“So altern unsere Banken”-Serie (#4)

Die DZ Bank altert rapide – und die Deka noch viel rapider

13. Juni 2022

Von Heinz-Roger Dohms*

Nachdem wir vor einiger Zeit die Altersstruktur von Deutscher Bank, Commerzbank und Landesbanken beschrieben hatten, widmen wir uns im vierten Teil unserer losen Mini-Serie zur demografischen Entwicklung deutscher Kredithäuser den Dachinstituten von Sparkassen und Genossenschaftsbanken: Deka und DZ Bank. Auch sie sind über die vergangenen Jahre der Rente näher gerückt, beider Beschäftigte kommen inzwischen auf ein Durchschnittsalter von mehr als 45 Jahren. Aber sehen Sie selbst:

1. Deka: Der Anteil der Mitarbeiter über 49 Jahren explodiert

Statt für den Deka-Konzern mit zuletzt 4.622 Mitarbeitern insgesamt und 4.279 Mitarbeitern in Deutschland, weist der Fondsdienstleister der deutschen Sparkassen nur die Altersstruktur für die enger gefasste “Deka-Gruppe Inland” aus. Doch mit 4.002 Mitarbeitern im vergangenen Jahr (fast 87% aller Beschäftigten) sind auch diese Angaben ziemlich repräsentativ.

Somit macht bei der Deka die jüngste Mitarbeiterkohorte seit Jahren einen recht niedrigen Anteil aus (2021: 6,8%), während der Anteil der ältesten Kohorte im Verlauf der vergangenen zehn Jahre MASSIV gestiegen ist – von 14,7% im Jahr 2012 auf 39,0% im Jahr 2021! Spiegelbildlich ist der Anteil des “Mittelbaus” (30 bis 49 Jahre) von insgesamt 77,3% auf 54,1% abgestürzt – eine Verschiebung, so heftig wie bei keinem anderen untersuchten Haus.

2021 2020 2019 2018 2017 2016 2015 2014 2013 2012
<30 6,8 % 6,4 % 6,4 % 6,4 % 6,1 % 6,4 % 6,9 % 6,7 % 6,8 % 7,9 %
30-39 20,4 % 21,1 % 22,4 % 24,6 % 26,3 % 27,9 % 29,9 % 30,5 % 31,9 % 33,7 %
40-49 33,7 % 35,2 % 36,2 % 37,0 % 38,2 % 40,0 % 40,1 % 42,5 % 43,9 % 43,6 %
>49 39,0 % 37,4 % 34,9 % 32,1 % 29,3 % 25,8 % 32,2 % 20,2 % 17,4 % 14,7 %
Gesamt 4.002 3.930 3.884 3.918 3.805 3.701 3.571 3.490 3.322 3.241

Quelle: Nachhaltigkeits-Berichte

Weitere Kennzahlen erhellen die Situation bei der Deka zusätzlich:

2021 2020 2019 2018 2017 2016 2015 2014 2013 2012
Mitarbeiterfluktuation 3,1 % 4,9 % 4,4 % 4,2 % 3,1 % 3,1 % 3,9 % 4,2 % 4,0 % 3,3 %
Durchschnittliche Betriebszugehörigkeit (in Jahren) 12,0 11,8 11,5 11,0 10,7 10,3 10,0
Durchschnittsalter (in Jahren) 45,4 45,2 44,7 44,2 43,8 43,3 42,7 42,4 42,0 41,2
Nachwuchs (v.a. Azubis und Trainees) 82 69 54 52 77 78 75 61 73 74

Quelle: Nachhaltigkeits-Berichte

Im Vergleich mit anderen Banken legen diese Zahlen einen erstaunlichen Unterschied, aber auch ein paar Gemeinsamkeiten offen:

