Analyse

Fünf Lehren aus den 2020er-Zahlen der deutschen Banken

31. März 2021

Von Christian Kirchner und Heinz-Roger Dohms

Was lässt sich aus den bisher vorgelegten Jahresergebnissen der deutschen Kreditinstitute für 2020 ablesen? Einiges! Zwar liegen die Zahlen der Banken noch immer allenfalls fragmentarisch vor, zumindest unterhalb der Ebene börsennotierter Großbanken. Manche haben schon Mitte Februar Geschäftsberichte vorgelegt, andere nur abstrakte Pressemitteilungen. Aber die Grundgesamtheit ist nun am Ende des ersten Quartals belastbar: Alle Großbanken, die größten Landesbanken sowie großen Verbünde DSGV und BVR sowie einige Einzelinstitute in Metropolen haben Zahlen vorgelegt. Fünf Erkenntnisse lassen sich daraus gewinnen.

1.) Die Kosten lassen sich drücken

Die Kostenbasis der deutschen Banken sei seit der Finanzkrise „nicht um ein Jota gesunken“. So beklagte es vor zwei Jahren (der baldige Ex-)Bafin-Chef Felix Hufeld. Was beim Sparen fehle, das sei „der gebotene Rumms“

Schauen wir nun auf die 2020er-Zahlen (und zwar jeweils im Vergleich zum Vorjahr), …

… dann zeigt sich: Die Kosten beginnen nun doch zu sinken, und zwar mancherorts – man achte for allem auf die im Besitz von Finanzinvestoren befindlichen OLB und HCOB … – sogar um mehr als in Jota.

Die Ausreißer nach oben sind schnell geklärt: Die ING Deutschland wächst und hat die Personal im vergangenen Jahr um mehr als 10% aufgestockt; bei der BayernLB wiederum sind’s vor allem die IT-Investitionen der DKB und das stärkere Engagement in Gewerbeimmobilien, die die Kosten steigen lassen.

Bemerkenswert sind die Kosteneinsparungen bei manchen anderen Landesbanken (auch wenn hier und da Sondereffekte eine Rolle gespielt haben mögen) – und bei der Deutschen Bank. Zwar profitiert die Deutsche Bank kostentechnisch von der Schließung ganzer Geschäftsbereiche. Allerdings ist es ihr auch bereinigt um die Umbauten gelungen, die Kosten zu drücken.

Übrigens: Die allgemeine Tendenz, dass die Kosten endlich fallen, deckt sich auch mit den von der EZB erhobenen 9M-Zahlen für die 21 größten und wichtigsten Banken des Landes. Dort lässt sich ein Rückgang um 3% im Vergleich zu den ersten drei Quartalen 2019 feststellen.

Fairerweise: Ein Teil der Kosteneinsparungen dürfte auch auf die Corona-Pandemie zurückzuführen sein (weniger Reisen, Weiterbildungen) etc. pp. Ob es sich wirklich um einen nachhaltigen Trend handelt, muss sich erst noch erweisen.

2.) Die Risikovorsorge fällt extrem unterschiedlich aus

Eine irre Spreizung zeigt sich bei der neu gebildeten Risikovorsorge. Hier die Werte in Basispunkten gemessen am Kreditvolumens (teilweise haben wir mit dem durchschnittlichen Volumen, teilweise mit dem Volumen zum Bilanzstichtag gerechnet; diese minimale Unschärfe ließ sich nicht vermeiden):

Bei manchen Sparkassen und vielen Genobanken ist die Risikovorsorge fast gespenstisch niedrig. Liegt’s an der HGB-Bilanzierung? Hat es steuerliche Gründe (siehe hierzu auch unseren Podcast zum Thema Risikovorsorge)? Wobei man nicht nach HGB bilanzieren muss, um trotz Corona nur sehr wenig Risikovorsorge zu bilden. Siehe etwa die BayernLB.Dass ein Immobilienfinanzierer wie die Aareal Bank mit großem Exposure gegenüber Gastgewerbe und Einzelhandel im Corona-Jahr reichlich Risikovorsorge bilden musste, überrascht nicht wirklich. Wie weit sich indes die Commerzbank (die ja über eine gewisse Diversifizierung aus Privat- wie Unternehmenskrediten verfügt) – das erstaunt dann doch. Sind die Risiken der Commerzbank zu groß? Oder ist die Risikovorsorge etlicher anderer Banken zu klein?

Was noch auffällt: Je stärker das Engagement bei Firmenkrediten, desto höher die Risikovorsorge. Und umgekehrt: He höher der Anteil privater Baufinanzierung am Kreditportfolio, desto niedriger die Risikovorsorge. Ein besonders prägnantes Beispiel: die ING kommt in ihrer Retail-Sparte mit weniger als 10 Basispunkten Risikovorsorge aus.

3.) Der Verfall des Zinsgeschäfts lässt sich kaum noch aufhalten  …

Lange Zeit hat sich die deutsche Kreditwirtschaft gegen die sinkenden Zinsen gestemmt. Die Commerzbank verlor zum Beispiel verlor zwischen 2014 und 2019 gerade mal 0,4 Mrd. Euro an Zinsergebnis (von 5,4 Mrd. Euro auf 5,0 Mrd. Euro). Die ING konnte ihren Zinsüberschuss im gleichen Zeitraum sogar von 1,6 Mrd. Euro auf 2,0 Mrd. Euro steigern.

Die 2020er Ergebnisse zeigen, dass diese Zeiten vorbei sind. Zwar gibt es eine ganze Reihe von Banken, die ihre Zinsergebnisse haben steigern können, und zwar teils sogar spektakulär. Hier spielten aber meist Sondereffekte (HCOB, NordLB, Bremer Sparkasse) oder mutmaßlich eine Corona-Sonderkonjunktur im Firmenkundengeschäft (Landesbanken) eine Rolle. Bei breiter aufgestellten Instituten oder solchen mit klarem Retail-Fokus sinken die Zinsüberschüsse (wobei bei der Deutschen Bank deren interne Umbauarbeiten zu berücksichtigen sind, sonst wäre das Zinsergebnis sicherlich nicht soooo stark gesunken).

(HCOB (+96%) und NordLB (+25%) sind wegen massiver Einmaleffekte der Übersichtlichkeit halber nicht enthalten)

Besonders bitter: Das alles passiert in einem Jahr, in dem die Kreditbücher weiter gewachsen sind – und zwar deutlich.

4.) … wobei sich die Probleme zu verschärfen scheinen

Bei den wenigen deutschen Banken, die Quartalszahlen vorlegen, haben die Zinsergebnisse speziell zwischen Oktober und Dezember teils heftige Schwinger hinnehmen müssen (wie der Vergleich zum Vorjahresquartal zeigt):

Quelle: Quartalsberichte

Nun ist der besonders starke Rückgang bei der Deutschen Bank auch dem Rückzug aus bestimmten Geschäftsbereichen zuzuschreiben. Ein Blick auf die (bisher noch relativ wenig umgebaute) Privatkundenbank zeigt aber, dass der Rückgang nicht nur mit Sondereffekten werden kann: Dort sank der Zinsüberschuss im Gesamtjahr um 7%, im Q4 aber um 14% (!).

5.) Das Provisionsgeschäft sollte bestens laufen. Sollte …

Ein Blick auf die Provisionsergebnisse bestätigt, was wir vor einigen Wochen bereits gemutmaßt hatten: Mit wenigen Ausnahmen wie der ING Diba oder der von der Comdirect profitierenden Commerzbank geht der Wertpapier-Boom an den meisten klassischen Geschäftsbanken weitgehend vorbei (oder zumindest steigen die Provisionsergebnisse nicht so stark, dass sich damit die Verluste im Zinsgeschäft kompensieren lassen) …

 

Da verwundert dann auch, dass es – neben dem Spezialfall ING wegen des Retail-Wertpapierbooms – teils sogar eher die aufs Firmenkundengeschäft spezialisierten Institute waren (Helaba, BayernLB …), die die stärksten Zuwächse verzeichneten.

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