Exklusiv

Frankfurter Sparkasse malt schwarz – auch ohne Corona

23. April 2020

Von Christian Kirchner

Eine der größten deutschen Sparkassen, nämlich die Frankfurt Fraspa, sah schon vor der Corona-Krise schwarz für das laufende Geschäftsjahr. Dieser erschreckende und öffentlich bislang unbekannte Befund ergibt sich aus dem 2019er-Geschäftsbericht des Instituts. Zwar wurde der Abschluss erst diese Woche im Bundesanzeiger veröffentlicht – er muss aber schon im Februar erstellt worden sein. Denn: Testiert wurde das Dokument am 2. März; das Stichwort „Corona“ taucht nur ein einziges Mail überhaupt auf; von irgendwelchen „besonderen Vorfällen“ nach Ablauf des Geschäftsjahres ist nirgends die Rede; auch sonst scheint das Thema „Corona“ beim Verfassen des Berichts keine Rolle gespielt zu haben.

Und dennoch fällt der Prognoseteil des Abschlusses verheerend aus. Nachdem die Frankfurter Sparkasse nämlich schon 2019 nur noch ein klägliches Betriebsergebnis von 0,4% der Bilanzsumme erwirtschaftet hatte, ging die Helaba-Tocher für das laufende Geschäftsjahr davon aus, dass der Zinsüberschuss nochmals „deutlich abschmilzt“. Bei den operativen Erträgen insgesamt wurde eine „deutlichen Abnahme“ prognostiziert, das Bewertungsergebnis werde sich „deutlich verschlechtern“, heißt es, ebenso wie die Eigenkapitalrendite. Auch eine quantitative Einordnung findet sich. So werde die Rendite immerhin über der „Mindestverzinsung“ liegen. Diese wird definiert als gleitender 10-Jahres-Durchschnitts von Bundeswertpapieren zuzüglich eines Aufschlags von zwei Prozentpunkten. Heißt: Die Fraspa ging grob gesagt von nur noch von einer Rendite irgendwo über 3,0% aus – vor Corona.

Dieses Eingeständnis wirft eine Reihe von Fragen auf. Zum Beispiel:

  • Warum war von alldem nicht wirklich die Rede, als Ende März die telefonische Bilanzpressekonferenz stattfand (der Finanz-Szene.de brav beigewohnt hatte)? In der damals verschickten Mitteilung hieß es lediglich: „Die ersten beiden Monate des Jahres 2020 liefen operativ sehr erfolgreich. Diese Basis nutzen wir, um engagiert die Aufgaben anzugehen, die vor uns liegen.“
  • Haben die diversen Vorstands-Abgänge der vergangenen Wochen und Monate vielleicht doch irgendwas mit der geschäftlichen Entwicklung der Fraspa zu tun? [eine Entwicklung übrigens, die wir hier bei Finanz-Szene.de schon länger kritisch verfolgen (siehe hier und hier) – auch wenn  Verwaltungsratschef Thomas Groß bei den sich häufenden Vorstands-Demissionen gern betont, welch großen Anteil der jeweilige Vorstand an der „erfolgreichen Entwicklung“ der Fraspa habe.] Zur Erinnerung: Im letzten August hatte Firmenkundenchef Altfried Lütkenhaus seinen Abgang angekündigt, im Januar folgte unter Verweis auf private Gründe Vorstandschef Robert Restani, im März kündigte dessen Vize Stephan Bruhn den Abgang an.
  • Und natürlich fragt sich: Was wird die Corona-Krise mit einer Großsparkasse machen, die sich selbst ohne Corona nur mehr einen Mini-Gewinn zutraute? Und: Wenn demnächst weitere Sparkassen ihre Geschäftsberichte veröffentlichen – wird sich das dann genauso schauderhaft lesen wie bei der Fraspa? Oder sind die Frankfurter – mit einer Bilanzsumme von 19,8 Mrd. Euro zuletzt die viertgrößte Sparkasse hierzulande – ein Sonderfall?

Was beim Blick in die Zahlen auffällt:

Die Fraspa steht nicht erst seit gestern operativ unter Druck. So sinkt Betriebsergebnis vor Bewertung in Prozent der Bilanzsumme – der wichtigste KPI im Sparkassensektor – seit Jahren relativ kontinuierlich auf die zuletzt vermerkten 0,4% an. Zur Einordnung: Im Schnitt aller Sparkassen waren es 2018 rund 0,8% (siehe hier). In der Folge sank auch die die 2014 mit 13,7% noch recht auskömmliche Eigenkapitalrendite auf zuletzt nur noch 7,1% – bevor für 2020 ein weiterer Einbruch erwartet wurde.

Schaut man sich die wichtigsten Kennzahlen im Vergleich der Jahre 2014, 2018 und 2019 an (Smartphone bitte quer halten) …

2014 2018 2019 ’19 vs. ’18 ’19 vs. ’14
Zinsüberschuss 318 258 253 – 2% – 20%
Provisionsüberschuss 65 82 86 + 5% + 32%
operative Erträge 371 338 343 + 1% – 8%
Kosten  264 256 263 + 3% 0
Ergebnis vor Bewertung 108 82 80 – 2% – 26%
Ergebnis nach Bewertung 118 89 47 – 47% – 60%
Nettoergebnis 70 41 45 + 10% – 36%
Mitarbeiter 1810 1595 1553 – 3% – 14%
Bilanzsumme (Mrd.) 17,7 19,1 19,8 + 4% + 12%
Cost Income Ratio in % 71 75 76
EK-Rendite vor Steuern 13,7 8,4 7,1
Ergebnis in % Bilanzsumme 0,61 0,43 0,40

Quelle: Geschäftsberichte

… dann stellt sich die Fraspa als Bank darf, die die Probleme vieler Sparkassen hat (die operativen Erträge fallen, die Kosten tun es nicht) – aber im Vergleich zu anderen Kommunalinstituten von einem niedrigeren Niveau aus kommt und dementsprechend jetzt da steht, wo sie steht.

Obwohl die Zahl der Mitarbeiter um 14% sank, sind die Kosten inklusive Abschreibungen seit 2014 leicht gestiegen. Dafür nennt die Bank auf Nachfrage vor allem gestiegene Pensionsaufwendungen und Tarifsteigerungen als Grund. „Vereinfacht formuliert, haben wir im vergangenen Geschäftsjahr vordergründig und ‚im Vergleich‘ schlechtere Zahlen in Kauf genommen, um unser Unternehmen nachhaltig für die Zukunft zu stärken.“

Doch ist die Fraspa wirklich „nachhaltig“ für die Corona-Krise gewappnet? Frappierend ist, wie positiv sich aus heutiger Sicht jene Annahmen lesen, die der (wie gesagt erschreckenden) 2020-vor-Corona-Prognose zugrundeliegen:

  • Zitiert werden die „alten“ Wachstumsprognosen der OECD (Welt: +2,4% 2020, Deutschland + 0,3%). Werte, die aus dem Februar sind, aber aus einer anderen Zeit zu stammen scheinen
  • Die Fraspa ging davon aus, dass die Zinsen „in den Laufzeiten bis drei Jahren negativ bleiben“. Tatsächlich sind sie aktuell bis auf 20 Jahre Restlaufzeit hinweg negativ.

Zudem sollte, wenn man an die Corona-Krise denkt, nicht das Kreditbuch vergessen. Das nämlich hat die Fraspa in 2019 ordentlich aufgepumpt, um 7,3% auf 9,7 Mrd. Euro. Für diese Steigerung war – aufgrund von Fälligkeiten – sogar eine massive Ausweitung der neuen Zusagen gegenüber dem Vorjahr nötig. Diese Zusagen für Kredite und Darlehen (ohne Dispositions- und Kontokorrentkredite) stiegen im Umfang von 1,8 Mrd. Euro. Eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 35% (!).

Wo bleibt das Positive? Selbst im pessimistischsten Szenario ihrer Risikoanalyse bliebe die Fraspa mit einer Kernkapitalquote von 14,5% stark kapitalisiert. Und vermutlich ebenfalls positiv (wenn auch nicht unbedingt für die Beschäftigten): Die Fraspa scheint sich des Ernsts der Lage bewusst zu sein und will gegensteuern: „Vor dem Hintergrund der deutlichen Abnahme der operativen Erträge plant die Sparkasse den Verwaltungsaufwand spürbar zu senken, und zwar sowohl den Personal- als auch den Sachaufwand“, heißt es im Abschluss.

Finanz-Szene.de bat die Frankfurter Sparkasse um eine Stellungnahme zu dem pessimistischen Ausblick. Dazu teilt die Bank mit: „Aufgrund der herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wie etwa dem Niedrigzinsniveau und dem Wettbewerbsdruck, rechnen wir mit den von Ihnen zitierten Rückgängen des Betriebsergebnisses nach Bewertung und dem Anstieg der Cost-Income-Ratio. Wie bereits dargestellt hat dies zum Teil planerische Ursachen: So haben wir, wo es möglich war, für die Zukunft vorgesorgt, etwa durch die vorzeitige Auflösung von Zinsswaps, um das Zinsergebnis der kommenden Jahre zu entlasten, durch die deutliche Aufstockung der Vorsorgereserven sowie durch zusätzliche Aufwendungen für die Pensionskasse.“

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