Exklusiv

Eklat bei der HSBC Deutschland. Keine Einigung über Jobabbau

16. Juni 2021

Von Christian Kirchner

Bei der HSBC Deutschland kommt es im Zuge des angekündigten Abbaus von 600 Vollzeitstellen zur offenen Konfrontation zwischen Vorstand und Arbeitnehmerseite. Laut Finanz-Szene.de vorliegenden internen Schreiben haben Verhandlungen über einen Sozialplan zu keinem Ergebnis geführt. Stattdessen wird nun eine gerichtliche Einigungsstelle eingeschaltet – ein in der Geschichte des Düsseldorfer Traditionsinstituts beispielloser Vorgang.

Wörtlich heißt es in einer Mitteilung des Managements an die Belegschaft von Ende vergangener Woche: „Wir müssen Sie heute darüber informieren (…), dass die Gespräche mit dem Betriebsrat über die Einigung zum Interessensausgleich und Sozialplan (…) gescheitert sind.“ In einer Mitteilung an die Mitarbeiter zeigte sich der Betriebsrat seinerseits erstaunt. Und hielt fest: „Die strittigen Punkte des Sozialplans, welche hauptsächlich die Schutzbedürftigkeit der zu kündigenden Mitarbeiter betreffen, bedrohen aus Sicht des Betriebsrats nicht die finanzielle oder wirtschaftliche Lage der Bank.“

Mit dem vorläufigen Scheitern der Gespräche bei HSBC Deutschland dürfte der Versuch des globalen Bankriesen HSBC, bei seiner geplanten Neuorganisation in Kontinentaleuropa und der damit einher gehenden Umverteilung von Jobs Fakten zu schaffen, vorerst gestoppt sein. Konkret geht es um die seit 2020 laufenden Gespräche zum Projekt „Germany Transformation“. HSBC Deutschland hatte im Herbst seine Sparziele hierzulande nochmals nachgeschärft und angekündigt, bis 2022 gut 600 Vollzeitstellen streichen zu wollen. Dies wären stolze 22% weniger, verglichen mit dem Personalstand Ende 2019. Allerdings sank die Zahl der Mitarbeiter 2020 nur um 6%, sprich der Großteil des Abbaus steht noch bevor. Ein Teil der Stellen wird ins Ausland wandern, in einigen Bereichen ist dies bereits der Fall.

Die Arbeitnehmer fürchten um Düsseldorfs Rolle im Konzern

Hintergrund des Streits: Im vergangenen Jahr übernahm der britische Mutterkonzern HSBC den Minderheitsanteil der LBBW, gefolgt von einem Squeeze-Out der verbliebenen Kleinaktionäre. Seither kann HSBC bei der deutschen Tochter durchregieren. Dies bereitet den Arbeitnehmern dort Sorge. Sie fürchten, dass die Düsseldorfer Bank trotz respektabler Größe (Bilanzsumme 2020: 29,5 Mrd. Euro) künftig von einer eigenständigen Einheit zur simplen Niederlassung degradiert wird und dabei unter die Räder gerät.

HSBC plant, seine kontinentaleuropäischen Einheiten neu zu organisieren. Dabei gilt Paris als Favorit für den Sitz einer Europa-Holding. Zugleich werden immer mehr Jobs und Service-Einheiten ins polnische Krakau und an andere günstigere Standorte verlegt. Der Standort Düsseldorf droht in dieser Entwicklung zerrieben zu werden. Die Stimmung intern ist, wie Finanz-Szene.de bereits im März berichtete, laut Mitarbeiterbefragungen zumindest 2020 katastrophal. Die Indexwerten dafür liegen hierzulande erheblich unter dem Konzerndurchschnitt (siehe hier).

Was die Mitarbeiter an den Plänen so entzürnt: Operativ läuft das Geschäft bei HSBC Deutschland trotz der Corona-Pandemie ziemlich gut, anders als bei vielen anderen deutschen Banken.  So stieg der Nettogewinn 2020, verglichen mit dem Vorjahr, um 29% auf 187 Mio. Euro. Und vor Steuern sowie vor Kosten für die Restrukturierung fiel das Plus mit 40% (auf 239 Mio. Euro) sogar noch deutlicher aus.

Vor allem der jüngste Boom im Wertpapierhandel lässt die Gewinne der Transaktionsbank sprudeln. Insgesamt kamen die Düsseldorfer 2020 auf eine Eigenkapitalrendite von knapp 8% – ein für Deutschland sehr guter Wert. Das Problem ist: Der britische Mutterkonzern stellt seinen Investoren mittelfristig eine Eigenkapitalrendite von 10-12% für den Gesamtkonzern in Aussicht. Gemessen daran, fällt die deutsche Tochter ab.

Finanzvorstand und Personalchefin zeigen sich ungerührt

Der Scheitern der internen Gespräche über den Stellenabbau dürfte weder die Stimmung verbessern noch die Position Düsseldorfs im Wettbewerb der Standorte stärken. Recht unverhohlen erklären Finanzvorstand Andreas Kamp und die im Juli 2020 neu an Bord geholte Personalleiterin Sandra Busch in ihrem Schreiben an die Mitarbeiter, es würden einstweilen keine Informationsveranstaltungen mehr abgehalten. Und: „Die weiteren Planungen in Zusammenhang mit der Machbarkeitsstudie zur Gründung einer europäischen Niederlassung bleiben von der Einschaltung der Einigungsstelle unberührt“. Zudem werde sich nun der Transformationsprozess insgesamt deutlich verzögern.

Mitarbeiter stellen deutscher HSBC verheerendes Zeugnis aus

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing