. € 2,0% 9,0% 10,6% 4,7%
DWS German Equities Typ 0 Wendelken 0,3 Mrd. € 1,4% 2,9% 4,3%  – *

Quelle: Fonds-Factsheets, * nicht mehr in den 10 größten Positionen

Aus den Fondsvolumina und den Gewichtungen lässt sich ableiten, dass die DWS per 30. April mit den Deutschland-Fonds immer noch rund 4,6 Mio. Wirecard-Aktien hielt. Das entsprach knapp 4% und ist ein starkes Indiz, dass die Wirecard-Faszination eine Spezialität der Deutschland-Fonds innerhalb der DWS war. Denn diese knapp 4% machen den allergrößten Teil der Stimmrechtsmitteilung von 4,47% aus, die die DWS per 28. April 2020 abgeben musste.

Was sich nicht exakt ableiten lässt, das ist die Frage, wann genau die Fonds die Gewichtungen reduziert haben und ob zwischenzeitlich Absicherungsgeschäfte getätigt wurden. Die DWS äußert sich nicht zu Einzelwerten. Laut Stimmrechtsmitteilung ist allerdings eine Reduktion nach Erscheinen des KPMG-Prüfberichts die plausibelste Variante – denn unter die Marke von 5% auf dann 4,47% sank die DWS, wie gesagt, erst am 28. April.

Wie die Union genau zum 30. April agiert hat, ist den Reportings der Union-Fonds nicht zu entnehmen, da nur die zehn größten Werte veröffentlichungspflichtig sind. Dazu gehörte Wirecard den Reportings zufolge nicht mehr.

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