Kurz gebloggt

Die Turbo-Zinswende der EZB: Vor allem die Coba profitiert

23. Mai 2022

Von Christian Kirchner

Vor nicht allzu langer Zeit wäre die gestrige Nachricht eine Sensation gewesen – so war’s immerhin noch eine dicke Überraschung: EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat in einem Blog-Eintrag angekündigt, dass die offizielle Zinswende noch schneller kommen soll als zuletzt ohnehin schon erwartet. Konkret: 1.) Früh im dritten Quartal will die Notenbank ihre Anleihen-Käufe stoppen; 2.) Ab Juli sollen die Leitzinsen steigen; und 3.) Spätestens im September [nur noch mal zur Klarstellung: Wir reden hier die ganze Zeit vom Jahr 2022, nicht von 2024 oder gar 2025] sollen die negativen Zinssätze insgesamt Historie sein, also nicht nur bei den Leitzinsen, sondern auch beim Einlagenzins.

Sprich: Wenn die Lagard’sche Indikation zur Realität wird, dann brauchen Banken und Sparkassen für das Geld, dass sie bei der Notenbank deponieren, vom Spätsommer an keine Zinsen mehr zu entrichten – und schon bald könnten sie hierfür sogar wieder Zinsen kassieren. Eine geldpolitische Zeitenwende.

Sehen Sie uns daher bitte nach, dass wir heute Früh nicht nochmal die große Keule rausholen. Eine kleine Beobachtung allerdings wollen wir trotzdem mit Ihnen teilen. Denn: Wer sich anschaut, wie die Aktien von Deutscher Bank (plus 7%) und Commerzbank (plus 6,6%) auf den gestrigen EZB-Coup reagierten, könnte ja fast auf die Idee kommen, dass die hiesige Geldhäuser im Gleichklang von der Zinswende profitieren. Tatsächlich zeigen sich allerdings gerade im Vergleich “DeuBa vs. Coba” signifikante Unterschiede:

Klar: Aktienkursentwicklungen sind nie monokausale Dinge, und auch über die letzten drei Jahre hinweg hat die Deutsche-Bank-Aktie die Nase noch klar vorne und spielt knapp zwei Jahre Vorsprung beim Konzernumbau aus. Unübersehbar aber: Zuletzt hat die Commerzbank-Aktie das Laufen gelernt, auch und besonders im Vergleich zum Deutsche-Bank-Papier – wobei hier die Entwicklung der jüngeren Vergangenheit (27 Prozentpunkte Überrendite binnen eines Monats!) in einem sehr schwachen Gesamtmarkt besonders augenfällig ist. Ist es der "Knof"-Faktor? Oder die Einlagenstärke? Beides? Den Investoren kann es einerlei sein.

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