Exklusiv

Groß gegen Gros: Machtkampf bei bayerischen Volksbanken

17. Dezember 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Neulich hat Jürgen Gros, der Cheflobbyist der bayerischen Genobanken, mal wieder gepoltert – und der mediale Aufschlag war wieder mal immens. „Brandbrief aus Bayern fordert mehr Kontrolle über N26“, titelte der deutsche Ableger des US-Magazin „Business Insider“. „Insbesondere mit Blick auf die geschädigten Kundinnen und Kunden ist es nicht länger hinnehmbar, dass N26 die eigenen Strukturen und Sicherheitsstandards nicht verbessert“, wurde Gros in der „Süddeutschen Zeitung“ zitiert. Und „Finanz Business“ schrieb: „Betrüger, die Kunden bayerischer Volks- und Raiffeisenbanken schädigten, haben überproportional häufig ein Konto bei N26, ist der Tenor eines Brandbriefs, den Jürgen Gros an den Bafin-Präsidenten Mark Branson schickte.“

So oder so ähnlich geht das eigentlich immer. Bayerns Genobanken gegen N26. Bayerns Genobanken warnen vor dem Ende der Provisionsberatung. Bayerns Genobanken kämpfen gegen „Verbotsorgien“ aus Brüssel und Berlin. Bayerns Genobanken kritisieren „informelle Bankenregulierung der Bafin“. Bayerns Genobanken stehen verschärfter Regulierung von Großbanken nicht im Wege. Und wenn gar nichts mehr geht, dann halt: Bayerns Genobanken kritisieren Zinspolitik der EZB. A bisserl was geht allerweil.

Dafür, dass der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) lediglich für die Banken aus einer der drei Säulen in einem von 16 Bundesländern spricht, ist seine öffentliche Wahrnehmung erstaunlich. So gesehen, müssten sich die exakt 222 Volks- und Raiffeisenbanken im Freistaat eigentlich glücklich schätzen. Ihre Stimme hat Gewicht. Oder zumindest ist sie laut.

Daher verwundert, dass Jürgen Gros und sein Vorstandskollege Alexander Büchel innerhalb ihres eigenen Verbands dieser Tage laut Finanz-Szene-Recherchen als angezählt gelten. Wie aus dem Kreis bayerischer Genossenschaftsbanken zu erfahren ist, soll es innerhalb des GVB sogar Überlegungen geben, die Zusammenarbeit mit den beiden Verbandsmanagern trotz bis 2024 laufender Verträge vorzeitig zu beenden. Als treibende Kraft wird der sogenannte Verbandsrat ausgemacht, ein 18-köpfiges, von drei einflussreichen Volksbank-Chefs geführtes Gremium, dessen Kernaufgabe in der Überwachung des Vorstands liegt.


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Auf schriftliche Anfrage von Finanz-Szene.de sahen sich gestern weder der Verband noch die Spitze des Verbandsrats bemüßigt, Gros und Büchel zur Seite zu springen.

  • Is es richtig, dass es innerhalb des Verbandes Bestrebungen gibt, die Zusammenarbeit mit Gros und Büchel vorzeitig zu beenden?
  • Ist es richtig, dass der Verbandsrat die treibende Kraft hinter den angeblichen Bestrebungen ist?
  • Ist es richtig, dass die beiden Personalien bei der jüngsten Sitzung des Verbandsrats diskutiert wurden?

Das Präsidium des Verbands (also die dreiköpfige Spitze des Verbandsrats; Anm. der Red.) nehme zu „Spekulationen über Interna“ keine Stellung, hieß es gestern lediglich.

Sind die bayerischen Volksbanken untereinander gespalten?

Tatsächlich ergibt das, was dieser Tage an Informationen aus der bayerischen Genobanken-Szene tröpfelt, noch kein vollständiges Bild. Was eine Rolle spielen könnte: Während zum Beispiel in Hessen infolge einer jahrzehntelangen Konsolidierung nur noch rund 30 Volks- und Raiffeisenbanken existieren, sind es im Freistaat – siehe oben – immer noch mehr als 200.

Die kleinen Ortsbanken mit einer Bilanzsumme im oftmals nur niedrigen dreistelligen (oder sogar bloß hohen zweistelligen) Millionenbereich gelten in Bayern immer noch als Verkörperung des genossenschaftlichen Ideals. Der Verbands-Polterer Gros sehe sich in erster Linie als Sprachrohr und Interessenvertreter ebendieser Kleinbanken, sagt einer, der sich gut auskennt in der Szene. Das sei auch deshalb von Belang, weil sich viele dieser Volks- und Raiffeisenbanken vom BVR in Berlin nur noch leidlich gut vertreten sähen. Schließlich steht der BVR nicht ganz zu Unrecht unter Verdacht, zumindest insgeheim die Schaffung größerer Einheiten zu betreiben.

Indes – ebendiese größeren Einheiten gibt es in Bayern partiell eben auch. Nicht mal unbedingt nur in den Städten. Sondern auch auf dem Land. Als Prototyp dieser Spezies gilt die aus Dutzenden Fusionen entstandene „meine Volksbank Raiffeisenbank eG“, deren Zentren in Rosenheim und Altötting liegen. Mit einer Bilanzsumme von rund 10 Mrd. Euro spielt das Institut in einer Liga mit der Berliner Volksbank, der Frankfurter Volksbank oder der Sparda West. Als Vorstandschef dieses Provinz-Kolosses firmiert ein gewisser Wolfgang Altmüller. Und der ist eben auch: der Vorsitzende des GVB-Verbandsrats, also jenes Gremiums, das angeblich die Ablösung der geschäftsführenden GVB-Vorstände betreibt.

Hat das angebliche Zerwürfnis möglicherweise damit zu tun, dass die Verbandspolitik bei einigen größeren Volks- und Raiffeisenbanken weniger gut ankommt als bei den kleineren? Dass die Gros’schen Poltereien gegen Brüssel, gegen Berlin, gegen die EZB, gegen die Bafin als bisweilen gestrig und vielleicht sogar kontraproduktiv empfunden werden?

Was wirklich Sache ist, lässt sich von außen kaum beurteilen. Das allerdings bei den bayerischen Genossen die Hütte brennt – das steht fest.

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