Analyse

Die ziemlich wilde Gewinn- und Verlustrechnung der DZ Bank

30. August 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Die Halbjahreszahlen der DZ Bank lassen sich auf den ersten Blick so oder so interpretieren: Autsch, Vorsteuerergebnis um 62% eingebrochen. Oder: Wow, trotz Corona fast 600 Mio. Euro Vorsteuerergebnis gemacht.

Noch weitere, weniger platte Interpretations-Möglichkeiten ergeben sich auf den zweiten Blick. Denn: Die Sprünge in manchen GuV-Positionen sind geradezu eklatant. Risikovorsorge? 397% nach oben. Bewertungsergebnis? 298% nach unten. Dasselbe gilt für diverse Töchter bzw. Segmente, und zwar insbesondere für jene mit Kapitalmarkt-Exposure: R+V? Minus 86%. DZ Hyp? Minus 60% …

… was man dabei in Erinnerung rufen muss: Fürs erste Quartal hatte die DZ Bank zwar keine detaillierten Zahlen präsentiert (das macht sie nie …), allerdings in einem „BÖZ“-Interview eingeräumt, dass zwischen Januar und März ein Verlust von 130 Mio. Euro aufgelaufen sei. Wenn Co-CEO Riese nun also auf Basis der (dank rasanter Börsenerholung sehr viel besseren, aber trotzdem – siehe oben – ungemein wilden) Halbjahreszahlen sagt, die „Aufstellung als breit diversifizierte Allfinanzgruppe“ habe sich „erneut als stabilisierend erwiesen“, dann fragen wir uns: Hätte er das Ende März, als die Märkte in Flammen standen, wohl exakt genauso formuliert?

… Und noch zwei Anmerkungen zur DZ: Erstaunlich, dass die DVB Bank, von der wir dachten, sie hätte irgendwie längst alles abgeschrieben, dann doch wieder 228 Mio. Euro Verlust anhäuft. Während andererseits (und nun also endlich zum Positiven, denn das gibt es auch zu vermelden) die eigentliche DZ Bank AG – sprich: der Kern aus Geschäfts- und Verbundbank – bemerkenswert gut abgeschnitten hat.

Hier die GuV und die Segmentergebnisse im Überblick:

Gewinn- und Verlustrechnung:

in Mio. Euro

H1 2020 H1 2019
Veränd. in %
Zins-Überschuss 1.505 1.332 + 13%
Provisions-Überschuss 1.052 958 + 10%
Handelsergebnis 539 141 > 100%
Ergebnis aus Finanzanlagen -15 130 > 100%
Sonstiges Bewertungs-Ergebnis aus Finanzinstrumenten -247 126 > 100%
Ergebnis aus der Ausbuchung von finanziellen Vermögenswerten 7 15 – 53%
Ergebnis aus dem Versicherungs-Geschäft 124 761 – 84%
Risikovorsorge -522 -105 > 100%
Verwaltungs-Aufwendungen -2.016 -2.046 – 2%
Sonstiges betriebliches Ergebnis 130 152 – 15%
Konzernergebnis vor Steuern 557 1.464 – 62%
Ertragsteuern -185 -430 – 57%
Konzernergebnis 372 1.034 – 64%
Aufwand-Ertrags-Relation (in %) 65,1 56,6 + 9%-Pkte.

Segment-Ergebnisse:

  • DZ Bank AG: 285 Mio. Euro Gewinn (H1 2019: 97 Mio. Euro). Snippets: 1.) „Starke Marktposition bei der Begleitung von Anleiheemissionen weiter ausgebaut“; 2.) „Im Zahlungsverkehr konnte die Anzahl der abgewickelten Transaktionen auf 4,0 Mrd. (H1 2019: 3,5 Mrd) deutlich gesteigert werden, wobei der Anstieg insbesondere aus dem Marktwachstum im kontaktlosen Bezahlen resultierte“.
  • Schwäbisch-Hall: 75 Mio. Euro Gewinn (H1 2019: 149 Mio. Euro). Snippets: 1.) „Rückgang ist primär auf den Wegfall positiver Einmaleffekte zurückzuführen“; 2.) „In der Baufi stieg das realisierte Neugeschäft um 1,5 Mrd. Euro auf 9,4 Mrd. Euro.“
  •  R+V Versicherung: 102 Mio. Euro Gewinn (H1 2019: 711 Mio. Euro). Snippet: 1.) „Das Kapitalanlageergebnis belastete das Ergebnis deutlich.“; 2.)  „Die verdienten Beiträge aus dem Versicherungsgeschäft beliefen sich auf  9,2 Mrd Euro (H1 2019: 8,3 Mrd. Euro)“
  • Union Investment: 264 Mio. Euro Gewinn (H1 2019: 384 Mio. Euro). Snippets: 1.) „Rückgang ist insbesondere auf den Wegfall eines positiven Sondereffekts zurückzuführen“. 2.) „Der Nettoabsatz betrug bei den Privatkunden 3,7 Mrd. Euro (H1 2019: 4,1 Mrd. Euro).“

Kurzer Zwischenruf: Lesen Sie hierzu auch dieses Stück hier aus unserem Archiv, in dem es nich nur um die Deka, sondern genauso um die Union Investment geht …

Irrer Boom bei der Deka: Geht Filialvertrieb ohne Filiale?

  • DZ HYP: 106 Mio. Euro Gewinn (H1 2019: 268 Mio. Euro). Snippet: „Ursächlich für den Rückgang waren primär die negativen Bewertungseffekte im Staatsanleihenportfolio.“
  • Teambank (also Ratenkredite, Anm. d. Red.): 49 Mio. Euro Gewinn (H1 2019: 63 Mio. Euro). Snippet: 1.) „Das Kredit-Bestandsvolumen blieb mit 8,9 Milliarden Euro stabil; 2.) Die Zuführung zur Risikovorsorge stieg aufgrund zunehmender Nachfrage von Ratenplan-Änderungen und erhöhter Inanspruchnahme der Restkreditversicherung auf 71 Mio. Euro (H1 2019: 54 Mio. Euro)“,
  • DZ Privatbank: 27 Mio. Euro  Gewinn (H1 2019: 13 Mio. Euro). Snippet: „Die Assets under Management betrugen zum Ende des ersten Halbjahres 18,6 Mrd. Euro (Ende .2019: 18,8 Mrd. Euro).“
  • VR Smart Finanz: 24 Mio. Euro Verlust (H1 2019: 1 Mio. Euro). Snippets: 1.) „Maßgeblich war. u.a. eine erhöhten Risikovorsorge im Zuge von Covid-19.“ 2.) „Das Neugeschäft stieg um 14% auf 738 Mio. Euro (H1 2019: 647 Millionen Euro). 3.) „Mit dem ‚VR Smart flexibel Förderkredit‘, einem digital abschließbaren Kredit im Rahmen des staatlich aufgelegten KfW-Sofortprogramms, stieß die VR Smart Finanz auf rege Nachfrage. Dies unterstreicht die zunehmende Bedeutung der digital gestützten Finanzierung für gewerbliche Kunden.“

Kurzer Zwischenruf: Lesen Sie hierzu auch dieses Stück hier aus unserem Archiv …

Geheimprojekt: DZ Bank baut Sofort-Kredit für KfW-Hilfen

  • DVB Bank: 228 Mio. Euro Verlust (H1 2019: minus 67 Mio. Euro). Snippet: „Das Ergebnis wurde insbesondere beeinflusst durch eine erhöhte Risikovorsorge im Zuge des Konjunktureinbruchs durch Covid-19 sowie negativer IFRS-bedingter Bewertungseffekte.“

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