  • So lag die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit im vergangenen Jahr – obgleich gestiegen – noch immer bei nur 12,0 Jahren und damit deutlich unter dem Wert der LBBW (2021: 19,4 Jahre im Konzern, 19,9 Jahre in der Bank), der Commerzbank (2020: 20 Jahre) oder der Deutschen Bank (2018: 19,7 Jahre in Deutschland). Ein Sprecher erklärte das damit, dass bei Asset Managern die Betriebszugehörigkeit generell niedriger sei als bei Universalbanken.
  • Beim Durchschnittsalter lagen die genannten Häuser fast gleichauf, von 45,4 Jahren (Deka) über 46,1 Jahre (LBBW) bis 46,5 Jahren (Deutsche Bank in Deutschland).
  • Auch bezüglich der Fluktuationsrate gab es nur geringe Unterschiede zwischen Deka (2021: 3,1%), LBBW (2021: 5,4%), Commerzbank (2020: 4,6%) und Deutscher Bank (2021: 5,5% in Deutschland).

2. DZ Bank (AG): 2021 kündigten nur 1,9% der Beschäftigten

Beim Dachinstitut der Genossenschaftsbanken verläuft die Entwicklung ähnlich wie bei anderen Häusern: Über die vergangenen sieben Jahre ist der Anteil der ältesten Kohorte um mehr als 10 Prozentpunkte gestiegen (von 33,1% auf 43,9%) und der Anteil der mittleren Kohorte um mehr als 10 Prozentpunkte gesunken (von 57,2% auf 46,5%%). Der Anteil der jüngsten Kohorte ist mit aktuell 9,6% besser als bei der Deka (6,8%) und der Helaba (8,4% im Konzern, 4,0% in der Bank), aber schlechter als bei der LBBW (10%), der Deutschen Bank (11,2% in Deutschland), der Commerzbank (2020: 12,1%) und der NordLB (2020: 12,8%). In der Fußball-Bundesliga wäre das “unteres Mittelfeld”.

2021 2020 2019 2018 2017 2016 2015
<30 9,6 % 9,7 % 8,9 % 8,6 % 8,7 % 8,9 % 9,6 %
30-49 46,5 % 48,0 % 49,3 % 51,6 % 52,8 % 54,6 % 57,2 %
>49 43,9 % 42,3 % 41,7 % 39,8 % 38,5 % 36,5 % 33,1 %
Gesamt 5.512 5.524 5.442 5.474 5.542 5.792 4.489

Quelle: Nachhaltigkeits-Berichte, GRI-Bilanzen

Ähnlich sieht es bei anderen Personalkennzahlen aus, etwa der Fluktuation (2021: 4,6%) und dem Durchschnittsalter (45,8 Jahre) – keine besonderen Auffälligkeiten. Bemerkenswert ist der sehr niedrige Anteil von Mitarbeitern, die von sich aus kündigen: 1,9% waren das 2021, mehr nicht. Bei der durchschnittlichen Betriebszugehörigkeit konnten wir keine aktuellen Zahlen finden, aber Daten für die Jahre bis 2016 (damaliger Wert: 14,7 Jahre) legen nahe, dass diese heute irgendwo bei 15+ Jahren liegen dürfte, sprich auch im Mittelfeld.

2021 2020 2019 2018
Mitarbeiterfluktuation 4,6 % 4,5 % 5,8 % 6,2 %
Mitarbeiterkündigungen 1,9 % 1,6 % 2,5 % 2,4 %
Durchschnittsalter (in Jahren) 45,8 45,4 45,4 45,2

Quelle: Nachhaltigkeitsberichte, GRI-Bilanzen

Interessant ist, dass die DZ Bank – ähnlich wie die Deutsche Bank – vor Jahren ein “Reverse Mentoring” einführte. So gab es 2020 insgesamt 24 Tandems aus Abteilungsleitern und Nachwuchskräften, bei denen die “Jungen” den “Alten” halfen, ihre digitalen Kompetenzen und den Umgang mit Social Media zu verbessern. Im jüngsten Nachhaltigkeitsbericht für 2021 ist vom “Reverse Mentoring” allerdings keine Rede mehr. Und auch sonst konnten wir dort zur Frage, wie das Institut mit der Alterung seiner Belegschaft umgeht, wenig finden. Darin ähnelt die DZ Bank den anderen untersuchten Großbanken.


*Unter Mithilfe weiterer Redaktionsmitglieder

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