Kommentar

Diese Krise ist auch eine Banken-Krise. Drum: Whatever it takes!

13. März 2020

Von Christian Kirchner

Zwei Dinge dürften nach dem gestrigen Tag feststehen. Erstens: Märkte, Banken, Fintechs und natürlich auch die Realwirtschaft erleben gerade einen neuen „Lehman-Moment“. Denn die gestrigen Kursabschlägen etwa bei der Deutsche Bank (-18%), der Commerzbank (-21%) oder auch bei Wirecard (-18%) sind nicht, oder jedenfalls nicht allein mit kurzfristigen Übertreibungen zu erklären. Sondern: Sie reflektieren den Umstand, dass das öffentliche Leben und damit weite Teile der Wirtschaft wegen des Corona-Virus über Wochen, wenn nicht Monate gelähmt werden könnten.

Und zweitens: In einer Welt, in der der amerikanische Präsident mal eben und offenbar ohne vorherige Konsultationen einen Einreisestopp für Menschen aus ganz Kontinentaleuropa verhängt – in so einer Welt also sollte man auf eine international koordinierte Anti-Krisenpolitik eher nicht zählen. Weder in der Bekämpfung des Virus, noch was die Hilfe für Erkrankte angeht, noch was etwaige wirtschaftliche Maßnahmen betrifft.

Womit wir bei den Banken wären.

Denn: Die Corona-Krise ist, ob das den Menschen gefällt oder nicht, auch eine Banken-Krise. Was natürlich nicht bedeutet, dass einer Deutschen Bank, einer Commerzbank oder einer Sparkasse Hintertupfingen die gleiche Solidarität gebührt wie den vom Virus unmittelbar Betroffenen da draußen. Und doch gilt, was schon 2008 galt: Wenn die Banken crashen, dann crashen wir alle. Weshalb gefragt werden muss: Was ist jetzt zu tun, damit das nicht passiert?

Der Existenzkampf jedenfalls hat begonnen. Denn: Auch wenn sich die Kapital- und Liquiditäts-Kennziffern auf dem Papier gut lesen mögen, auch wenn die gestrigen EZB-Erleichterungen eher unterschätzt werden – ob die (deutsche) Kreditwirtschaft den realen Stresstest, der nun auf sie zukommt, ohne externe Unterstützung bestehen würde, das darf bezweifelt werden. Oder klarer gesagt: Wer schon auf dem Höhepunkt eines Konjunkturzyklus und mit rekordniedrigen Kreditausfällen kaum Geld verdient oder sogar herbe Verluste erleidet, der muss schlicht damit rechnen, dass es ihn in der jetzt aufziehenden Krise so richtig böse erwischen könnte.

Sofern nicht eine wundersame „V“-Erholung einsetzt, werden den Banken und Sparkassen schon bald viele Kredite regelrecht um die Ohren fliegen. Schließlich stehen komplette Industriezweige wie die Luftfahrt, der Tourismus oder die Öl- und Gasbranche vor höchst ungewissen Monaten. Und dasselbe gilt für unzählige kleine und mittlere Unternehmen in besonders betroffenen Bereichen wie zum Beispiel Gastronomie, Events, Messebau. Ganz zu schweigen von den Verlusten an der Börse. Oder den Folgen für den Konsum.

Banken werden Wertpapierbestände abschreiben müssen, Kunden werden ganz andere Sorgen haben, als den Banken Provisionsgeschäft zu bescheren. Ein zu düsteres Szenario? Vielleicht. Aber die Kapitalmärkte preisen mit Abschlägen von 20% binnen Stunden gerade genau dies ein.

Die Geschichte des Corona-Virus ist in Europa die Geschichte einer Unterreaktion. Genau dies, nämlich eine Unterreaktion, kann sich der deutsche und europäische Bankensektor nicht leisten – denn die potenziellen Folgen wären fatal. Die Banken sind vital für das Funktionieren unserer Volkswirtschaft. Darum muss zu 100% sichergestellt sein, dass das Bankensystem in der Krise, in die wir momentan hingeschleudert werden, funktioniert. Ansonsten droht ein totaler wirtschaftlicher Stillstand.

Auf das Beste zu hoffen, wird nicht reichen. Man muss stattdessen mit dem Schlimmsten rechnen. Das kann im Zweifel auch den Zwang bedeuten, branchenweite Liquiditätshilfen und Kapitalisierungs-Maßnahmen anzunehmen. Stigmatisierung wie in der Lehman-Ära darf es nicht geben, ebensowenig Kleinstaaterei innerhalb der drei Säulen, also privaten Banken, Sparkassen und Genossen. Es steht zu hoffen, dass die Politik (auch wenn sie momentan ganz andere Sorgen hat) dies versteht. Und dass die Banken selbst es auch verstehen.

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