Hamburger Sparkasse am Tiefpunkt: Gewinn fällt auf „null“

1. September 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Die sich schon seit geraumer Zeit abzeichnende Ertragserosion bei der Hamburger Sparkasse erreicht eine neue Qualität. Im ersten Halbjahr ist das Nachsteuerergebnis auf „null“ gefallen, wie aus dem am Dienstmorgen auf der Website veröffentlichten Halbjahresbericht hervorgeht. Zum Vergleich: In den ersten sechs Monaten 2019 hatte unterm Strich immerhin noch ein Gewinn von 35 Mio. Euro gestanden.  Auch für das Gesamtjahr rechnet Deutschlands nach Bilanzsumme größten deutsche Sparkasse nur mehr mit einem „ausgeglichenen“ Ergebnis.

Besonders bitter: Mit der Corona-Krise scheint die dramatische Entwicklung nur bedingt zusammenzuhängen. So fiel das sogenannte Bewertungsergebnis (das die Risikokosten widerspiegelt) im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum gerade mal um 9 Mio. Euro auf minus 48 Mio. Euro. „Größere Belastungen blieben aus“, kommentiert der Halbjahres-Bericht. Stattdessen scheinen die wahren Probleme der Haspa struktureller Natur zu sein. So zeigen sich die größten Einschläge bei den Zinserträgen (minus 27 Mio. Euro bzw. minus 9% auf nur noch 373 Mio. Euro) sowie im Kreditersatzgeschäft (minus 24 Mio. Euro bzw. minus 73% auf nur noch 9 Mio. Euro). Der mehr oder weniger einzige Lichtblick sind die Verwaltungsaufwendungen, die um gut 5% auf nur noch 345 Mio. Euro sanken.

Auf die tiefgreifenden Ertragsprobleme der Hamburger Sparkasse hatte Finanz-Szene.de bereits im Frühjahr auf Basis der 2019er-Zahlen hingewiesen, siehe unser Stück „Haspa-Drama: Größter deutscher Sparkasse implodiert die GuV“. Dazu muss man wissen (jenseits der Finanz-Szene.de-Leserschaft weiß das aber leider kaum jemand): Die Haspa pushte ihre Erträge jahrelang öffentlich unbemerkt vor allem über die „Erträge aus Aktien und anderen nicht-festverzinslichen Wertpapieren“ – also das, was wir oben Kreditersatzgeschäft genannt haben. Den Höhepunkt erreichte diese Entwicklung 2015. Da stiegen die entsprechenden Erlöse auf fast 160 Mio. Euro – was aber niemanden auffiel, weil die Haspa die Einnahmen in ihrer öffentlichen Kommunikation dem Zinsergebnis zuschlagen (was nicht verboten ist).

Inzwischen finden sich diese Erlöse jedoch in freiem Fall (siehe die minus 73% von weiter oben). Und allem Anschein nach fehlt des Haspa die Substanz, mit Ertragssteigerungen im Kerngeschäft gegenzusteuern. So fiel im ersten Halbjahr nämlich nicht nur das Zinsergebnis (ohne Kreditersatzgeschäft) um 3% auf nur noch 285 Mio. Euro. Sondern: Auch das Provisionsergebnis fiel um 2% auf 161 Mio. Euro. Das ist ein klares Indiz dafür, dass die Haspa das Provisionsgeschäft einzig über die Erhöhung von Kontogebühren anzukurbeln weiß – was sie allerdings Anfang 2019 schon getan hatte, und zwar kräftig. Inzwischen gehören die Haspa-Girokontenmodelle mit Tarifen von 7,90 bis 16,90 Euro pro Monat zu den teuersten Sparkassen-Girokonten überhaupt in Deutschland.

Was man der Vollständigkeit freilich auch sagen muss: Ein großer Aufwandsposten bei der Haspa waren auch im ersten Halbjahr 2019 wieder die Pensionsrückstellungen. Würden anderen Sparkassen diese Lasten genauso in die GuV packen, wie es die Hanseaten tun, dann sähe die Hamburger Sparkasse im Quervergleich zu anderen Instituten nicht ganz so schlecht aus (jedenfalls ist das unsere Vermutung; zu 100% blicken wir bei dem Pensionsthema – ehrlich gesagt – nicht durch).

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