Aus der Szene

Die fiktive Pressemitteilung zur Bilanz-PK der Sparda-Banken

Am heutigen Mittwoch findet um 10 Uhr die Bilanz-PK des Verbands der Sparda-Banken statt. Nur in Präsenz. Und ohne uns. Denn erst wurden wir nicht eingeladen. Und auf Nachfrage hieß es dann, die “Teilnahmekapazitäten” seien “bereits erschöpft”. Nun mag sein, dass der Verband neuerdings an den Stühlen spart. Plausibler erscheint allerdings die Annahme, dass man uns aufgrund zuletzt eher unbotmäßiger Berichterstattung (siehe etwa unsere Dossiers zur TEO-App und zu den Sparda-Banken allgemein) ganz einfach nicht dabeihaben wollte.

Wie auch immer – der Umgang schreit jedenfalls nach einer Retourkutsche. Darum haben wir uns die Informationen, um die es bei der heutigen Bilanz-PK mutmaßlich gehen dürfte, auf Basis der Geschäftsberichte sämtlicher Sparda-Banken einfach mal selbst recherchiert. Und dann haben wir die realen Zahlen zu einer fiktiven Bilanz-PK-Mitteilung verwurstet. Als unseren kleinen Beitrag zur Professionalisierung Ihrer Pressearbeit, lieber Herr Sparda-Verbandschef Rentsch.

Bitte sehr:

Sparda-Banken trotzen schwierigen Rahmenbedingungen

Die Sparda-Banken haben den schwierigen Rahmenbedingungen aus Niedrigzins und Regulierungsdruck auch im Geschäftsjahr 2021 trotzen können. Kumuliert erwirtschafteten die elf Institute der Gruppe einen Jahresüberschuss von 55 Mio. Euro, was das vierte signifikant achtstellige Ergebnis in Serie bedeutete. Mit einer Kapitalrendite (Überschuss geteilt durch Bilanzsumme) von 0,07% blieben die Sparda-Banken damit gerade mal 15 Basispunkte hinter dem Vergleichswert zu Beginn der Niedrigzinsphase (0,22% im Geschäftsjahr 2014) zurück.

“Alles in allem blicken wir auf ein zufriedenstellendes Jahr zurück”, sagte der Vorsitzende des Verbands der Sparda-Banken, Florian Rentsch, am Mittwoch vor ausgewählten Vertreterinnen und Vertretern der Presse. “Die vor Jahren schon von meiner Vorgänger Joachim Wuermeling eingeleitete strategische Weiterentwicklung von der ‘Direktbank mit Filialen’ zur ‘Omnikanal-Bank’ trägt unverkennbar Früchte. Wir befinden uns auf einem sehr guten Weg!”



Unabhängigkeit von operativen Erträgen steigt

Besonders eindrücklich gelingt es den Sparda-Banken, die Abhängigkeit vom originären Kredit- und Provisionsgeschäft zu reduzieren. So erzielten die elf Institute der Gruppe im abgelaufenen Geschäftsjahr allein 207 Mio. Euro laufende Erträge vor allem aus Aktien und sonstigen nicht-festverzinlichen Wertpapieren – ein spektakulärer Zuwachs von 54%. Hierbei stachen vor allem die Sparda Hessen, die Sparda West, die Sparda Südwest sowie die Sparda Berlin hervor, die drei Viertel dieser Einnahmen auf sich vereinten. “Trotz des kurzen Rücksetzers in der ersten Jahreshälfte gehen wir davon aus, dass die Aktienmärkte auch im laufenden Geschäftsjahr reüssieren werden. Da Volatilität bekanntlich kein Risiko mehr darstellt, freut sich unsere Gruppe auch in diesem und den kommenden Jahren auf stabile oder sogar wachsende Ergebnisbeiträge aus den laufenden Erträgen”, so Verbandschef Rentsch.

