Deutlicher Gewinnrückgang für die ING Diba im Q2

6. August 2021

Von Christian Kirchner

Die ING Deutschland (früher: ING Diba) hat im zweiten Quartal einen ungewöhnlich deutlichen Ergebnisrückgang zum Vorquartal ausgewiesen. Insgesamt erzielte die größte hiesige Direktbank einen Gewinn vor Steuern von 249 Mio. Euro – ein Minus von 32% zum ersten Quartal. Dabei sanken sowohl das Zins- als auch das Provisionsergebnis, während die Kosten stiegen, wie aus dem am Freitagmorgen veröffentlichten Q2-Report des niederländischen Mutterkonzerns hervorgeht. Gegenüber dem Vorjahresquartal entsprechen die vorgelegten Zahlen zwar einer Steigerung von 66%. Allerdings war die Vergleichsperiode geprägt von negativen Einmaleffekten bei der Risikovorsorge. Üblicherweise fluktuieren die Quartalsergebnisse der ING Diba kaum.

Konkret sank der Zinsüberschuss trotz sinkender (!) Einlagen um deutliche 7% zum Vorquartal und gar um 9% zum Vorjahresquartal auf nunmehr 488 Mio. Euro. Bislang hatte die ING ihr Zinsergebnis stets verteidigen können, im Gesamtjahr 2020 etwa sank es um lediglich 2% zum Vorjahr. Nun kann das Institut der Zinsentwicklung offenbar nicht mehr viel entgegensetzen – eine Entwicklung, die bereits im 2020er-Geschäftsbericht angedeutet worden war. Dort hatte die Oranje-Bank mit dem Verweis auf die Ablösungen höher verzinste Altverträge in der Baufinanzierungen angekündigt, 2021 mit „moderat“ sinkenden Zinsergebnissen zu rechnen. Die ING hat 82 Mrd. Euro ihrer rund 145 Mrd. Euro Einlagen als Baufinanzierungen ausgereicht.

ING-Diba-Gewinn fällt wohl erstmals wieder unter 1 Mrd. €

WaR’s das schon mit dem Auftrieb im Wertpapiergeschäft?

Besonders heftig fiel der Rückgang beim Provisionsergebnis aus. Hier betrug das Minus 25% zum Vorquartal und 5% zum Vorjahresquartal auf 112 Mio. Euro – ein weiteres Indiz, dass sich die extreme Sonderkonjunktur im Wertpapiergeschäft hierzulande abflaut.

Daraus ergibt sich bei der ING Deutschland in der Summe ein Rückgang der Erträge von 7% zum Vorjahresquartal bei um 15% gestiegenen Kosten, wobei knapp die Hälfte dieses Kostenanstiegs durch höhere regulatorische Abgaben zu erklären ist. Die Präsentation der Mutter nennt hier vor allem den Anstieg der Beiträge zur Einlagensicherung infolge der Greensill-Bank-Pleite als Grund.

Wie viele andere Institute auch, bildete die ING kaum neue Risikovorsorge, sie betrug lediglich 30 Mio. Euro, was indes auch einem leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht. Welche Implikationen das BGH-Urteil zur Zustimmungsfiktion hatte, geht aus den Zahlen nicht direkt hervor.

Huch – die ING Diba mit einer CIR von klar >50% …

Insgesamt spielen sich die Verschlechterungen der Ertragskennziffern zwar auf hohem Rentabilitätsniveau ab, allerdings kletterte die Cost-Income-Ratio im Deutschland-Geschäft deutlich auf nunmehr 56,4% nach zuvor stets unter 50% in der Vorquartalen.

Einen vermeintlichen Erfolg kann die ING bei den Depositen verbuchen: Die in den Bilanzen zunehmend unerwünschten Kundeneinlagen sanken erstmals überhaupt um 2% bzw. 3,2 Mrd. auf 144,8 Mrd. Euro. Der Rückgang ist allerdings, wie das Institute parallel mitteilte, auf den Abgang des Österreich-Geschäfts zurückzuführen (siehe auch unsere News hier), welches bilanziell nicht separat ausgewiesen wird. Bereinigt um die nun abgegangenen 3,9 Mrd. Euro gab es einen erneuten leichten Anstieg der Einlagen um 0,7 Mrd. Euro.

Auffällig zudem: Ende Juni und damit kurz vor Quartalsende hatte die ING eine Verschärfung ihrer erst per Februar eingeführten Verwahrentgelte angekündigt (siehe hier). Statt wie erst im Februar nur für Neukunden und -konten sowie ab 100.000 Euro eingeführt, will sie künftig Verwahrentgelte auch bei Bestandskunden und bereits ab 50.000 Euro erheben.

In den Quartalszahlen lässt sich besichtigen, warum: Offenbar konnten auch die neuen Verwahrentgelte den Einlagenanstieg nicht bremsen. Und ohne weitere Maßnahmen steht das Zinsergebnis weiter stark unter Druck und bietet das Provisionsgeschäft auf Dauer keinen verlässlichen Ausgleich.

Hier die Ergebnisse im Detail:

Veränderung…
in Mio. Euro Q2/2020 Q1/2021 Q2/2021 vs. Vorquartal in % vs. Vorjahresq. in %
Zinsüberschuss 534 522 488 -7 -9
Provisionsüberschuss 118 150 112 -25 -5
Erträge gesamt 691 711 640 -10 -7
Kosten gesamt 313 330 361 9 15
Risikovorsorge 228 13 30 131 -87
Gewinn vor Steuern 150 367 249 -32 66
RoTE 5,5% 17,1% 12,7% – 4,4 Ppte. +7,2 Ppte.
Cost-Income-Ratio 45,3% 46,4% 56,4% +11,1 Ppte. 6 Ppte.

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