Exklusiv

Geheimprojekt: DZ Bank baut Sofort-Kredit für KfW-Hilfen

27. März 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Mit einem binnen weniger Tage gebauten Sofortkredit will der genossenschaftliche Bankensektor den Kunden-Ansturm auf die KfW-Nothilfen bewältigen. Laut Recherchen von Finanz-Szene.de soll das neue Produkt schon an diesem Freitag gelauncht worden – vorbehaltlich letzter Tests, die für den Donnerstagabend anberaumt waren. „Das ist alles mit extrem heißer Nadel gestrickt“, berichtete uns ein Insider. So wurden viele Ortsbanken überhaupt erst am Donnerstagmittag über das Geheimprojekt in Kenntnis gesetzt. Läuft alles nach Plan, könnte schätzungsweise jede zweite der bundesweit gut 900 Volks- und Raiffeisenbanken das neue Vehikel schon kommende Woche einsetzen. Im Laufe des Aprils sollen dann möglichst viele weitere Institute freigeschaltet werden.

Das Sofortdarlehen trägt den Namen „VR Smart Flexibel Förderkredit“ und ist auf Kreditanträge bis zu 100.000 Euro ausgelegt. Gebaut hat den Kredit die VR Smart Finanz, eine 100%ige Tochter des genossenschaftlichen Zentralinstituts DZ Bank. Hintergrund: Die VR Smart Finanz ist schon seit Jahren mit einem unbesicherten Unternehmenskredit namens „VR Smart Flexibel“ (siehe hier) am Markt. Dieser werde in normalen Zeiten von um die 1000 Kunden täglich beantragt, heißt es. „Im Grunde wurde der bestehende Kredit genommen und in den vergangenen Tagen zu einem Förderkredit umgebaut“, sagte uns ein zweiter Insider. „Anders wäre das in der Kürze der Zeit auch gar nicht möglich gewesen.“

Der Kreditprozess als solcher sei weitgehend automatisiert, so dass die eigentliche Risikoprüfung nur wenige Minuten dauere. Zwar muss als weitere Instanz dann noch die KfW eingeschaltet werden. Dennoch ist man bei der VR Smart Finanz zuversichtlich, dass bewilligte Gelder binnen weniger Tage tatsächlich fließen können (beim normalen „VR Smart Flexibel“ soll das in der Regel sogar binnen 24 Stunden gehen). Eine Sprecherin der DZ-Bank-Tochter wollte die Finanz-Szene.de-Informationen nicht bestätigen, gab jedoch zu Protokoll, es sei eine „zeitnahe Kommunikation zu dem Thema geplant“.

Wie viel Nachfrage das neue Tool absorbieren kann, ist nicht ganz klar. Im genossenschaftlichen Bankensektor hofft man allerdings, den befürchteten Bearbeitungsstau mit dem Sofortkredit merklich abmildern zu können. Hierzu ein paar quantitative Gedankenspiele:

  • Die KfW geht davon aus, dass sie in den kommenden Tagen und Wochen mit bis zu 100.000 (von den Geschäftsbanken bereits bewilligten) Kreditanträgen konfrontiert werden wird, sagt KfW-Chef Gerhard Bräunig heute Früh in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ (siehe hier)
  • Die Volks- und Raiffeisenbanken sollen bei KMUs auf einen Marktanteil von 35%-40% kommen, heißt es.
  • Überträgt man diese Anteil auf die von Bräunig genannte Zahl, dann müssten die Genossenschaftsinstitute in den kommenden Wochen und Monaten bis zu 40.000 Kreditanträge billigen (der Sofortkredit kommt zwar –  siehe weiter oben – nur für Anfragen bis maximal 100.000 Euro in Betracht. Der weit überwiegende Teil der Anträge im Genosektor dürfte dieses Limit aber nicht überschreiten)
  • Wir hören: Realistisch sei, dass der „VR Smart Flexibel Förderkredit“ letztlich in merklich fünfstelliger Anzahl bewilligt werde. Das wäre in jedem Fall ein markanter Anteil am erwarteten Aufkommen bei den Volks- und Raiffeisenbanken insgesamt.

Was die rasche Ausbreitung des Sofortkredite allerdings erschwert: Bei schätzungsweise jeder zweiten Volks- und Raiffeisenbanken wurde der normale „VR Smart Flexibel“-Kredit bislang überhaupt nicht vertrieben. Der Grund: Die Ortsinstitute boten ihren Firmenkunden lieber eigene Finanzierungen an. Effizient war dieses Vorgehen nicht unbedingt – aber nur so bekamen die Institute die Kredite auf ihre eigenen Bücher, in Zeiten tendenzieller Passivüberhänge nicht der unwichtigste Beweggrund.

Bei den KfW-Nothilfe-Krediten indes könnte sich die Motivlage nun umdrehen. Denn: Hier sind die meisten Geschäftsbanken gar nicht erpicht darauf, das zehnprozentige Restrisiko (die übrigen 90% übernimmt bekanntlich die KfW) selbst zu tragen. Die Möglichkeit, dieses Ausfallrisiko an die VR Smart Finanz auszulagern, könnte auch für bislang skeptische Volks- und Raiffeisenbanken ein Anreiz sein, mit der DZ-Bank-Tochter zu kooperieren. Zumal die Ortsinstitute eine Bestandsprovision von 0,1% erhalten, wie aus einem Finanz-Szene.de vorliegenden Schreiben hervorgeht. Plus: Die Kredite erhöhen die Chance, dass die Kunden auch für andere Kredittilgungen und überhaupt die Geschäftsbeziehung liquide bleiben – und man kann ganz banal daran auch etwas verdienen.

Gleichwohl dürften eher Wochen als Monate vergehen, bis hunderte weitere Ortsinstitute für die Systeme der VR Smart Finanz technisch angebunden sind. Zumal noch weiß niemand, ob der in weniger als einer Woche gebaute neue Förderkredit wirklich vom Start weg reibungslos funktioniert. Naheliegenderweise dürfte sich die VR Smart Finanz daher in den nächsten Tagen darauf konzentrieren, das Instrument bei den bisherigen schätzungsweise 400 bis 500 Partnerbanken ans Laufen zu bringen. Ein Drittel dieser Institute soll sogar über eine Online-Abschluss-Strecke auf der Website verfügen. Heißt: Hier braucht der Berater im besten Fall gar nicht mehr einzugreifen.

Den Insider-Berichten zufolge war die Entscheidung, den bisherigen „VR Smart Flexibel“ in einen Förderkredit umzumodeln, Ende letzter Woche gefallen. Eine eigens aufgesetzte Projektgruppe habe dann von Freitagabend an „sechs Tage lang mehr oder weniger durchgearbeitet“. Parallel habe es etliche Gespräche mit der KfW gegeben, da die Genossen ihre Systeme auf die Anforderungen der Staatsbank einstellen mussten. Mit welcher Konsequenz die genossenschaftliche Bankengruppe vorging, lässt sich am besten daran erkennen, dass der bisherige „VR Smart Flexibel“ dem neuen Förderkredit vorübergehend geopfert wird – und das, obwohl die Nachfrage nach dem Produkt zuletzt krisenbedingt sehr hoch gewesen sein soll. Die beiden Kredite parallel bereitzustellen, sei nicht möglich gewesen.

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