Laufende Erträge der Sparda-Banken 

in Mio. Euro 2020 2021 Delta
Sparda Hessen 28,8 56,2  + 95%
Sparda West 31,7 38,3 + 21%
Sparda Südwest 16,0 28,4 + 77%
Sparda Berlin 7,7 24,7  + 221%
Sparda München 12,4 14,1 + 14%
Sparda Nürnberg 9,3 12,0 + 29%
Sparda Hamburg 9,7 7,1 – 27 %
Sparda Ba-Wü. 1,4 8,1 + 479%
Sparda Augsburg 5,7 7,2 + 26%
Sparda Hannover 9,4 6,3 – 33%
Sparda Ostbayern 2,6 4,8 + 85%
134,7 207,2 + 54%

Quelle: Geschäftsberichte

Nachhaltiger Turnaround beim Bewertungsergebnis

Zu jenen Bilanzpositionen, die sich entgegen allgemeiner Branchenmechanismen ganz hervorragend entwickeln, gehört auch das Bewertungsergebnis. Während dieser Posten aufgrund von Risikokosten in der Vergangenheit oft negativ anfiel, konnten die elf Sparda-Banken diesmal ein Plus von 48 Mio. Euro verbuchen. Ein besonders Beispiel für einen kreativen Umgang mit der früher eher störenden Bilanzposition lieferte die Sparda Baden-Württemberg, der es dank der Umwidmung von stillen Reserven gelang, ein Bewertungsergebnis von 111 Mio. Euro auszuweisen. “Als Verband liegt es uns selbstverständlich fern, einzelnen unserer Mitglieder irgendwelche Ratschläge zu erteilen. Aber dass das Beispiel der Sparda Baden-Würtemberg nachahmenswert ist, dürfte auf der Hand liegen”, kommentierte Rentsch.

Digitale Investitionen statt blinden Cost-Cuttings

Das konsequente Heben von innovativen Ertragspotenzialen ermöglicht es den Sparda-Banken in die Digitalisierung ihres Geschäftsmodells zu investieren, anstatt sich dem vermeintlichen Diktat des Kostendrucks zu unterwerfen. Ausweis dieser auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Geschäftspolitik ist die erneute Steigerung der Verwaltungsaufwendungen auf nunmehr 918 Mio. Euro (Vorjahr: 907 Mio. Euro). Rentsch unterstreicht die Sinnhaftigkeit dieser Ausgaben: “Die Digitalisierung gleich einem Wettbewerb der Ideen. Dadurch, dass die Gruppe der Sparda-Banken mittlerweile gezielt mit verschiedenen Kernbanksystemen arbeitet und unterschiedliche Banking-Apps betreibt, ringen wir auch intern Tag für Tag um die besten Lösungen. Dieser innere Föderalismus wird uns perspektivisch in jedem Fall Wettbewerbsvorteile verschaffen.”

Bereinigung der Mitgliederstrukturen schreitet voran

Unterdessen treiben die Sparda-Banken auch die Bereinigung ihrer Mitgliederstrukturen voran. Nachdem es schon 2020 gelungen war, eine Konzentration um 3% herbeizuführen, erreichte die Gruppe diesmal sogar einen Wert von 4%, wobei sich insbesondere die Sparda Südwest, die Sparda München und die Sparda Baden-Württemberg positiv hervortaten.

2020 2021 Veränderung absolut Veränderung relativ
Sparda Baden-Württemberg 524.738 497.677 -27.061 -5%
Sparda West 577.727 561.703 -16.024 -3%
Sparda München 301.358 286.549 -14.809 -5%
Sparda Südwest 507.778 472.274 -35.504 -7%
Sparda Berlin 446.578 429.910 -16.668 -4%
Sparda Hessen 354.984 361.263 6.279 2%
Sparda Hamburg 221.165 217.293 -3.872 -2%
Sparda Nürnberg 218.317 203.404 -14.913 -7%
Sparda Augsburg 58.783 55.849 -2.934 -5%
Sparda Ostbayern 112.862 111.729 -1.133 -1%
Sparda Hannover 213.804 205.481 -8.323 -4%
3.538.094 3.403.132 -134.962 -4%

100.000 weniger: Sparda-Banken laufen die Mitglieder davon

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