Kurz gebloggt

Die DZ Bank kann alles. Aber kann sie auch Bank?

27. Februar 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Das sind uns zwei Früchtchen, die Herren Riese und Fröhlich (also die beiden DZ-Bank-Chefs). Streuten 1.) schon vor Wochen die Erwartung, unter ihrer Ägide habe nicht nur der DZ-Bank-Konzern (mit R+V, Union Investment, Schwäbisch-Hall und Pipapo) wieder an Fahrt gewonnen, sondern auch die eigentliche DZ Bank AG. Kündigten 2.) vollmundig an, dass es in der Finanzberichterstattung künftig einen „separaten Ausweis“ zur eigentlichen Bank geben werde. Und lieferten gestern bei der gestrigen Vorstellung des vorläufigen 2019er-Konzernergebnisses dann doch nur ein paar seeeeeehr dünne Kennziffern zum Kerngeschäft.

Mit anderen Worten: Nix Genaues weiß man nicht. Bis dann Ende März hoffentlich der Geschäftsbericht (inklusive separater Angaben zur Bank-GuV) kommen wird. Und bis dahin? Begnügen wir uns mit den Zahlen, die die besagten Herren Fröhlich und Riese gestern immerhin schon mal verkündet haben:

  • Konzern: 2,7 (!) Mrd. Euro Vorsteuergewinn. Das ist nicht nur eine Beinahe-Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr (1,4 Mrd. Euro) – sondern es ist mehr als gewaltig. Gleichwohl: Das Ergebnis kam in erster Linie aus Nicht-Bankgeschäft. Und wurde durch Sondereffekte und gute Rahmenbedingungen begünstigt.
  • R+V: Der Versicherer steuerte allein 1,12 Mrd. Euro zum Gewinn bei – nach 413 Mio. Euro im Vorjahr. Das Plus kam in erster Linie aus dem Kapitalanlage-Ergebnis
  • Union Investment: Hatte ein Hammerjahr und steigerte den schon satten Vorjahresgewinn (502) auf 648 Mio. Wie das ging? Hatten wir Ihnen letzte Woche erklärt (Union Investment: 0% Frauen, 2% Gebühren, 100% Vertrieb)
  • Schwäbisch Hall: Wie seit Jahren bei praktisch allen Bausparkassen bröckelt auch bei der genossenschaftlichen das Ergebnis: nur noch 189 Mio. Euro nach 295 Mio Euro im Vorjahr. Begründung: „Infolge des anhaltenden Niedrigzinsniveaus waren umfangreiche Rückstellungen für Zinsbonifikationen zu bilden, die das Ergebnis belasteten.“
  • Teambank: Der Ratenkredit-Spezialist bleibt ein solider Ergebnis-Beisteuerer, nach 149 Mio. Euro im Jahr zuvor diesmal 152 Mio. Euro.
  • DZ Hyp: Der Hypothekenfinanzierer kam auf 687 Mio. Euro (Vorjahr: 232 Mio. Euro), darf sich darauf aber nicht so wahnsinnig viel einbilden. Denn der Sprung kam wesentlich aus „Bewertungseffekten im Staatsanleihen-Bestand“ (es wurde also wieder hochgeschrieben, was in früheren Jahren runtergeschrieben worden war).
  • DZ Privatbank. Eine der Problemtöchter. Machte 2019 endlich mal wieder einen aufgeräumten Eindruck. 36 Mio. Plus statt 151 Mio. Minus. Mal sehen, wie’s wird, wenn die Märkte kippen.
  • VR Smart Finanz. Das ist die einstige VR Leasing. Und also auch ein langjähriger Problemfalll. Diesmal: minus 10 Mio. Euro. War alles schon mal schlimmer.
  • DVB Bank: Man dachte irgendwie, das Schlimmste sei vorüber. Doch das war offenbar falsch gedacht. Erneut 108 Mio. Euro Minus. Begründung: Restrukturierung.
  • Verbund- und Geschäftsbank (also die eigentliche DZ Bank): Kam auf ein Ergebnis vor Steuern von 293 Mio. Euro – was nach 362 Mio. Euro im Vorjahr erst mal nicht nach der ganz großen Belebung klingt. Allerdings: Nachdem im Vorjahr Risikovorsorge aufgelöst worden war, musste diesmal welche gebildet werden. Quantifiziert wurde das Ganze gestern nicht. Positiv: Der Zinsüberschuss sei gestiegen hieß es. Um wie viel, wurde aber nicht verraten, und auch bei anderen Fragen (Zinsmarge?, Provisionsergebnis?) gab sich die Bank zugeknöpft.
  • Holdingfunktion (also eigentlich auch die eigentliche DZ Bank): Damit niemals wieder jemand behaupten kann (und schon gar nicht wir), die eigentliche DZ Bank würde keinen Gewinn machen, wird jetzt schön brav separat ausgewiesen, was die Funktion der DZ Bank als Holding für all ihre Töchter denn (angeblich) an Geld verschlingt. In 2019 waren es: 258 Mio. Euro.

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