Exklusiv

DKB kopiert ING-Strategie und weitet Negativzins massiv aus

25. August 2021

Von Christian Kirchner

Die DKB erhebt für alle ab 1. September neu eröffneten Konten bereits ab 50.000 Euro ein Verwahrentgelt von 0,5% pro Jahr. Das geht unter anderem aus Finanz-Szene vorliegenden Kundenschreiben hervor. Man passe sich mit dem Schritt „den marktüblichen Entwicklungen an“, schreibt die Direktbank. Bislang galt ein Freibetrag von 100.000 Euro. Allerdings belässt es die DKB offenbar nicht dabei, die faktischen Negativzinsen nur bei Neukunden zu erheben. Auch einige Bestandskunden erhalten aktuell Schreiben mit dem Hinweis, dem neuen Verwahrentgelt zuzustimmen. Bislang hatte für vor dem Dezember 2020 eröffnete Konten eigentlich eom Bestandsschutz gegolten.

Auf Nachfrage hieß es am Mittwochnachmittag: „Die DKB wird in den kommenden Tagen ausgewählte Kundengruppen mit besonders hohen Einlagen kontaktieren und diese bitten, der Einführung eines Verwahrentgelts zuzustimmen.“ Wörtlich sollen die Kunden die folgende Erklärung absenden: „Hiermit nehme ich das Angebot der ‚Vereinbarung über Verwahrentgelte für Guthaben‘ an und bestätige, dass mir die ‚vorvertraglichen Informationen nebst Widerrufsbelehrung‘, die ‚Sonderbedingungen für Verwahrentgelte bei Guthaben‘ sowie eine Ausfertigung der ‚Vereinbarung über Verwahrentgelte für Guthaben‘ per Brief vor Vertragsschluss zur Verfügung gestellt wurden.“

Die Willenserklärung soll die Verwahrentgelte rechtssicher einführen. Hintergrund: Das BGH-Urteil zur Zustimmungsfiktion hatte zuletzt dafür gesorgt, dass Banken das Schweigen der Kunden nicht länger als Zustimmung zur Vertragsänderungen werten können.

Die DKB ist in ihrem Geschäftsmodell immer noch sehr stark abhängig vom Zinsergebnis, das über 90% zum Vorsteuergewinn beiträgt. Zugleich steigen aber auch ihre Kundeneinlagen drastisch an – alleine 2020 um 12,2 Mrd. Euro bzw. ein Fünftel auf nunmehr 72,4 Mrd. Euro. Für diese Einlagen hat die BayernLB-Tochter offenbar nicht mehr in voller Höhe Verwendung.

Die DKB hatte den Minuszins für Neukunden erst zu Jahresbeginn eingeführt. Ähnlich ging zuletzt auch der Rivale ING vor: Der Einführung von Verwahrentgelten für Neukunden ab Februar 2021 werden eine Senkung des Freibetrags auf 50.000 Euro und eine Ausweitung auf Bestandkunden folgen – und zwar beides ab November. Auch die Commerzbank und N26 verlangen bereits ab 50.000 Euro Verwahrentgelte.

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