Kurz gebloggt

Geno-Gigant: So performen die Fusions-Volksbanken aus Mainz und Darmstadt

Zwischen der Mainzer Volksbank und der Volksbank Darmstadt-Südhessen bahnt sich eine Großfusion an. Wie die beiden Genossenschaftsinstitute am Dienstag bekannt gaben, haben die jeweiligen Vorstände und Aufsichtsräte einem Zusammenschluss im kommenden Jahr zugestimmt. Die daraus entstehende “Volksbank Darmstadt Mainz”* wäre mit einer kumulierten Bilanzsumme von 13,3 Mrd. Euro die drittgrößte deutsche Volksbank nach Berlin (17,4 Mrd. Euro) und Frankfurt (14,7 Mrd. Euro) – und zudem eines der zehn größten Primärinstitute im genossenschaftlichen Sektor (zu dem etwa auch die Apobank sowie die Sparda-Banken zählen).

Nun sind Fusionen im Geno-Lager ja alles andere als ungewöhnlich. Dass allerdings zwei Großvolksbanken zusammengehen (Mainz kommt auf eine Bilanzsumme von 8,1 Mrd. Euro, Darmstadt-Südhessen auf 5,2 Mrd. Euro), ist doch eher selten. Die Beweggründe im konkreten Fall? Klingen nicht unplausibel, doch zugleich recht unspezifisch: Angesichts der Dynamik im Finanzdienstleistungssektor “sehen wir uns in der Verantwortung, frühzeitig, selbstbestimmt und aus einer Position der Stärke heraus die richtigen strategischen Weichenstellungen vorzunehmen”, heißt es in der Erklärung der Volksbanken. Zudem schafft die neue Größe eine nochmals deutlich erhöhte Stabilität auch für den Fall, dass die zukünftigen Herausforderungen größer werden als ohnehin erwartet.”

“Stabil” trifft die 2021er-Kennzahlen der beiden Häuser durchaus gut. Bei der Mainzer Volksbank betrug das Betriebsergebnis vor Bewertung im Verhältnis zur durchschnittlichen Bilanzsumme im vergangenen Jahr sehr ordentliche 0,83%, bei den Darmstädtern waren es immerhin 0,72%. Da passt es ins Bild, dass die Mainzer mit einer Cost-Income-Ratio von 57,5% auch effizienter unterwegs waren als die Volksbank Darmstadt-Südhessen mit ihren 65,8%.

Auffällig: In Mainz schrammte die Gesamtkapitalquote mit 15,02% per Jahresultimo schon extrem nahe an der selbstgesteckten Mindestquote von 15% vorbei – was die Volksbank mit dem starken Kreditwachstum (+8% gegenüber 2020) begründete. Bei den Darmstädtern wiederum blieb das Kreditwachstum mit +2,8% hinter den Erwartungen zurück – und mit 53,4 Mio. Euro erreichte der Zinsüberschuss dort auch nur rund die Hälfte der 108 Mio. Euro aus Mainz (während die übrigen Kennzahlen im Vergleich Mainz und Darmstadt eher in einem Verhältnis von 3:2 zueinander stehen).

Ebenfalls ungewöhnlich: Die Fusion zielt explizit nicht darauf ab, die Zahl der künftig 1600 Beschäftigten zu reduzieren, sondern soll im Gegenteil eher dazu dienen, die neue Volksbank auch bei “altersbedingter Fluktuation der Mitarbeitenden” mit genügend Personal auszustatten. So zumindest stellten es die Vorstände gestern dar: Man brauche “trotz vieler Synergien alle Mitarbeitenden in unserer neuen Bank”. Zudem sollen neue Beschäftigte eingestellt werden.

Guter Wille ist offensichtlich beidseits vorhanden. Beschlossenen Sache ist die Fusion allerdings erst dann, wenn die jeweiligen Vertreterversammlungen zustimmen – was im Mai kommenden Jahres passieren soll. Die Fusion träte dann rückwirkend zum Jahresanfang 2023 in Kraft.

Hier die beiden Volksbanken im Direktvergleich:

Mainzer Volksbank Volksbank Darmstadt-Südhessen
Bilanzsumme
(in Euro)
8,1 Mrd. 5,2 Mrd.
Einlagen
(in Euro)
6,6 Mrd. 4,2 Mrd.
Kreditvolumen
(in Euro)
6,1 Mrd. 3,8 Mrd.
Eigenkapital
(in Euro)
707 Mio. 516 Mio.
Kunden 249.000 215.000
Beschäftigte 950 642
Mitglieder 113.826 96.040
Filialen 72 72
Zinsüberschuss
(in Euro)
108,7 Mio. 53,4 Mio.
Provisionsergebnis
(in Euro)
43,9 Mio. 36,3 Mio.
Personalaufwand
(in Euro)
54,3 Mio. 44,2 Mio.
Sonstige Verwaltungs-
Aufwendungen
(in Euro)
28,1 Mio. 23,2 Mio.
Betriebsergebnis vor Bewertung im Verhältnis zur ø Bilanzsumme 0,83% 0,72%
Cost-Income-Ratio 57,5% 65,8%
Gesamtkapitalquote 15,0% 16,8 %

Quelle: Geschäftsberichte 2021 der Volksbanken Mainz und Darmstadt-Südhessen


*In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir den neuen Namen des Fusionsinstituts fälschlicherweise mit “Volksbank Mainz Darmstadt” angegeben anstatt mit “Volksbank Darmstadt Mainz”. Wir bitten um Entschuldigung!

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