Kurz gebloggt

Die wilden Aufs und Abs im 2020er-Ergebnis der LBBW

11. März 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Um die gegenwärtige Lage im deutschen Bankenmarkt zu verstehen, kann man dicke Studien lesen – oder einen flüchtigen Blick in die gestern vorgestellten 2020er-Zahlen der LBBW werfen. Dort nämlich zeigt sich Sparte für Sparte fast schon phänotypisch …

  • was immer schwieriger wird (nämlich filialbasiertes Retailbanking)
  • was bis Corona vielerorts einigermaßen funktioniert hat, nun aber plötzlich Risiken birgt (das Firmenkundengeschäft)
  • was offenbar immer noch einigermaßen funktioniert, aber je nach Zuschnitt des Portfolios natürlich ebenfalls Risiken mit sich bringt (die gewerbliche Immobilien-Finanzierung)
  • und wo man zuletzt nicht viel verkehrt machen konnte (nämlich im  Kapitalmarktgeschäft)

Und jetzt in Zahlen:

1.) Das LBBW-Kapitalmarktgeschäft

In der Kapitalmarktsparte explodierte das kombinierte Zins- und Provisionsergebnis um 61% auf 543 Mio. Euro (die LBBW selbst spricht in ihrer Mitteilung von einem „lebhaften Kundengeschäft insbesondere mit Absicherungs- und Anlageprodukten“). Drum: Das Vorsteuerergebnis deutlich rauf auf 202 Mio. Euro.

2.) Das LBBW-Firmenkundengeschäft

Gerödelt wurde auch hier, wie sich am nahezu konstanten Zins- und Provisionsergebnis zeigt (kombiniert ging es um gerade mal 1% runter auf 973 Mio. Euro). Half aber alles nichts. 411 Mio. Euro Risikovorsorge (gut das Dreifache des Vorjahres) verhagelten das Ergebnis. Statt 301 Mio. Euro Vorsteuerergebnis nur noch 7 Mio. Euro Vorsteuerergebnis. Wobei nicht nur die Corona-Krise einschlug, sondern mit 160 Mio. Euro auch der Wirecard-Kredit.

3.) Das LBBW-Geschäft mit Immobilien- und Projektfinanzierungen

Hätte schlimmer kommen können. Dass das Zinsergebnis (310 Mio. Euro statt 376 Mio. Euro) eingesackt ist, hat nicht viel zu bedeuten – sondern: Dabei handelte es sich um das Resultat eines positiven Sondereffekts in 2019. Ansonsten? Blieb die Risikovorsorge mit 68 Mio. Euro im Rahmen. Letzten Endes stand ein sehr solides Ergebnis vor Steuern in Höhe von 205 Mio. Euro.

4.) Das LBBW-Retailgeschäft

… das zugegebenermaßen kein reines Retailgeschäft (BW Bank …), sondern auch das Verbundgeschäft mit den Sparkassen beinhaltet ist: Vorsteuerergebnis? Maue 27 Mio. Euro. Würde man davon noch das „Bewertungs- und Veräußerungsergebnis“ in Höhe von 22 Mio. Euro abziehen (keine Ahnung, was es damit auf sich hat), bliebe fast gar nichts mehr übrig. Harte Zeiten.

Fazit: Die LBBW insgesamt

Das Vorsteuerergebnis fiel von 610 Mio. auf nur noch 252 Mio. Euro. Auch hier: Hätte vermutlich schlimmer kommen können. Und was vor lauter Wirecard-Ausfall und Corona-Vorsorge nicht unterschlagen werden sollte: Operativ zeigen sich an der ein oder anderen Stelle (Zinsergebnis um 5,7% rauf, Verwaltungsaufwendungen um 3,7% runter) klare Verbesserungen.

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