Winterpausen-Rückblick (II)

Die Signale des Herrn Knof. Und was im Banking noch so los war

12. Januar 2021

Von Christian Kirchner

Na, gute Vorsätze schon gebrochen? Mit den Nerven am Ende wegen 18 Stunden Kindergeschrei zu Hause täglich? Prima! Geht uns natürlich genauso – und trotzdem haben wir Ihnen die wichtigsten Nachrichten der Bankenbranche aus unserer Produktionspause seit Weihnachten zusammengefasst.

Es war viel los, vor allem bei der Commerzbank, wo der neue CEO Manfred Knof zum 1. Januar sein Amt antrat. Vergangene Woche meldete das Institut, dass es 1,7 Mrd. Euro – statt wie bisher prognostiziert 1,3 bis 1,5 Mrd. Euro – in die Risikovorsorge des Jahres 2020 bucht, auch um möglichen Risiken des zweiten Shutdowns bereits vorzugreifen. Zudem schreibt sie 1,5 Mrd. Euro an Goodwill ab. Entweder schätzt die Bank die Lage heute kritischer ein als noch vor ein paar Wochen oder der neue Chef forciert ein „Kitchen Sinking“, so nennt sich das, wenn jemand rasch alle schlechten Nachrichten in die Bilanz packt, die er (noch) nicht zu verantworten hat (Mitteilung).

Auf jeden Fall hat Knof die Zuständigkeiten im Vorstand neu zugeschnitten und dies gleich an seinem ersten Arbeitstag per internem Brief verkündet: Er selbst kümmert sich künftig auch um Strategie und Nachhaltigkeit (anstelle von Technologie-Vorstand Jörg Hessenmüller), Sabine Schmittroth führt das Privatkundengeschäft nun dauerhaft (statt nur interimistisch) und Finanzchefin Bettina Orlopp verantwortet zusätzlich Fusionen und Akquisitionen. Fast schon eine Randnotiz: Noch „zwischen den Jahren“ verbuchte die Commerzbank weitere 610 Mio. Euro Aufwendungen für den Abbau von 2.900 Stellen. Am 10. Februar tagt der Aufsichtsrat, es ist zu erwarten, dass die Bank im Anschluss die neue Strategie und weitere Einschnitte verkündet. Knof stimmte die Mitarbeiter jedenfalls schon einmal darauf ein. „Ohne Zweifel wird die Transformation, die wir brauchen, auch mit noch mehr harten Entscheidungen und weiteren Restrukturierungsmaßnahmen verbunden sein“, zitiert das „HB“ aus Knofs Brief. Handelsblatt (Paywall)

Natürlich dürfen sich aber auch die Mitarbeiter anderer Banken Sorgen machen (und ganz, ganz selten sogar Hoffnungen):

  • Die Deutsche Bank kann sich vorstellen, bei Fusionsverhandlungen mit anderen europäischen Banken mit „am Tisch zu sitzen“, wenngleich auch nicht als Juniorpartner, so Vorstandschef Christian Sewing in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“. Als kleiner Service daher hier die (unvollständige) Liste der europäischen Banken, die damit – Stand Anfang Januar – als potenzielle Fusionspartner ausfallen, da sie eine deutlich höhere Marktkapitalisierung aufweisen: BNP, SocGen, UBS, Credit Suisse, Svenska Handelsbanken, Santander, BBVA, Intesa Sanpaolo, Unicredit, ING, HSBC, Lloyds, Nordea, Barclays, SEB… Apropos Selbstbewusstsein: Die Fixed-Income-Trader der Deutschen Bank können sich auf 10% höhere Boni einstellen, wie „Bloomberg“ erfahren hat. Ob’s an dem womöglich überragenden Jahresergebnis liegt?  Handelsblatt/Bloomberg (Paywall). Derweil geht der Tarifstreit um die internen Call-Center weiter Handelsblatt (Paywall)
  • Und ach ja, dann hat die Deutsche Bank für zwei Fälle fragwürdiger Vorgänge aus den Jahren 2008 bis 2016 mal wieder einen Vergleich mit US-Behörden geschlossen, dieses Mal gegen eine Zahlung von mehr als 130 Millionen Dollar. Wie immer fisselig, aber interessant: die Information des US-Justizministeriums vom 8. Januar DOJ  
  • Die Krise der Luftfahrt könnte bald auch auf die Kreditportfolios der Banken durchschlagen: Laut Bloomberg haben deutsche Institute mindestens 15 Mrd. Euro für die Finanzierung von Flugzeugen verliehen, was offenbar auch die Finanzaufsicht alarmiert. Hoch engagiert sind demnach die KfW, die DekaBank, die NordLB und die Helaba. MSN.com/Bloomberg
  • Die NordLB wird zwei Jahre später als geplant (das wäre dann überschlägig 2025) wieder dividendenfähig sein, so ihr Chef Thomas Bürkle in einer Videokonferenz Süddeutsche
  • Die Zahl der Geldautomatensprengungen ist 2020 laut Hochrechnungen des Bundeskrinimalamts auf über 400 geklettert – ein neuer Rekord FAZ
  • Bei der KfW läuft das Rennen um die Nachfolge des im Sommer scheidenden Chefs Günter Bräunig sowie um weitere Vorstandsposten Süddeutsche Während dessen läuft das Geschäft natürlich weiter: So vergibt die Staatsbank neuerdings Kommunalkredite zu einem negativen Zinssatz von bis zu minus 0,34 Prozent BÖZ (Paywall)
  • Wegen steuerschädlicher Cum-Ex-Deals rechnet Portigon, die Nachfolgerin der WestLB, mit einem Minus von 600 Mio. Euro. Der Staat muss womöglich Geld nachschießen Süddeutsche
  • Die Finanzaufsicht hat der Quirin Bank ein Bußgeld von 210.000 Euro aufgebrummt, weil das Institut in der Vermögensverwaltung für Kunden ungeeignete Wertpapiere erworben haben soll Fondsprofessionell
  • Die in der Sparkassengruppe höchst umstrittenen Fusionsüberlegungen der Förde Sparkasse und der Sparkasse Mittelholstein sind vom Tisch – die Häuser konnten sich nicht auf eine Rechtsform einigen Handelsblatt (Paywall)
  • Nach einer Runde im April 2020 erhöht die Sparda München zum 1. April 2021 erneut ihre Preise für die Kontoführung BILD
  • Und weil wir Journalisten am Ende gerne auf den Anfang zurückkommen: Neuer Kommunikationschef der Commerzbank (und damit Nachfolger des ewigen Richard Lips) wird der bisherige Aareal-Kommunikationschef Sven Korndörffer (per eMail)

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