Kurz gebloggt

Geschäftsbanken verdienen 5 Mrd. Euro an Zinspolitik der EZB

13. Januar 2021

Von Christian Kirchner

Ist Ihnen mal aufgefallen, dass es in den vergangenen Monaten deutlich ruhiger geworden ist, was das Zinsgestöhne der Banken angeht?

Nun, das könnte, wie sich einer gestern veröffentlichten, hochspannenden Berechnung des Pictet-EZB-Watchers Frederik Ducrozet entnehmen lässt, einen simplen Grund haben: Viele Banken in der der Eurozone verdienen netto inzwischen ziemlich gut an der EZB-Zinspolitik. Und zwar 5 Mrd. Euro alleine bis November 2020. Selbst bei den besonders von hohen Einlagen und Überschussliquidität geplagten deutschen Banken halten sich Be- und Entlastungen durch die EZB-Maßnahmen (negative Einlagenzinsen auf der einen und TLTRO/Staffelzins auf der anderen Seite) inzwischen die Waage. Das jedenfalls geht aus granularen Daten der Europäischen Zentralbank hervor, die diese erstmals zu Jahresbeginn veröffentlicht hat – und die Ducrozet nun ausgewertet hat.

Dass aus den Netto-Lasten bald Netto-Transfers zu den Banken werden, hatten die Pictet-Analysten bereits im April 2020 gemutmaßt (siehe hier), im September 2020 erhielten sie Unterstützung von der Commerzbank-Research-Abteilung (siehe hier). Und nun geht die neueste Rechnung wie folgt:

  • Bis Oktober 2019 haben die negativen Einlagenzinsen der EZB auf Überschussliquidität die Gewinne der Banken massiv belastet und sie brutto rund 9 Mrd. Euro gekostet
  • Die Einführung von Freibeträgen (das so genannte „Tiering“ bzw. der Staffelzins) im Oktober 2019 und vor allem der Finanzierungsgeschäfte TLTRO haben die Rechnung dann aber komplett verkehrt. Hintergrund: Unter bestimmten Bedingungen können sich Banken im TLTRO-Programm Geld zu minus 1% bei der EZB leihen und es sofort wieder zu minus 0,5% anlegen und die Differenz einstreichen.
  • Konkret betrage die Belastung aus Negativzinsen auf Überschussliquidität Stand November 2020 rund 17 Mrd. Euro. Dem stehen aber laut Ducrozet Freibeträge von über 3 Mrd. Euro sowie Gewinne aus den TLTRO-Operationen von über 18 Mrd. Euro gegenüber. Macht netto rund 5 Mrd. Euro Transfers von der EZB zu den Geschäftsbanken (siehe die Grafik in diesem Tweet Ducrozets hier)
  • Bei deutschen Banken gleichen sich Be- und Entlastungen inzwischen aus (siehe die Grafik hier)
  • Gleichwohl wird – unter unveränderten Rahmenbedingungen – aus den Entlastungen temporär wieder eine Belastung, aber dann ab 2022 Stand heute eine weitere Entlastung

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